Rund 600 Hektar in Flammen, vierter Ort evakuiert Größter Waldbrand in Mecklenburgs Geschichte: Lage bei Lübtheen spitzt sich weiter zu

BRISANT | 02.07.2019 | 17:15 Uhr

Bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen die Einsatzkräfte mittlerweile mit acht Löschhubschraubern gegen den größten Waldbrand in der Geschichte des Landes. Vier Ortschaften wurden bereits evakuiert. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Waldbrand bei Lübtheen: Mehr als 2.000 Einsatzkräfte vor Ort

Flammen fressen sich durch den Wald in der Nähe der Ortschaft Trebs.
Nach Angaben von Landrat Sternberg stehen bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern rund 600 Hektar Wald in Flammen. Zwischenzeitlich seien es sogar schon 1.000 Hektar gewesen. Bildrechte: dpa
Flammen fressen sich durch den Wald in der Nähe der Ortschaft Trebs.
Nach Angaben von Landrat Sternberg stehen bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern rund 600 Hektar Wald in Flammen. Zwischenzeitlich seien es sogar schon 1.000 Hektar gewesen. Bildrechte: dpa
Feuerwehrleute löschen in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel einen großflächigen Waldbrand.
Mehr als 2.000 Einsatzkräfte sind vor Ort. Sie bekämpfen das Feuer im Vier-Schicht-System rund um die Uhr. Bildrechte: dpa
Eine erschöpfte Feuerwehrfrau sitzt in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel an einem Versorgungsweg.
Die Arbeiten stellen die Einsatzkräfte seit Sonntag vor große Herausforderungen. Der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg, bekräftigte den Ernst der Lage. Von Löschen des Brandes könne keine Rede sein. Die Arbeit der Einsatzkräfte konzentriere sich darauf, das Feuer von den kleinen Ortschaften in der Nähe fernzuhalten und zu verhindern, dass es über die Brandschneisen springt. Bildrechte: dpa
Ein Mann blickt von einem Aussichtsturm von Niedersachsen aus über die Elbe auf den Waldbrand auf den Waldbrand bei Lübtheen
Die Flammen haben sich vor allem am Boden ausgebreitet, vereinzelt aber auch Baumkornen erreicht. Der Rauch ist weithin zu sehen. Bildrechte: dpa
Feuerwehrleute löschen in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel einen groߟflächigen Waldbrand.
Das Feuer ist wegen unberechenbarer Winde noch nicht unter Kontrolle. Bildrechte: dpa
Feuerwehrleute löschen in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel einen großflächigen Waldbrand.
Das Gelände, ein ehemaliger Truppenübungsplatz, ist hochgradig mit Munition belastet. Immer wieder kommt es zu Explosionen. Bildrechte: dpa
Ein Hubschrauber der Bundeswehr wirft in der Nähe der evakuierten Ortschaft Jessenitz-Werk in dem auch kleine Feuer zu sehen sind.
Inzwischen wurde die Flotte der Löschhubschrauber verdoppelt. Acht Helikopter sind auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes im Einsatz. Sie sollen die Umgebung bedrohter Ortschaften aus der Luft wässern.  Bildrechte: dpa
Ein Mann radelt an abgestellten Wasserwerfern der Polizei vorbei.
Um ein weiteres Ausbreiten des Feuers zu verhindern, sind derzeit zwölf zusätzliche Wasserwerfer im Einsatz - auch aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Bildrechte: dpa
Feuerwehrleute bereiten sich im evakuierten Ort Alt Jabel auf den Einsatz beim groߟflächigen Waldbrand vor.
Mehr als 650 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Vier Orte wurden geräumt. Die Einwohner sind in benachbarten Dörfern beispielsweise in Gemeindehäusern oder Turnhallenuntergebracht worden, wo Versorgungsstellen eingerichtet wurden. Bildrechte: dpa
Rauch steigt bei einem großflächigen Waldbrand in der Nähe der evakuierten Ortschaft Alt Jabel aus dem Wald auf.
Rauchgeruch war bis nach Sachsen wahrnehmbar. Bildrechte: dpa
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Mit acht Löschhubschraubern und mehreren Wasserwerfern wollen die Einsatzkräfte im Laufe des Dienstags den Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern unter Kontrolle bringen. Damit wurde die in dem Katastrophengebiet eingesetzte Helikopter-Flotte verdoppelt. Die Wasserwerfer sollen Schneisen und Wege mit bewässern.

Wind könnte Feuer weiter anfachen

Entwarnung für das munitionsbelastete, stark ausgetrocknete Waldgebiet im Landkreis Ludwigslust-Parchim gibt es aber weiterhin nicht. Unberechenbare drehende Winde gestalten die Arbeit der Einsatzkräfte weiterhin schwierig. Erschwert werden die Löscharbeiten durch im Boden lagernde Munition, die jederzeit detonieren kann. Die Einsatzkräfte müssen tausend Meter Sicherheitsabstand halten. "Oberste Priorität hat der Schutz von Leib und Leben sowie die Sicherung der Ortschaften", sagte Landrat Stefan Sternberg.

Ein Hubschrauber der Bundeswehr wirft in der Nähe der evakuierten Ortschaft Jessenitz-Werk in dem auch kleine Feuer zu sehen sind.
Ein Löschubschrauber der Bundeswehr lässt in der Nähe der evakuierten Ortschaft Jessenitz-Werk Wasser ab. Bildrechte: dpa

Mittlerweile vierter Ort evakuiert

Am Montagabend musste die mittlerweile vierte Ortschaft in dem Brandgebiet evakuiert werden. Wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mitteilte, wurde damit begonnen, das Dorf Volzrade zu räumen. Mehr als 100 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Zuvor waren bereits die drei Ortschaften Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs mit rund 900 Menschen geräumt worden. Auch 100 Kinder eines Ferienlagers waren darunter. Sie kehrten vorzeitig zu ihren Eltern zurück. 

Rund 600 Hektar in Flammen, über 2.000 Einsatzkräfte vor Ort

Durch den ständig drehenden Wind hat sich der Waldbrand mittlerweile auf rund 600 Hektar ausgebreitet. Mehr als 2.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Katastrophenschutz, Polizei und anderen Rettungsdiensten sind vor Ort. Sie bekämpfen das Feuer im Vier-Schicht-System rund um die Uhr. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus sprach am Montag vom "größten Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes". Auch zu DDR-Zeiten habe es keinen Waldbrand mit ähnlichem Ausmaß gegeben, sagte der SPD-Politiker. Die Polizei geht inzwischen von Brandstiftung aus.

Das Waldbrandgebiet bei Lübtheen

Munition erschwert Löscharbeiten

Die Gegend grenzt direkt an einen früheren Truppenübungsplatz. Die dort noch im Boden liegende Munition erschwert die Löscharbeiten. Feuerwehrleute müssen einen Sicherheitsabstand von 1.000 Metern einhalten. Deshalb kam bei der Brandbekämpfung jeweils ein Löschpanzer aus Brandenburg zum Einsatz.

Mehrere Brandherde: Polizei sucht die Brandstifter von Lübtheen

Bei der Suche nach der Ursache für den Waldbrand ermittelt die Polizei wegen Brandstiftung. Da die Feuerwehr gleich mehrere Brandherde melde, bestehe der Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung, heißt es in einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Rostock. Die Kriminalpolizei suche nach Zeugen, die im Waldgebiet südlich von Jessenitz-Werk Beobachtungen, Fotos oder Videos gemacht haben.

Hinweise nimmt das Polizeipräsidium Rostock unter der Telefonnummer 038208-888 2222 sowie jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Polizei Rostock

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. Juli 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2019, 22:19 Uhr

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