Zwischenfall am siebten Tag der Räumungsaktion Hambacher Forst: Journalist stirbt nach Sturz von Hängebrücke

BRISANT | 20.09.2018 | 17:15 Uhr

Schwerer Zwischenfall im Hambacher Forst: Bei den Protesten gegen die Rodung ist ein Journalist von einer Hängebrücke in die Tiefe gestürzt und dabei ums Leben gekommen. Laut Polizei ereignete sich der Unfall nicht bei einem Polizeieinsatz.

Notärzte versorgen einen Mann, der von einem Baumhaus im Hambacher Forst gefallen ist.
Notärzte versuchen den Journalisten zu retten, der von einem Baumhaus im Hambacher Forst gefallen ist. Bildrechte: dpa

Während der großen Räumungsaktion im Braunkohlerevier Hambacher Forst ist ein Journalist von einer provisorischen Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern in die Tiefe gestürzt. Der Mann habe den Sturz nicht überlebt, bestätigte Polizeisprecher Paul Keman.

Tragischer Unglücksfall

Kemen sprach von einem "tragischen Unglücksfall". Bei dem Toten handele sich um einen jungen Journalisten, der seit Längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern - auch via Twitter - dokumentiert habe, sagte er. "Ich möchte - ich muss - betonen, dass dieser Unglücksfall in keinem Zusammenhang steht mit polizeilichen Arbeiten hinsichtlich der Räumung der Baumhäuser." Es habe zum Unglückszeitpunkt keine Polizeimaßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle und am Baumhaus gegeben. Der Journalist habe gerade seine volle Speicherkarte eintauschen wollen, als er abstürzte.

Zu dem tödlichen Sturz sei es vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe habe beobachten wollen. Über die zwischen zwei Baumhäusern gespannte Brücke habe er anscheinend näher an den Einsatz herangehen wollen, schrieb das Aktionsbündnis "Hambi bleibt" in seinem Blog. Der Tote sei "ein Freund, der uns seit längerer Zeit im Wald journalistisch begleitet", betonte die Intiative.

Aktivisten stehen im Hambacher Forst in Baumhäusern, auf Bäumen und Seilbrücken.
Von dieser Brücke zu einem Baumhaus stürzte der Journalist in die Tiefe. Bildrechte: dpa

Räumungsaktion mit massivem Polizeiaufgebot

Am vergangenen Donnerstag hatten die Behörden mit einem massiven Polizeiaufgebot begonnen, die Baumhäuser der Umweltaktivisten zu räumen und abzubauen. Die meisten Bauten waren bereits innerhalb der ersten Tage geräumt.

Umweltschützer protestieren seit Jahren

Umweltschützer protestieren im Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzern RWE im Herbst weite Teile des Forstes abholzen und die Braunkohleförderung fortsetzen will. In bis zu 25 Metern Höhe hatten sie rund 55 Baumhäuser errichtet und halten den Wald damit seit sechs Jahren besetzt. "Wir kämpfen hier nicht für uns. Wir kämpfen für alle!", formuliert eine Umweltaktivistin aus dem Hambacher Forst ihr Engagement. Das Video wurde am 15. September auf Facebook veröffentlicht und mittlerweile rund drei Millionen Mal aufgerufen. Darin erklärt die Frau teilweise unter Tränen, was sie von der Räumung hält und warum nach ihrer Auffassung der Widerstand gegen den Energiekonzern RWE so wichtig ist.

RWE: Abholzung unvermeidbar

Aus Sicht von RWE ist die Abholzung des Hambacher Forsts unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Vor Beginn der Kohleförderung war der Wald 4.100 Hektar groß. Nach Angaben des Tagebau-Betreibers RWE Power wurden bislang 3.900 Hektar für den Kohleabbau gerodet. Nun soll noch einmal gut die Hälfte des verbliebenen Waldes abgeholzt werden.

Spezialkräfte der Polizei gehen durch den Wald
Bildrechte: dpa

Wald mit einer 12.000 Jahre langen Geschichte

Der Wald hat nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine 12.000 Jahre lange Geschichte. Es gibt dort Vorkommen streng geschützter Arten wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch und Haselmaus. Der Protest vor Ort richtet sich auch gegen den Abbau von Braunkohle allgemein.  

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 20. September 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2018, 19:15 Uhr

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