Nach Spinnen-Alarm im Supermarkt Vorsicht! Das sind die giftigsten Spinnen der Welt

Ausnahmezustand im Supermarkt: In Niedersachsen haben mehrere Kunden angeblich eine exotische Spinne zwischen Bananen gesichtet– gefunden wurde das Tier bisher nicht. Spinnensichtungen sind in Supermärkten keine Seltenheit. Gefährlich sind die Tiere aber meistens nicht. Im Gegensatz zu einigen toxischen Exemplaren. Wir wissen, vor welchen Spinnen Sie sich in Acht nehmen sollten.

 Kammspinne, Bananen-Spinne, Cupiennius getazi, Weibchen auf einem Blatt sitzend
Gefährliche Spinnen gibt es nicht in Deutschland? Doch, leider schon … Bildrechte: IMAGO/imagebroker

Am Dienstagabend hieß es in Lehrte bei Hannover: Spinnenalarm! Mehrere Kunden entdeckten beim feierabendlichen Lebensmittel-Shopping eine Spinne in der Obstauslage. Genauer: zwischen den Bananen. Der Supermarkt wurde sofort geräumt, die Feuerwehr alarmiert. Die konnte jedoch nichts Auffälliges entdecken. Auch nach einer ausgiebigen Suchaktion fehlte von der Spinne jede Spur.

Solche Vorfälle sind nicht selten. Erst im Mai entdeckte ein Supermarktleiter im bayrischen Schönberg eine exotische Spinne zwischen den Bananen. Zu Beginn wurde vermutet, dass es sich um die hochgiftige Brasilianische Wanderspinne handelt, doch dieser Verdacht erhärtete sich nicht – ein Glück. Denn der Leiter des Supermarktes fing die Spinne selbst mit einem Glas ein.

Bananen liegen in einem Supermarkt in der Obst- und Gemüseauslage.
Immer wieder bekommen Kunden in Supermärkten einen riesigen Schreck: Nämlich wenn sie zwischen Obst und Gemüse eine exotische Spinne entdecken. Bildrechte: IMAGO / Becker&Bredel

So gefährlich sind "Bananenspinnen"

Eins vorweg: "Bananenspinnen" gibt es so nicht. Jedoch werden einige Arten der Echten Webspinnen so bezeichnet, weil sie sehr häufig zwischen importierten Bananen aus Brasilien oder Kolumbien gefunden worden sind. Doch warum ausgerechnet zwischen Bananen? 

Spinnen sind Lauerjäger und verstecken sich bevorzugt immer da, wo sie auf Beute hoffen können. Da Bananen immer zu mehreren verpackt werden, können sich Spinnen zwischen ihnen besonders gut verstecken. Doch Entwarnung: Nur selten sind die gefundenen Spinnen für den Menschen wirklich gefährlich. 

Denn besonders häufig handelt es sich bei den gefundenene Tieren um die harmlosen Großen Wanderspinnen (Cupiennius salei) oder um die Warmhaus-Riesenkrabbenspinne, die beide eher wenig Interesse daran haben, Menschen zu beißen. Letztere sind mit einer Größe von bis zu 34 Zentimetern zwar furchteinflößend, doch für den Menschen ungiftig.

Riesenkrabbenspinnen Heteropoda venatoria
Unheimlich: Riesenkrabbenspinnen können bis zu 34 Zentimeter groß werden – doch sie sind nicht giftig. Bildrechte: IMAGO/imagebroker

Anders sieht es bei Webspinnnen (Phoneutria epilata) aus. Sie sind weitaus aggressiver als die eben genannten Spinnen, beißen gern, sind aber relativ ungefährlich. Maximale Folge nach einem Biss: Schwellungen und Reizungen der Lymphbahnen. Übrigens: "Phoneutria" ist Griechisch und bedeutet "Mörderin". 

Richtig gefährlich wird es erst bei der Brasilianischen Wanderspinne (Phoneutria nigriventer) …

Gefahr zwischen Bananen: Das ist die Brasilianische Wanderspinne

Sie gehört ebenfalls zur Gattung der Webspinnen und ist eigentlich in Südamerika beheimatet. Doch durch Güterverkehr wurde sie immer wieder nach Europa eingeschleppt.

Sie ist besonders aggressiv, lebensbedrohlich giftig und gehört zu den gefährlichsten Spinnen der Welt. Vermutlich ist die Brasilianische Wanderspinne für die meisten tödlichen Giftunfälle durch Spinnen weltweit verantwortlich. Ihr Gift löst große Schmerzen aus und kann bei Männern auch zu Impotenz führen – wenn nicht gar zum Tod. 

Das große Problem in deutschen Supermärkten: Große Wanderspinnen sind mit dem bloßen Auge kaum von der tödlichen Brasilianischen Wanderspinne zu unterscheiden.

Brasilianische Wanderspinne (Phoneutria boliviensis), sitzt auf einem Blatt
Die brasilianische Wanderspinne gehört zu den gefährlichsten Spinnen der Welt. Auch in deutschen Supermärkten wurde die Spinne schon entdeckt. Bildrechte: mago/blickwinkel

Wer es jetzt schon mit der Angst zu tun bekommt, dem sei gesagt: Die Brasilianische Wanderspinne ist nicht das einzige tödliche Exemplar. Wir stellen die drei giftigsten Spinnen der Welt vor. 

Das ist die Top 3 der gefährlichsten Spinnen 

1. Sydney-Trichternetzspinne / Brasilianische Wanderspinnne

Forscher sind sich uneinig, welche Spinne denn nun die gefährlichste der Welt ist. Immer wieder auf Platz eins des Rankings schaffen es zwei Arten: Die bereits beschriebene Brasilianische Wanderspinne und die australische Sydney-Trichternetzspinne. Beide stehen sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Denn: Schon ein Biss kann töten. 

Die Trichternetzspinne gilt vor allem deshalb als so gefährlich, weil sie in einem Umkreis von 160 Kilometern um die Großstadt Sydney beheimatet ist und dort gern in die Gärten der Menschen einzieht. Ihr Gift ist hauptsächlich für Kinder und ältere Menschen tödlich. 1981 wurde ein Gegengift entwickelt. 

Ob man gebissen wurde, merkt man schnell: Erst kribbelt der Mund, die Zunge zuckt, man bekommt starke Schweißausbrüche, Muskelkrämpfe, Bluthochdruck, einen erhöhten Herzschlag und Atemnot. Pro Jahr werden etwa 30 bis 40 Menschen von einer solchen Spinne gebissen.

Nahaufnahme einer Spinne.
Klein, aber tödlich: Die Sydney-Trichternetzspinne. Bildrechte: IMAGO / AAP

2. Die Schwarze Witwe 

Ihren Namen kennen bereits kleine Kinder: Die Schwarze Witwe. Gefährlich sind hier die Weibchen, auf Männchen trifft man eher selten, da sie nach der Paarung vom Weibchen gefressen werden – daher der Name "Schwarze Witwe". Allein in den USA müssen jährlich rund 2.500 Menschen wegen eines Bisses behandelt werden. 

Man unterscheidet zwischen der Europäischen oder Mediterranen Schwarzen Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) und der Westlichen Schwarzen Witwe – auch "Echte Witwe" genannt.

Ein Biss der Erstgenannten endet selten tödlich – nur in Ausnahmefällen, etwa wenn eine Atemlähmung oder ein Herzinfarkt eintritt. Die Sterberate liegt laut Experten bei einem Prozent. Wie der Name "Mediterrane Schwarze Witwe" schon sagt, findet man diese Art im Mittelmeerraum, wie etwa in Italien oder in Südfrankreich sowie Spanien. 

Eine schwarze vSpine
Sie kennt jedes Kind: die Schwarze Witwe. Bildrechte: IMAGO / Nature Picture Library

Die weitaus gefährlicheren "Echten Witwen" wandern bevorzugt an dunkle und kühle Orte wie Keller, Schuppen oder Toiletten … hier kommt es auch zu den meisten Bissen, die Opfer meist gar nicht bemerken. Das Gift wirkt langsamer als bei der Trichternetzspinne oder der Brasilianischen Wanderspinne: Betroffene berichten von starken Schmerzen, begleitet von Schweißausbrüchen. Nach einigen Tagen kommt es meist zu einem juckenden Hautausschlag. In schweren Fällen kann es zu Schlafstörungen, Bluthochdruck und Krämpfen kommen. Normalerweise erholen sich die Gebissenen nach ein paar Tagen, aber auch Todesfälle kommen immer wieder vor. 

3. Chilenische Winkelspinne

Die Chilenische Winkelspinne (Loxosceles laeta) sieht zwar ungefährlich und klein aus, ist aber potenziell tödlich. Beheimatet ist sie im westlichen Südamerika, vor allem in Chile, daher ihr Name. Besonders gern verkriecht sie sich in dunkle Ecken. Laut Statistiken soll sie in bis zu 40 Prozent aller chilenischen Haushalte vorkommen.

Eine Hauswinkelspinne auf einer Betonfläche.
Unscheinbar, aber gefährlich: Die Chilenische Winkelspinne. Bildrechte: IMAGO / Dominik Kindermann

Ihre Bisse bemerkt man kaum. Doch innerhab von zwei bis maximal 18 Stunden entwickeln sich meist um die Bissstelle herum starke Schmerzen. Das Gift verursacht schwere Gewebeschäden und kann im schlimmsten Fall zu Leberversagen führen. Doch: Die Chilenische Winkelspinne gilt nicht als angriffslustig und ist noch dazu nachtaktiv, es kommt also eher selten zu Bissen.


Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. August 2022 | 17:15 Uhr

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