Fußball-EM Nach missglückter EM-Protestaktion: Scharfe Kritik an Greenpeace

Den ersten Auftritt der deutschen National-Elf bei der EM 2021 wollte die Umweltschutz-Organisation Greenpeace nutzen, um den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren anzuprangern. Doch statt eines großen gelben Balls mit der Aufschrift "Kick out Oil" segelte ein Motorgleitschirmflieger in die Münchner Allianz Arena - und verletzte zwei Männer. Nun sorgt die missglückte Protestaktion für Diskussionen.

Ein Greenpeace-Aktivist ist mit Fallschirm auf dem Spielfeld gelandet.
Eigentlich wollte der Greenpeace-Aktivist "nur" einen Ball über der Allianz Arena abwerfen. Durch einen Motorschaden landete er selbst auf dem Rasen. Bildrechte: dpa

Das erste Eigentor in München schoss nicht Mats Hummels. Es war die Umweltorganisation Greenpeace, deren missglückte Protestaktion vor dem EM-Auftakt der Fußball-Nationalmannschaft fast tragischere Folgen als der Fauxpas des deutschen Abwehrchefs gehabt hätte. Nur mit viel Glück passierte bei der Notlandung eines Motorgleitschirmfliegers mitten auf dem Fußballrasen nichts Schlimmeres. Und obwohl Greenpeace hinterher zu Kreuze kroch, hat der Vorfall Konsequenzen - juristisch und politisch.

Ein Aktivist von Greenpeace landet mit Fallschirm im Stadion.
Der Pilot (noch) über der Münchner Allianz Arena Bildrechte: dpa

Ermittlungen gegen den festgenommenen Piloten

Das Polizeipräsidium München teilte mit, dass gegen den festgenommenen Piloten aus Baden-Württemberg wegen "verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz" ermittelt wird. Bei der Aktion des 38-Jährigen wurden nach Polizeiangaben zwei Männer am Kopf verletzt. Sie mussten zwar nicht notärztlich versorgt, aber zur weiteren Abklärung ins Krankenhaus gebracht werden. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte Konsequenzen für den Aktivisten an.

Der Flieger war am Dienstagabend unmittelbar vor dem Anpfiff der Partie gegen Frankreich nur mit Mühe heil auf dem Rasen der Arena gelandet. Eigentlich wollte der Pilot laut Greenpeace "lediglich" über das Stadion fliegen und einen gelben Ballon mit dem aufgedruckten Motto "Kick out Oil" auf den Rasen herunterlassen. Aufgrund eines technischen Problems verlor der Schirm aber an Höhe, streifte ein Drahtseil der Dachkonstruktion und musste notlanden.

Greenpeaceaktivist mit Motorgleitschirm, ueber den Zuschauern.
Bei seiner Notlandung verletzte der Greenpeace-Pilot zwei Männer. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Diskussion um Sicherheit während der EM

Doch das Leben des Piloten war auch aus einem anderen Grund massiv gefährdet. "Man hat aufgrund der Beschriftung 'Greenpeace' davon abgesehen, dass Scharfschützen [...] eingegriffen haben", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der Bild-Zeitung. Wäre die Polizei zu der Einschätzung gekommen, dass es sich um einen Terror-Anschlag handeln könnte, hätte der Greenpeace-Aktivist seinen Einsatz möglicherweise mit dem Leben bezahlt.

Andreas Franken, Sprecher des Polizeipräsidiums München, möchte nicht ausschließen, dass bei künftigen Spielen Hubschrauber eingesetzt werden, um die Sicherheit in den Stadien zu gewährleisten.

Greenpeaceaktivist mit Motorgleitschirm, landet auf dem Rasen.
Im Nachgang muss der Pilot froh sein, dass er "nur" festgenommen wurde. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Gemeinnützigkeit von Greenpeace wird infrage gestellt

Der gegen den EM-Sponsor VW gerichtete Protest, der den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren anprangern sollte, geriet in den Hintergrund. Die Beinahe-Tragödie machte Greenpeace vor allem eines: angreifbar. CDU-Politiker Friedrich Merz twitterte, dass es an der Zeit sei, die Gemeinnützigkeit von Greenpeace zu überprüfen. Das forderte im "Handelsblatt" auch der rechtspolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, Marco Luczak (CDU). Er bezeichnete Greenpeace als "Wiederholungstäter" und forderte von den Umweltschützern eine "klare Distanzierung und Vorkehrungen, dass solche rechtswidrigen Aktionen sich nicht wiederholen".

Auch Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek verurteilten die Aktion der Umwelt-Aktivisten. Die Gemeinnützigkeit von Greenpeace infrage zu stellen halten jedoch beide für überzogen. Auch seitens der Bundesregierung waren dergleiche Forderungen trotz aller Kritik nicht zu hören.

Greenpeaceaktivist mit Motorgleitschirm, landet auf dem Rasen.
Der gegen den EM-Sponsor VW gerichtete Protest, der den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren anprangern sollte, geriet letztlich in den Hintergrund. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Greenpeace bittet um Entschuldigung

Greenpeace entschuldigte sich noch am selben Abend für den missglückten Protest. Es sei nie die Absicht gewesen, das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzen. Am nächsten Tag bat die Organisation noch einmal um Verzeihung.

Wir möchten noch einmal betonen, dass uns das sehr leid tut und wir möchten bei den beiden Personen, die zu Schaden gekommen sind, um Entschuldigung bitten. Greenpeace steht für friedlichen und gewaltfreien Protest, bei der die Sicherheit Dritter und unserer Aktivisten immer im Mittelpunkt steht.

Greenpeace

dpa/AFP/SID

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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