Hoffnung für HIV-Infizierte Forschern gelingt Durchbruch gegen Aids

BRISANT | 23.02.2016 | 17:15 Uhr

HI-Virus colourbox-ID: 3947103   Bitte als Teaserset bereitstellen!  Vielen Dank! Ekkehard - 7293
Bildrechte: colourbox

Wissenschaftler aus Dresden und Hamburg haben ein Mittel gegen Aids entwickelt. Wie die Forscher um den Molekularbiologen Frank Buchholz mitteilten, seien zum ersten Mal menschliche Zellen von einer HIV-Infektion geheilt worden.

"Molekulares Skalpell" schneidet Virus aus DNS

Bei der revolutionären Methode handelt es sich um ein Enzym, das das HI-Virus in der DNS betroffener Zellen sucht und es herausschneidet. Die Methode des "molekularen Skalpells", wie Buchholz sie nennt, sei bei nahezu allen bekannten HIV-Stämmen einsetzbar. Damit wird die Schwächung des Immunsystems erfolgreicht gestoppt.

In den vergangenen Jahren wurden enorme Fortschritte bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden gemacht. Das größte Problem bei der Suche nach einem Heilmittel sei, dass sich das Virus in der DNA versteckt. Derzeit kann die Vermehrung des Virus zwar effektiv unterdrückt werden. Das HIV-Erbgut bleibt jedoch im Genom der Zellen enthalten. Dort setzt das neue Enzym mit dem Namen Brec1-Rekombinase an, so die Forscher. Für Frank Buchholz ist die Methode erst der Anfang eines ganz neuen Medizin-Teilgebietes. Denn mit molekularen Skalpellen könnten weitere Krankheiten geheilt werden.

Das Generieren von molekularen Skalpellen, wie der Brec1 Rekombinase, wird die Medizin verändern. Von dieser Entwicklung werden nicht nur HIV Patienten, sondern auch viele andere Patienten mit genetisch-bedingten Erkrankungen profitieren. Wir stehen kurz davor, das Zeitalter der Genom-Chirurgie einzuläuten.

Frank Buchholz, Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden

Frank Buchholz bei der Laborarbeitrof. Dr. Frank Buchholz, Professor für Medizinische Systembiologie an der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden bei der Laborarbeit
Frank Buchholz, Professor für Medizinische Systembiologie an der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden bei der Laborarbeit. Bildrechte: Karsten Möbius/MDR

Möglicherweise in fünf bis sechs Jahren einsatzbereit

Bislang wurden die Versuche in menschlichen Zellkulturen und an Tieren erfolgreich durchgeführt. Nun stehen weitere, kostenintensive Forschungsarbeiten zur Übertragung des Prinzips auf das menschliche Erbgut und eine klinische Studie mit HIV-Patienten an. Sollte sich das neu entwickelte Verfahren auch auf das menschliche Genom anwenden lassen, wäre das ein wissenschftlicher Durchbruch in der AIDS-Forschung. Viele Patienten könnten dadurch berechtigte Hoffnung auf neue Heilungschancen haben. Die neue Technologie könnte in fünf bis sechs Jahren nutzbar sein.

Zwei Millionen Neuinfektionen jedes Jahr

Weltweit sind etwa 37 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Nach Angaben der UN-Organisation UNAIDS gibt es jedes Jahr mehr als zwei Millionen Neuinfektionen. Wer sich mit dem Virus infiziert hat, erkrankt nach einer mehrjährigen Inkubationszeit an der Immunschwächekrankheit Aids. Seit dem Beginn der Epidemie 1981 starben mehr als 36 Millionen Menschen an der Krankheit.

Was ist AIDS? Aids ist die Folge einer Infektion mit dem "Human Immunodeficiency Virus", übersetzt: menschliches Immunschwäche-Virus, kurz HIV. Es schädigt oder zerstört T-Helfer-Zellen: weiße Blutkörperchen, die die Immunantwort des Körpers koordinieren, Eindringlinge angreifen und sie zerstören.

HI-Viren docken an Zellen an, integrieren ihr eigenes Erbgut in das der Wirtszellen und vermehren sich so. Nach einiger Zeit zerstören die neu produzierten Viren die Wirtszelle und werden ins Blut freigesetzt, wo sie sich den nächsten Wirt suchen.

Ein neuer Vermehrungsprozess beginnt; die Zahl der T-Helfer-Zellen sinkt. Folge ist eine schwere Immunschwäche; der Körper ist nicht mehr fähig, Bakterien, Viren oder Pilze, die Krankheiten auslösen, zu bekämpfen.

Es gibt verschiedene Arten, sich mit dem HI-Virus zu infizieren: sexueller Kontakt, Übertragung durch infiziertes Blut, durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen, durch Verletzungen, oder von einer Schwangeren auf den Fötus. Vom Risiko einer HIV-Infektion ist niemand ausgeschlossen.