Nach einem Jahr in türkischer Untersuchungshaft Deniz Yücel aus Gefängnis entlassen

BRISANT | 16.02.2018 | 17:15 Uhr

Mehr als ein Jahr Jahr saß der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ohne Anklage in türkischer Untersuchungshaft. Nun wurde er freigelassen. Die Nachricht wurde in Deutschland mit großer Erleichterung aufgenommen.

Deniz Yücel
Der Journalist Deniz Yücel im Jahr 2016. Bildrechte: dpa

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ist nach einem Jahr in türkischer Untersuchungshaft frei. Sein Anwalt twitterte ein Bild, auf dem Yücel vor dem Gefängnis in Istanbul von seiner Frau umarmt wird.

Zuvor hatte das Auswärtige Amt in Berlin die Freilassung Yücels bekannt gegeben. Ein Sprecher sagte, es habe aber keine "schmutzigen Deals" gegeben.

Staatsanwaltschaft fordert bis zu 18 Jahre Haft

Wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Istanbul inzwischen eine Anklageschrift vorgelegt. Sie werfe Yücel Propaganda für eine Terrororganisation und Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit vor.

Laut Anadolu fordert die Staatsanwaltschaft zwischen vier und 18 Jahre Haft. Das Gericht habe die Anklageschrift angenommen und dann angeordnet, Yücel aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Freude in Deutschland

Außenminister Sigmar Gabriel sagte, er rechne damit, dass Yücel aus der Türkei ausreisen dürfe.

Bundeskanzlerin Merkel sagte, sie freue sich wie viele andere über die Nachricht. Zugleich hoffe sie, dass auch weitere Deutsche aus türkischer Haft freikommen. Bundesjustizminister Heiko Maas sprach von einer großartigen und überfälligen Nachricht.

Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland begrüßte die Entscheidung der türkischen Justiz. Vorsitzender Gökay Sofuoglu sagte, Yücel sei ein Journalist, kein Terrorist. Es sei gut, dass das jetzt auch die Türkei verstanden habe.

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt nannte Yücels Freilassung die beste Nachricht aller Zeiten.

Ein Jahr ohne Anklage im Gefängnis

Yücel war am 14. Februar vergangenen Jahres festgenommen worden. Er hatte sich in Istanbul freiwillig gestellt, nachdem wegen Berichten über den türkischen Energieminister nach ihm gesucht worden war. Kurze Zeit später kam er in Istanbul in Untersuchungshaft. Ein Jahr lang gab es keine Anklage gegen ihn. Der Fall sorgte zwischen Deutschland und der Türkei für diplomatische Verstimmungen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. Februar 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2018, 14:30 Uhr

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