Rund 90.000 Euro Schaden Goldnest geklaut: "Muss Werk von Profis sein"

BRISANT | 16.05.2019 | 17:15 Uhr

Erinnerungen an den Goldmünzen-Diebstahl werden wach: Aus einer Berliner Grundschule ist ein goldenes Vogelnest verschwunden. Der Gesamtschaden: rund 90.000 Euro!

Nach dem Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze vor zwei Jahren galt der neueste Coup einem filigraneren Objekt: ein Vogelnest aus purem Gold, 74 dünne Zweige, 814 Gramm schwer, mindestens 30.000 Euro wert. Der Gesamtwert des in einer Vitrine aufgebewahrten Kunstwerks beträgt etwa 80.000 Euro. Der entstandene Gesamtschaden wird auf 90.000 Euro geschätzt. Einbrecher stahlen das Kunstwerk in der Nacht zu Mittwoch aus einer Grundschule in Berlin-Marzahn.

Mitglieder arabischstämmiger Clans unter Verdacht

Erneut richtet sich der Verdacht der Kriminalpolizei gegen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Clans. Zwei Häuser oder Wohnungen, ein Juweliergeschäft und ein Auto, vor allem in Ortsteilen des Berliner Großbezirks Neukölln, wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch am Mittwoch durchsucht. Dabei soll es auch um das Haus eines führenden Mitglieds einer bekannten Großfamilie gegangen sein. Wie die Polizei so schnell auf bestimmte Verdächtige kam, wurde nicht verraten. Offenbar fand die Spurensicherung konkrete Hinweise wie Fingerabdrücke oder ähnliches. Sonst hätte es keine Durchsuchungsbeschlüsse eines Richters gegeben.

Besser gesichert als die Goldmünze im Bode-Museum

Das Kunstwerk "Goldenes Nest" lag in einer massiven Glasvitrine in der Fuchsberg-Grundschule an der Straße Habichtshorst. Die Vitrine ist in eine Wand des Gebäudes eingelassen. Das Nest ist durch die Scheibe für jeden gut sichtbar - und zog schnell Kriminelle an. Angefertigt hat es der Künstler Thorsten Goldberg im Rahmen eines Wettbewerbs zum Neubau der Schule. "Das Kunstwerk war besser gesichert als die Goldmünze im Bode-Museum", sagte der Künstler dem "Tagesspiegel". "Das muss das Werk von Profis gewesen sein", sagt auch der Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, Gordon Lemm.

"Ganz kleines Zeitfenster"

"Es war ein ganz kleines Zeitfenster", sagt Lemm. Die Täter hätten die Sicherheitsvorkehrungen überwunden, die Kameras vollgesprüht. In die Vitrine sei ein kleines Loch gebohrt worden und dann die einzelnen goldenen Streben, aus denen das Kunstwerk besteht, herausgenommen worden. Er vermute, die gestohlenen Streben würden eingeschmolzen und dann verkauft. Eineinhalb Stunden nach der Tat sei der Wachschutz dagewesen.

Verbindung zu Goldmünzen-Diebstahl?

2017 hatten Einbrecher die 100 Kilogramm schwere Maple-Leaf-Goldmünze im Wert von drei Millionen Euro aus den Ausstellungsräumen auf der Museumsinsel gestohlen. Auch in dem Fall nimmt die Polizei an, dass sie eingeschmolzen wurde. Die Münze blieb verschwunden. Mehrere junge Männer aus einer arabischstämmigen Großfamilie stehen unter Verdacht und vor Gericht.

Goldmünze 'Big Maple Leaf'
Die "Big Maple Leaf" ist aufgrund ihrer Seltenheit nahezu nicht zu verkaufen. Die Polizei befürchtet deshalb, dass sie eingeschmolzen wurde. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. Mai 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 18:24 Uhr

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