Energiepreise Gasumlage beschlossen: Das müssen Verbraucher jetzt wissen

Die Gasumlage ist beschlossene Sache. Ab Oktober müssen Bürgerinnnen und Bürger tiefer in die Tasche greifen, um ihre Energieversorger vor der Pleite zu bewahren und Lieferausfälle zu verhindern. Doch wie sie selbst entlastet werden sollen, das ist vorerst noch offen.

Illustration - Stempel mit Aufschrift Gasumlage auf Eurozeichen.
Gasumlage beschlossen: Wieviel Mehrkosten kommen auf die Verbraucher zu? Bildrechte: IMAGO/Christian Ohde

Die Höhe der staatlichen Gasumlage ist beschlossen: Ab Oktober müssen Kunden 2,419 Cent zusätzlich pro Kilowattstunde Gas bezahlen - unabhängig von ihrem jeweiligen Versorger.

Auf der Abrechnung wird die Umlage mit etwas Zeitverzug sichtbar werden, vermutlich im November oder Dezember. Der Grund dafür sind Ankündigungsfristen im Energiewirtschaftsgesetz von vier bis sechs Wochen, die eingehalten werden müssten. Die Energiekonzerne RWE und Shell wollen auf die Gasumlage komplett verzichten.

Welchen Grund gibt es für die Gasumlage?

Das Gasumlage wird zum schnellen Ausgleich von 90 Prozent der teuren Ersatz-Beschaffungskosten der Importeure für ausgefallene russische Lieferungen verwendet. Damit sollen Firmenpleiten und letztlich Lieferausfälle verhindert werden.

Wieviel Mehrkosten kommen auf die Bürger zu?

Auf einen Familienhaushalt kommen dadurch - zusätzlich zu den ohnehin gestiegenen Gaspreisen - weitere Kosten von mehreren hundert Euro zu.

Ein vierköpfiger Durchschnittshaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch muss ohne Mehrwertsteuer mit rund 480 Euro Mehrbelastung im Jahr rechnen. Mit Mehrwertsteuer wären es sogar 576 Euro.

Ein Single-Haushalt verbraucht etwa 5.000 Kilowattstunden pro Jahr. Durch die Gasumlage plus Mehrwertsteuer verursacht das etwa 143 Euro Mehrkosten. Pärchen mit einem durchschnittlichen Gasverbrauch von 12.000 kWh im Jahr müssen ca. 343 Euro mehr zahlen.

Hinzu kommen jeweils weitere Mehrkosten durch die gestiegenen Energiepreise.

Eine Gasflamme brennt auf einem Küchenherd.
Durch die beschlossene Gasumlage kommen auf zahlreiche Bürgerinnen und Bürger erhebliche Mehrkosten zu. Bildrechte: dpa

Wird auf die Gasumlage Mehrwertsteuer erhoben?

Zunächst war unklar, ob auf die Gasumlage eine Mehrwertsteuer erhoben wird. Wirtschaftsminister Robert Habeck wollte das möglichst verhindern. Doch in der Hand der Bundesregierung lag diese Entscheidung nicht.

Jetzt hat die EU-Kommission dem Vorstoß eine Absage erteilt. Die Möglichkeit einer Mehrwertsteuer-Befreiung gebe es grundsätzlich nicht. Die gute Nachricht: Auch die EU ist an einer Entlastung der betroffenen Bürger interessiert. Aktuell wird nach alternativen Wegen gesucht, den Verbrauchern den Mehrwertsteuer-Betrag zu erstatten. So plant Bundeskanzler Olaf Scholz, den Steuersatz auf den Gasverbrauch, zeitlich befristet bis Ende März 2024, von 19 auf sieben Prozent zu senken.

Mit welchen Entlastungen ist zu rechnen?

Allein lassen will die Bundesregierung die Bürgerinnen und Bürger mit der erneuten Mehrbelastung aber wohl nicht. Wenn die Umlage am 1. Oktober fällig werde, würden weitere Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger "bereit sein", versprach Vize-Regierungssprecherin Christiane Hoffmann. Wie diese aussehen werden, ist bislang nicht entschieden.

Nötig sind weitere Entlastungen aber allemal. Der Paritätische Gesamtverband befürchtet aufgrund der neuerlichen Belastungen Gassperren und eine neuen Armutsspirale bis hin zum Wohnungsverlust. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert deshalb eine zielgerichtete Hilfe insbesondere für Rentner, Menschen in Grundsicherung und Geringverdienende.

Den bisherigen Preissteigerungen für Energie ist mit einem Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger und einer Energiekostenpauschale für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten begegnet worden.

BRISANT/KNA/Reuters/dpa/AFP

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. August 2022 | 17:15 Uhr

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