Homosexualität in der Kirche Callboy prangert Doppelmoral katholischer Priester an

BRISANT | 03.04.2018 | 17:15 Uhr

Francesco Mangiacapra hat jahrelang als homosexueller Callboy gearbeitet. Über seine etlichen Treffen mit katholischen Geistlichen hat er ein Dossier angelegt und an die Kurie geschickt. Seine Motivation dabei: die Scheinheiligkeit in der katholischen Kirche.

Gewitterwolken über dem Petersdom in Rom
Gewitterwolken über dem Petersdom in Rom Bildrechte: dpa

Kein Kreuzzug gegen die Kirche

In dem mehr als 1.200 Seiten starken Dossier, das an den Erzbischof von Neapel gesendet wurde, liefert Mangiacapra Beweise für sexuelle Kontakte mit zahlreichen Priestern. Dazu zählen eindeutige Chatverläufe, Zahlungsbelege und explizite Fotos der betroffenen Personen. Es enthält außerdem die Namen der Geistlichen, die einen Lebensstil führen, der eindeutig homosexuell ist, so Mangiacapra im Interview mit BRISANT. Es gehe ihm nicht darum, einen Kreuzzug gegen die Kirche oder schwule Priester zu führen. Vielmehr seien Scheinheiligkeit und Doppelmoral der Priester, die in der Öffentlichkeit Homosexualität verdammen, sie andererseits aber selbst ausleben, die Auslöser gewesen.

"Priester-Netzwerk, das sich schützt"

Mangiacapra hängt sich nicht an Einzelfällen auf. Es geht ihm darum, ein grundlegendes Problem aufzuzeigen: "Hier geht es um ein wahrhaftes Netzwerk, eine Lobby von Priestern, die organisiert sind, die sich helfen. Sie leisten sich Schützenhilfe, damit sie ihre Homosexualität möglichst frei, möglichst unbeschwert leben können", so Mangiacapra. Ein Priester sei aber eine Messlatte für Moral und soziale Ausrichtung. Er betrüge durch seine Scheinheiligkeit die ganze Gemeinde, die er vertritt.

Bislang offenbar keine Maßnahmen seitens der Kirche

Der Erzbischof von Neapel äußerte sich in der italienischen Zeitung "La Repubblica" zu dem Dossier: "Ich bin nicht bloß besorgt, ich bin empört!" Dennoch: Passiert ist bislang offenbar nichts. Nach Angaben von Mangiacapra seien bislang keine Maßnahmen ergriffen worden. "Ich denke, dass die Kirche im "Worst Case" die Spielfiguren verschieben wird. Aber das Spiel wird weitergehen."

Die Absicht des Dossiers ist es nicht, eine Bestrafung dieser Priester zu erreichen. Die Absicht ist eher, dass diese Priester die Authentizität ihrer Berufung hinterfragen sollen.

Francesco Mangiacapra

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. April 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2018, 18:48 Uhr

Das könnte sie auch interessieren