Keine Handys im Klassenzimmer Frankreich führt Smartphone-Verbot an Schulen ein

BRISANT | 31.07.2018 | 17:15 Uhr

Heimlich Botschaften per WhatsApp austauschen oder dem Mitschüler die Mathelösung schreiben? In französischen Klassenräumen ist das zukünftig tabu. Das Parlament hat ein Verbot von internetfähigen Handys in der Schule beschlossen.

Ein Smartphone in einer Federtasche
Bildrechte: imago/Christian Ohde

Gymnasien haben die Wahl

Liberale und Abgeordnete der Regierungspartei La République en Marche stimmten am Montag (30.07.2018) in der Nationalversammlung für das Verbot. Das Verbot war ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron.

Das Handy-Verbot soll an Vorschulen, Grundschulen und weiterführenden Schulen gelten. Es betrifft alle Kinder und Schüler im Alter von drei bis 15 Jahren. Französische Gymnasien haben die Möglichkeit, ebenfalls ein Verbot einzuführen, sind aber nicht dazu verpflichtet.

Auch Tablets sind tabu

Die neue Regelung gilt für alle internetfähigen Geräte. Also neben Smartphones auch für Tablets und Smartwatches. Sie gilt in allen Schulräumen und bei schulischen Aktivitäten auch außerhalb des Gebäudes. Lehrer dürfen Ausnahmeregelungen treffen, wenn die Geräte Bestandteil des Unterrichts sind. Für Kinder mit einer Behinderung gilt das Verbot nicht.

Altes Gesetz verschärft

Seit 2010 gilt in Frankreich bereits ein Gesetz, das die Handynutzung während des Unterrichts verbietet. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hielt die bisherige Regelung jedoch für wenig effektiv, weil sie zu viele Ausnahmen gestattete. Das neue Gesetz befördere Frankreich "ins 21. Jahrhundert", erklärte er. "Es sendet eine Botschaft an die französische Gesellschaft" sowie an andere Länder in der Welt.

Handy
Dieses Bild wird es in Frankreich bald nicht mehr geben. Bildrechte: Colourbox.de

Kritiker sehen logistische Probleme

Knapp neun von zehn französischen Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren besitzen ein Smartphone. Verfechter des neuen Gesetzes argumentierten unter anderem, die Handynutzung störe nicht nur die Aufmerksamkeit im Unterricht, sondern auch das Schulklima und reduziere die körperliche Betätigung auf den Schulhöfen.

Kritiker des Verbots erklärten dagegen, die bisherige Regelung sei ausreichend gewesen. Sie warnten zudem vor "logistischen Problemen und den Kosten" für die Aufbewahrung der Handys.

Vorbild für Deutschland?

In Deutschland gibt es ein Handy-Verbot derzeit nur an bayerischen Schulen. Aus Sicht des deutschen Bundes-Elternrats haben Handys nichts an Schulen zu suchen. Ein generelles Verbot wie in Frankreich lehnt der Bundes-Elternrat trotzdem ab. "Es stört den Unterricht, da müssen wir uns nichts vormachen", sagte der Vorsitzende Stephan Wassmuth. Dagegen spreche aber, dass die Schulen technisch noch nicht gut genug ausgerüstet seien, um ganz auf Mobiltelefone zu verzichten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. Juli 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 10:53 Uhr

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