Auf dem Smartphone wird mitgefilmt, wie Retter sich um einen Verletzten kümmern
Gaffern könnten künftig Haft- oder Geldstrafen drohen. (Archiv) Bildrechte: imago/Jochen Tack

Kabinettsbeschluss Bundesregierung: Härtere Gangart gegen Gaffer

Rettungskräfte und Polizei erleben es immer wieder: Gaffer zücken ihre Handys und halten drauf - auf Verletzte, Tote, Leidende. Sie filmen von der Gegenfahrbahn aus oder halten extra an. Jetzt reagiert die Bundesregierung.

Auf dem Smartphone wird mitgefilmt, wie Retter sich um einen Verletzten kümmern
Gaffern könnten künftig Haft- oder Geldstrafen drohen. (Archiv) Bildrechte: imago/Jochen Tack

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Schutzrechte bislang nur für lebende Menschen

Das Kabinett hat am Mittwoch (13.11.) einen Gesetzentwurf zur Verbesserung der Persönlichkeitsrechte bei Bildaufnahmen beschlossen. So will die Bundesregierung schärfer gegen Gaffer an Unfallstellen vorgehen. "Verletzte Unfallopfer oder gar Tote aus reiner Sensationsgier zu fotografieren, ist widerlich und verstößt gegen die Grundregeln menschlichen Anstands", so Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Bislang gibt es solche Schutzrechte nur für Fotos von lebenden Menschen.

Freiheits- oder Geldstrafe

Den Gesetzesplänen zufolge kann es künftig mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden, wenn jemand "eine Bildaufnahme, die in grob anstößiger Weise eine verstorbene Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt". Den Angehörigen müsse das zusätzliche Leid erspart werden, dass Bilder ihrer verstorbenen Eltern oder Kinder verbreitet würden, so Lambrecht. Zudem behinderten Gaffer häufig "die Rettungskräfte, die alles tun, um Leben zu retten".

Christine Lambrecht (SPD), Bundesjustizministerin, spricht im Plenum im Bundestag bei einer aktuellen Stunde zu Maßnahmen gegen Hass und rechtsextreme Gewalt.
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Bildrechte: dpa

Auch "Upskirting" soll strafbar werden

Die Bunderegierung geht auch gegen das sogenannte Upskirting vor. Dabei handelt es sich um heimliches Fotografieren unter den Rock oder das Kleid sowie in den Ausschnitt bei Frauen. Der Gesetzentwurf sieht dazu vor, dass künftig das Herstellen und das Übertragen einer unbefugten Bildaufnahme "von den Genitalien, dem Gesäß, der weiblichen Brust oder der diese Körperteile bedeckenden Unterbekleidung einer anderen Person" strafbar ist, "soweit diese Bereiche gegen Anblick geschützt sind", zum Beispiel durch Kleidung.

Bisher können solche Aufnahmen zwar als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, sind aber in der Regel nicht strafbar. Mit der Neuregelung werden bestehende Strafvorschriften zu unbefugt erstellten Fotos ergänzt.

Zwei Frauen in kurzen Röcken gehen auf einem Weg.
Upskirting soll künftig strafbar werden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Kampagnen gegen Gaffer

Kampagnen, die Gefahren durch Gaffer thematisieren, gibt es schon länger - so zum Beispiel "Gaffen ist gefährlich". Dabei geht es um schockierende Geschichten von Gaffern und ihrem Schicksal, bewegend nacherzählt von Schauspielern. Die außergewöhnliche Kampagne sorgte für viel Aufsehen. Kunst-Studenten hatten sie im Auftrag des saarländischen Verkehrsministeriums realisiert. Die Bilder und Videos sollten bewusst provozieren und aufwühlen, denn das Verhalten von Gaffern ist mehr als gefährlich - auch für die Gaffer selbst, wie folgende Videos eindrucksvoll belegen.

Initiative "Gaffen geht gar nicht!"

Eine weitere Kampagne ist "Gaffen geht gar nicht!" vom Bayerischen Rundfunk, dem ADAC und der Deutschen Polizeigewerkschaft. Die Initiatoren wollen die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren. Dabei kommen Einsatzkräfte und Unfallopfer mit bewegenden Gaffer-Erlebnissen genauso zu Wort wie Experten, die über wichtige Verhaltensregeln am Unfallort oder über das Strafmaß für Gaffen informieren. Zudem wurde der "Gaffen geht gar nicht!"-Aufkleber für das Auto entwickelt. Damit soll ein Zeichen gegen die Sensationsgier gesetzt werden.

Quellen: ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2019, 18:37 Uhr

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