Influenza-Saison 2021/22 Darum ist die Grippeimpfung dieses Jahr besonders wichtig

Von Oktober bis Mitte Mai, wenn es kühl ist und sich das Leben meist drinnen abspielt, zirkulieren Grippeviren besonders häufig. Die vergangene Influenza-Saison ist während der Corona-Pandemie fast vollständig ausgeblieben. Was bedeutet das für dieses Jahr? Und soll man sich gleichzeitig gegen Grippe und Corona impfen lassen? BRISANT beantwortet die wichtigsten Fragen.

ein Spritzbesteck liegt für eine Grippeschutzimpfung bereit
Von Oktober bis Mai ist Grippe-Saison. (Themenbild) Bildrechte: imago images/Eibner

Was ist dieses Jahr anders in Sachen Grippe?

Die vergangene Grippe-Saison ist in Deutschland das erste Mal seit Jahrzehnten nahezu ausgeblieben. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) spricht mit Blick auf typische Atemwegsinfekte sogar von einem "vorher nie erreichten, niedrigen Niveau in den Wintermonaten". Das lag vor allem an den Corona-Schutzmaßnahmen vom Maskentragen bis hin zum langen Lockdown. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO war das ein weltweites Phänomen. Die Rate positiv gemeldeter Influenza-Proben sei zwischen September 2020 und Januar 2021 auf 0,2 Prozent gesunken. Zwischen 2017 und 2020 waren es 17 Prozent im gleichen Zeitraum.

Welcher Grippe-Impfstoff kommt zum Einsatz?

Daten zu den zuletzt zirkulierenden Virus-Varianten sind die Grundlage dafür, wie genau der Grippeimpfstoff für die kommende Saison zusammengesetzt ist. Produktionsstart ist meist schon im Februar - um für Herbst und Winter ausreichend Impfstoff zu haben. Da die letzte Grippewelle weltweit nahezu ausgefallen ist, ist die Datenbasis zu den Erregertypen nun geringer. Trotzdem hat die WHO keine Zweifel an der Effektivität des aktuellen Vakzins. Wenn auch auf sehr niedrigem Niveau, habe es ja Grippeviren-Aktivität gegeben, teilte die Organisation auf Anfrage mit. Die globale Influenza-Aktivität wird nach WHO-Prognosen auch niedrig bleiben. Eingesetzt wird ein Vierfach-Impfstoff, der Bestandteile von zwei Subtypen der Influenza-A-Viruslinie sowie zwei Subtypen der Influenza-B-Viruslinie enthält.

Arzt hält mehrere Packungen Grippeimpfstoff in  den Händen.
Grippeimpfstoffe werden für jede Saison neu zusammengesetzt bzw. angepasst. (Archiv) Bildrechte: imago images/Cord

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Bei gesunden Kindern und Erwachsenen unter 60 Jahren verläuft eine Influenza in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Deshalb gibt es für sie auch keine Impfempfehlung - ihnen wird aber auch nicht davon abgeraten. Ältere Menschen kann der Piks dagegen vor schweren Grippeverläufen bis hin zu tödlichen Lungenentzündungen schützen. Für das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es auch zunehmend Hinweise darauf, dass Grippe ein Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle ist. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Grippeschutzimpfung daher generell Menschen ab 60 Jahren, seit neuestem mit einem Hochdosis-Impfstoff. Dazu kommen Empfehlungen für Schwangere und Menschen mit chronischen Krankheiten. Geimpft werden sollte laut Stiko aber auch bei einem erhöhten beruflichen Ansteckungsrisiko, zum Beispiel bei medizinischem Personal und in allen Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr. Darüber hinaus gilt die Impfempfehlung für Menschen, die Risikogruppen anstecken könnten, also zum Beispiel für pflegende Angehörige.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Als günstigster Termin für die Impfung gilt die Zeitspanne zwischen Oktober und Mitte Dezember, weil sich eine Grippewelle meist Anfang des Jahres aufbaut. Es ist jedoch nie zu spät, sich impfen zu lassen, so lange die Grippe noch zirkuliert.

Warum sollten sich Risikogruppen gerade in der Pandemie gegen Grippe impfen lassen?

Die Gruppen, die einen schweren Krankheitsverlauf zu befürchten haben, sind bei Influenza und Covid-19 sehr ähnlich. Es besteht sogar die Möglichkeit, sich mit beidem zu infizieren und dadurch die Krankheitsschwere zu erhöhen. Für Kliniken ist in der Pandemie eine hohe Influenza-Impfquote nützlich, um Engpässe bei Intensivbetten und Beatmungsplätzen zu vermeiden.

Ein Mann an einem Beatmungsgerät im Krankenhaus in Rumänien
Hohe Impfquoten führen zu weniger Engpässen in der Intensiv-Medizin. (Archiv) Bildrechte: dpa

Kann man sich gleichzeitig gegen Grippe und Covid-19 impfen lassen?

Stiko-Chef Thomas Mertens sah dabei in einem Interview jüngst kein Problem. Eine generelle Empfehlung gibt es laut RKI dazu aber nicht. Der Hausärzteverband steht einer Doppel-Impfung offen gegenüber. Es sprächen zwei klare Vorteile dafür, sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt. Zum einen bestünde die Gefahr, dass manche Patientinnen und Patienten nur eine der beiden Impfungen wahrnähmen, weil sie nicht zu mehreren Impfterminen hintereinander erscheinen möchten. "Außerdem würde sich gleichzeitig das mögliche Ansteckungsrisiko durch die Vermeidung eines zusätzlichen Impftermins reduzieren", ergänzte er.

Wie hoch ist die Wirksamkeit der Grippeschutzimpfung?

Das kann unabhängig von der Corona-Pandemie in den einzelnen Saisons sehr unterschiedlich sein. Die Zusammensetzung des Impfstoffes wird zwar jährlich aktualisiert. Es sei trotzdem möglich, dass in der folgenden Saison Influenzaviren nicht so gut mit den im Impfstoff enthaltenden Virusstämmen übereinstimmten, heißt es beim RKI. Grund sei zum Beispiel, dass sich während der Produktionszeit des Vakzins andere Stämme durchgesetzt hätten. Bei einer sehr guten Übereinstimmung der zirkulierenden Influenzaviren mit dem Impfstoff wurde bei jungen Erwachsenen laut RKI eine Schutzwirkung von bis zu 80 Prozent beobachtet. Die Trefferquote kann je nach Saison und Entwicklung aber auch deutlich niedriger liegen.

(BRISANT/dpa)

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

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