Böller, Raketen und Co. Fünf gute Gründe für den Verzicht auf Feuerwerkskörper

Tiere leiden massiv unter Raketen und Böllern. Außerdem verursachen sie jede Menge Feinstaub und verletzten zahlreiche Menschen. Und: Das für Feuerwerk ausgegebene Geld könnte viele Probleme lösen. Fünf gute Gründe, warum es sich lohnt, auf die Silvester-Knallerei zu verzichten.

Reste des Silvesterfeuerwerks, Silvesterböller am Neujahrstag.
Verursacht jede Menge Müll: die Silvester-Knallerei. Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

1. Feinstaub

Raketen und Böller verursachen regelmäßig Feinstaubalarm in der Silvesternacht. Rund 2.050 Tonnen davon werden dann in die Luft geblasen, schätzt das Umweltbundesamt. In der Nacht zu Neujahr messen zahlreiche Messstationen in den Städten oft ihre Jahreshöchstwerte. Folgende Grafik zeigt die an Neujahr 2018 gegen ein Uhr gemessene Pulverdampf-Wolke über Deutschland. Normal sind Werte um 20 Mikrogramm.

Grafik mit einer Deutschlandkarte, die die Kponzentration von Feinstaubpartikeln um 1 Uhr an Neujahr zeigt. Rund um die Städte sind die Wetere oft tiefrot. (PM10-Stundenwerte für 1 Uhr am 1.1.2018)
Weit über dem Normalwert: die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht. Bildrechte: Umweltbundesamt.

2. Verängstigte Tiere

Wer mit Haustieren wie Katzen und Hunden zusammenlebt, weiß, wie viele von ihnen unter den lauten Böllern leiden. Auch Vögel reagieren panisch, einige von ihnen verlassen fluchtartig die Stadt. Die Umweltschutzorganisation NABU warnt besonders vor der Knallerei in Grünflächen und Parks. Dort werden die Tiere aufgeschreckt und fliehen dann in mitunter eisige Höhen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen. Nicht wenige Wildtiere sterben durch das Feuerwerk.

Ein kleiner Terrier schaut zwischen zwei Holzstreben hervor.
Traurige Augen in der Silvesternacht: Hund und Co. haben häufig Angst vor dem lauten Feuerwerk. Bildrechte: Colourbox.de

3. Verletzte Menschen

Vergleichende Statistiken über die Zahl der durch Böller und Raketen verletzten oder sogar getöteten Menschen in Deutschland gibt es zwar nicht. An dramatischen Beispielen herrscht aber auch kein Mangel. Beim Jahreswechsel 2017/18 starben zwei Männer in Brandenburg beim falschen Umgang mit Feuerwerk. Auch anderswo erlitten Jugendliche teils schwere Verletzungen.

Der Regelfall dürften vor allem Hörschäden durch explodierte Knaller sein. Sie können ein Knalltrauma auslösen, das mitunter einen bleibenden Verlust von Hörvermögen nach sich ziehen kann.

Notarzt Rettungswagen des DRK Deutschen Rotes Kreuz
Immer wieder müssen Menschen an Silvester wegen Verletzungen durch Feuerwerk ins Krankenhaus. Bildrechte: imago/Ralph Peters

4. Das viele Geld

Nach Auskunft des Verbands der Pyrotechnischen Industrie haben die Deutschen in den vergangenen Jahren für Raketen, Knaller und Batteriefeuerwerke jeweils 137 Millionen Euro ausgegeben. Im Vergleich mit anderen Konsumgütermärkten wirkt diese Summe zwar eher klein. Für Schnittblumen und Zimmerpflanzen gaben die Deutschen 2017 rund 8,6 Milliarden Euro aus. Allerdings verteilt sich dieser Umsatz auf das gesamte Jahr. Böller dürfen hingegen nur wenige Tage zwischen Weihnachten und Neujahr frei verkauft werden.

Geht man rein hypothetisch davon aus, der Verkauf von Feuerwerk wäre unbeschränkt und die Deutschen würden das gesamte Jahr über Knaller mit der gleichen Begeisterung kaufen, wie kurz vor Silvester, dann läge der Umsatz bei mehr als 16 Milliarden Euro.

5. Entwicklungshilfe oder Naturschutz verbessern

Brunnen statt Böller: Deutschland gab im Jahr 2016 laut dem Statistischen Bundesamt 22,4 Milliarden Euro für Entwicklungszusammenarbeit aus. Mit den 137 Millionen Euro könnte man den Etat um 0,6 Prozent erhöhen. Das klingt zwar nicht viel, kann die Lebensbedingungen in einzelnen Entwicklungsländern aber stark verbessern.

Bäume statt Böller: Für Natur- und Artenschutz gaben Bund, Länder und Kommunen 2015 insgesamt 1,4 Milliarden Euro aus. Würde man hier die 137 Millionen Euro investieren, stiege der Etat für Naturschutzgebiete um 9,2 Prozent.

Nationalpark Hainich Bäume.
Mit dem ausgegebenen Geld für Raketen und Böller könnten Naturschutzgebiete gefördert werden. Bildrechte: imago/blickwinkel

Quelle: mdr wissen

BRISANT

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