Sommerurlaub 2020 Die Grenzen machen langsam wieder auf - Das ist der Fahrplan

Nach zwei Monaten ist es soweit: Österreich will am 15. Juni seine Grenzen wieder öffnen. Nach Luxemburg sollen Reisen sogar schon ab dem 15. Mai wieder möglich sein. Was die EU plant, welche Hürden es gibt und was aus der Quarantäneregel wird, fassen wir hier zusammen.

Beamte der Bundespolizei kontrollieren ein französisches Fahrzeug, dass vom französischen Petite-Rossell ins saarländischen Grossrosseln fahren will.
Ab dem 15. Juni soll es wieder Reisefreiheit geben. Bildrechte: dpa

Die österreichische Regierung kündigte am Mittwoch ein Ende der Grenzschließungen für den 15. Juni an. Und Deutschland will die Grenzen zu Frankreich und der Schweiz am 15. Juni wieder öffnen - allerdings nur, wenn die Virus-Situation es zulässt.

Bis zu diesem Datum gelten Grenzkontrollen. Touristische Reisen bleiben weiterhin verboten, Flüge nach Italien oder Spanien gibt es nicht. Und wann Spanien seine Grenzen für Urlauber aus Deutschland wieder aufmacht, ist völlig offen. Aber zumindest der Sommerurlaub auf dem Landweg in Österreich, Frankreich und der Schweiz scheint gerettet.

Lockerungen schon ab 15. Mai

Die Kontrollen an der deutschen Grenze zu Frankreich, der Schweiz und Österreich sollen bereits am 15. Mai vorsichtig gelockert werden. Grenzbeamte kontrollieren dann nur noch stichprobenartig.

Die Grenze zu Luxemburg wird sogar schon ab dem 15. Mai wieder komplett offen sein. Weil die positiv verlaufende Lage im Grenzraum einen solchen Schritt zulasse. Mit Dänemark sei eine ähnliche Regelung denkbar, sagte Seehofer.

An den Grenzen zu Polen, Tschechien, den Niederlanden und Belgien gibt es nach wie vor keine Grenzkontrollen. Allerdings verlängerte Polen bis zum 12. Juni die Kontrollen an SEINEN Grenzen zu anderen EU-Ländern, darunter Deutschland.

Flensburg: Autos fahren zum deutsch-dänischen Grenzübergang in Richtung Norden.
Möglicherweise schon Mitte Mai offen: die Grenze zu Dänemark. Bildrechte: dpa

Die EU-Kommission ist zuversichtlich, dass es eine Urlaubssaison im Sommer geben wird.

Das ist der Fahrplan der EU

  • Zunächst werden die Kontrollen an den Binnengrenzen schrittweise abgebaut.

  • Danach werden die Beschränkungen an den EU-Außengrenzen gelockert.

Zum erweiterten EU-Raum zählen alle Schengen-Länder (einschließlich Bulgarien, Kroatien, Zypern und Rumänien) sowie die vier Schengen-assoziierten Länder Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.

Vorraussetzung für die Öffnung sind genügend Test- und Krankenhauskapazitäten. Zudem sollten die Hygiene-Vorgaben in den Ländern, die ihre Grenzen wieder öffnen wollen, möglichst gleich sein. Abstandsgebote müssten eingehalten und Infektionsketten verfolgt werden können. Freiwillige Apps könnten dabei helfen.

Treppe statt Fahrstuhl, Essen auf dem Zimmer

Richtlinien für Hoteliers hat die EU ebenfalls vorbereitet. Die Rezeption wird mit Plexiglas abgeschirmt, Buffets zur Selbstbedienung sind Schnee von gestern. Wenn möglich, sollen Gäste über ihr Smartphone oder Selbstbedienungsterminals einchecken. In den Fahrstuhl dürfen nur Reisende, die ohnehin zusammen in einem Zimmer sind.

In Restaurants, Cafés, Bars und Lobbys dürfen sich nur eine Maximalzahl an Gästen aufhalten. Zwei Meter Abstand zwischen den Tischen und draußen zwischen Liegen sind vorgeschrieben. Einzelne Orte, Regionen und Länder sollen aber Regeln finden, die ihrer individuellen Corona-Situation angemessen sind.

Jeder muss mithelfen

Die Vorschläge der EU bedeuten, dass jeder mithelfen muss, damit sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet und Sommerurlaub stattfinden kann. Den Mindestabstand von 1,5 Meter einzuhalten - auch wenn es mal enger wird - ist das oberste Gebot.

Wo Maskenpflicht herrscht, muss sie unter allen Umständen eingehalten werden. Regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren ist Pflicht.

Welches Hygienekonzept die Fluggesellschaften haben, um Abstandsregeln einzuhalten, kann man derzeit noch nicht beantworten. Hier ist Geduld gefragt.

Eine junge Frau sitzt mit Smartphone und Mundschutz im Zug.
Mundschutz ist mittlerweile auch in Zügen Pflicht. Bildrechte: imago images/Michael Weber

Darf ich jetzt wieder verreisen?

Bis zum 14. Juni gilt eine weitweite Reisewarnung vom Auswärtigen Amt. Aufgrund der EU- Vorschläge für mögliche Lockerungen wird sich Außenminister Heiko Maas nun mit seinem Amtskollegen beraten. Denn nur, wenn die Lockerungen auf beiden Seiten erfolgen, sind Reisen wirklich möglich. 

Möglicherweise werden wir differenzieren müssen zwischen einzelnen Ländern - je nachdem wie die Situation in dem Land ist. Wenn es in einem Land eine Ausgangssperre oder eine Einreisesperre gibt, dann kann man dort auch keinen Urlaub machen.

Außenminister Heiko Maas Auswärtiges Amt

Was ist mit der Quarantäne?

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet plädierte in der "Rheinischen Post" dafür, die Quarantäne-Pflicht für Rückkehrer aus europäischen Ländern zu lockern.

Seit dem 10. April gibt es für diejenigen, die nach Deutschland einreisen dürfen, nach mindestens mehrtägigem Auslandsaufenthalt eine zweiwöchige Quarantänepflicht. 

Was passiert, wenn die Infektionszahlen wieder steigen?

Es soll Seehofer zufolge einen Rückfallmechanismus geben - und zwar denselben, wie ihn Bund und Länder für das Bundesgebiet vereinbart haben. Lockerungen werden zurückgenommen, wenn es pro 100.000 Einwohner in einer Stadt oder einem Landkreis an sieben Tagen hintereinander mehr als 50 Neuinfektionen gibt.

Zwei Frauen unterhalten sich im Reisebüro.
Kleine Reisebüros haben in diesem Jahr kaum etwas verdient. Bildrechte: IMAGO

Wie geht es den Reisebüros?

Gar nicht gut. Der Tourismus gehört zu den am schwersten von der Krise betroffenen Branchen. Drei Millionen Beschäftigte hat die Branche in Deutschöand. Es gibt knapp 11.000 Reisebüros und rund 2.300 Reiseveranstalter.

TUI streicht jetzt weltweit 8.000 Stellen - das ist jeder zehnte Arbeitsplatz. Auch bei vielen anderen, kleineren Unternehmen stehen die Anzeichen nach Kurzarbeit auf Entlassung. Bislang gab es kaum Buchungen, nur Stornierungen. Das Ostergeschäft ist bereits weggefallen, mit Pfingsten sieht es nur teilweise etwas besser aus.

Alle Reisebüros bangen nun, dass wenigstens der Sommerurlaub stattfindet. Wie ernst die Lage in der Reisebranche ist, zeigen jüngste Daten des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft.

Demnach sind rund zwei Drittel der Reiseunternehmen kurz- bis mittelfristig durch Insolvenz bedroht. Der Verband hat einen Umsatzverlust von fast elf Milliarden Euro bis Mitte Juni durch ausgefallene Reisen errechnet.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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