Corona-Risikofaktor Großbritannien startet Kampagne gegen Übergewicht

Mitten in der Corona-Krise hat die britische Regierung eine breit angelegte Kampagne gegen Übergewicht und Fettleibigkeit in der Bevölkerung gestartet. Doch ab wann gilt man überhaupt als übergewichtig? Und was bedeutet Fettleibigkeit?

Im Display einer Körperwaage steht "Bitte abnehmen"
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Fettleibigkeit erhöhe nach Angaben des britischen Gesundheitsministers Matt Hancock das Risiko schwerer Erkrankungen sowie die Gefahr, an einer Coronavirus-Infektion zu sterben. In einer Mitteilung der britischen Regierung wird Fettleibigkeit als "Zeitbombe" bezeichnet.

Maßnahmen gegen Junk-Food

Zu den konkreten Maßnahmen im Rahmen der Kampagne "Better Health" ("Bessere Gesundheit") gehört, dass Werbung für Junk-Food im Fernsehen und im Internet vor 21 Uhr verboten werden soll. Damit soll erreicht werden, dass Minderjährige weniger solchen Werbekampagnen ausgesetzt sind. Zudem soll Supermärkten verboten werden, Rabatte auf ungesunde Nahrungsmittel anzubieten. Auch sollen sie solche Waren nicht mehr an besonders sichtbaren Stellen wie den Eingängen und Kassen platzieren dürfen. Ärzte sollen dazu ermutigt werden, übergewichtigen Patienten Fitnesstraining zu verschreiben.

28 Prozent der Briten sind fettleibig

In Großbritannien haben nach Regierungsangaben fast zwei Drittel der Erwachsenen ein Körpergewicht, das als nicht mehr gesund gilt. 36 Prozent von ihnen leiden demnach an Übergewicht und 28 Prozent an Fettleibigkeit. Jedes dritte Kind im Alter zwischen zehn und elf Jahren ist diesen Angaben zufolge übergewichtig oder fettleibig.

Ein übergewichtiger Junge steht an einem Badestrand. (Archiv)
Jedes dritte Kind im Alter zwischen zehn und elf Jahren in Großbritannien ist zumindest übergewichtig. (Archiv) Bildrechte: dpa

"Covid-19" als Weckruf

Laut einer Studie der Gesundheitsbehörde Public Health England erhöht Fettleibigkeit das Risiko, an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 zu sterben, um 40 Prozent. "Covid-19 war für uns alle Weckruf zu den unmittelbaren und langfristigen Risiken von Übergewicht", sagte ein Regierungssprecher. Premierminister Boris Johnson sei überzeugt, "dass wir diesen Moment nutzen müssen, um gesünder und aktiver zu werden und uns besser zu ernähren".

Ab wann gilt man als übergewichtig?

In Deutschland sind knapp 60 Prozent der Bevölkerung übergewichtig, ein Viertel ist bereits adipös, also krankhaft fettleibig. Das Problem dabei: Oft sind Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen, Atemnot und Gelenkbeschwerden die Folge.

Doch ab wann ist man übergewichtig bzw. fettleibig? Eine erste Orientierung bietet der sogenannte Body-Mass-Index (BMI). Dieser Indikator für die Körperfülle wird ermittelt, indem man das Gewicht durch die Körpergröße im Quadrat teilt. Ab einem Wert von 25 gilt man als übergewichtig, ab 30 als fettleibig.

BMI-Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation

  • 18,5 - 24,9: Normalgewicht
  • 25 - 29,9: Übergewicht
  • 30 - 34,9: Adipositas (Fettleibigkeit) Grad I
  • 35 - 39,9: Adipositas Grad II
  • ab 40: Adipositas Grad III

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Ein übergewichtiges chinesisches Kind
Ab einem BMI von 25 gilt man als übergewichtig. (Archiv) Bildrechte: imago/China Foto Press

Starke Gewichtsprobleme? Ab zum Arzt!

Der BMI ist häufig das Mittel der Wahl, wenn es um einen Indikator für Übergewicht geht, aber unfehlbar ist er nicht. Wer zum Beispiel außergewöhnlich groß, klein oder trainiert sei, könne durch das Raster fallen, sagt Professor Jürgen Ordemann, Leiter des Zentrums für Adipositas und metabolische Chirurgie des Vivantes-Klinikums in Berlin-Spandau, in der Apotheken-Umschau. Demnach unterscheide der Wert nicht zwischen Fett- und Muskelmasse und gehe von Durchschnittgrößen aus. Außerdem würden Studien darauf hindeuten, dass Menschen mit leicht erhöhtem BMI eine höhere Lebenserwartung hätten.

Ob es sich um krankmachendes Übergewicht handele, könne man laut Ordemann erst anhand der Blutwerte bestimmen. Dabei geht es um die Zucker- und Fettwerte und den Blutdruck an sich. Wer also glaubt, ein Gewichtsproblem zu haben, sollte sich beim Arzt einmal gründlich durchchecken lassen.

(ten/afp/dpa/apotheken-umschau)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. Juli 2020 | 17:15 Uhr

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