Süßes oder Saures? Halloween: Spagat zwischen Kommerz und Tradition

Für die einen ist Halloween bloß kommerzieller Unsinn, für die anderen ein großartiges Gruselvergnügen. Besonders Kinder und Jugendliche finden Gefallen an dem Feiertag, der aus den USA importiert wurde. Aber auch immer mehr Erwachsene lassen sich eine gute Halloween-Party inzwischen nicht mehr entgehen.

Zwei Kinder ulken mit gruseligen Verkleidungselementen herum und schneiden fürchterliche Grimmassen.
Zwei Kinder schneiden Grimassen. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Eine Frage der Tradition

Verkleidet als Geister, Vampire oder Hexen ziehen die Halloween-Fans in der Nacht vom 31. Oktober um die Häuser - und kreuzen so zwei kirchliche Feiertage: den evangelischen Reformationstag am 31. Oktober und das katholische Allerheiligenfest am 1. November.

Gerade für viele Katholiken ist Halloween ein Ärgernis. Sie gedenken am 1. November der toten Heiligen und fühlen sich von den verschiedenen Halloween-Partys gestört, die oft bis in die frühen Morgenstunden ihres Feiertages andauern. Dabei hat auch Halloween seine Wurzeln in Europa, ist ein uralter keltischer Brauch, um Geister und Dämonen zu vertreiben. Die ersten irischen Auswanderer brachten Halloween - abgeleitet vom englischen "(All) Hallow's Eve(ning)", dem Vorabend des Allerheiligenfestes - im 19. Jahrhundert in die USA, wo das Fest allmählich seinen heutigen Charakter entwickelte. Erstmals nach Deutschland kam Halloween dann 1945. Doch erst Anfang der 1990er-Jahre verhalfen Marketing-Experten der Karneval-Industrie mit dem Fest zu einer großen Blüte.

Seither ziehen am Abend des 31. Oktober Kinder in grusligen Verkleidungen von Tür zu Tür und betteln um "Süßes", sonst gibt es "Saures". Vielerorts sieht man Dekorationen wie künstliche Spinnenweben und ausgehöhlte Kürbisse, in die Fratzen hineingeschnitzt wurden. Auch ein Brauch, der auf die irische Tradition zurückgeht.

Kinder fragen zu Halloween nach Süßigkeiten (Symbolfoto)
Verkleidete Kinder fragen nach Süßigkeiten. (Archiv) Bildrechte: imago images / ingimage

Halloween als Millionengeschäft

Doch viel wichtiger als die Wurzeln von Halloween scheint inzwischen die Kommerzialisierung des Festes. Die Fans spülen zunehmend mehr Geld in die Kassen von Kostümhändlern und Supermärkten: Der deutsche Einzelhandel erwartet dank Halloween zusätzliche Umsätze im mittleren dreistelligen Millionenbereich für Deko-Artikel, Kostüme, Schminke und Schmuck. Jeder zwölfte Deutsche deckt sich laut einer Umfrage vom Handelsverband Deutschland vor dem Gruselfest ein.

Genügend Kürbisse fürs Aushöhlen und Beleuchten sind auch vorhanden: In diesem Jahr wurden fast 80.000 Tonnen Speisekürbisse in Deutschland geerntet. Und auch Diskotheken haben das Potenzial des neuen Festes erkannt: Sie veranstalten Halloween-Partys, bei denen in angemessener Horror-Kostümierung ausgiebig bis in die Morgenstunden gefeiert wird.

Polizei warnt vor Straftaten

Offenbar übertreten einige dabei auch gesetzliche Grenzen: Die Polizei Bochum hat deshalb davor gewarnt, an Halloween Straftaten zu begehen und dafür extra ein Gruselvideo gedreht. Darin warnt Polizeisprecher Volker Schütte unter anderem: Wer anderen Prügel androhe und Süßigkeiten wegnehme, begehe juristisch einen Raub. Das sei genauso wenig ein Kavaliersdelikt wie das Beschmieren von Häusern oder Zäunen als Rache, wenn jemand keinen Naschkram verschenkt.

Quellen: red/mdr

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. Oktober 2019 | 17:15 Uhr

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