Der Angeklagte Ahmad A. (M) sitzt am 12.01.2018 in Hamburg im Gerichtssaal im Strafjustizgebäude zwichen seinem Anwalt Christoph Burchard und einem Dolmetscher.
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Töten aus religiösem Eifer Hamburger Messerstecher gesteht vor Gericht

BRISANT | 12.01.2018 | 17:15 Uhr

Er erstach in einem Hamburger Supermarkt einen Kunden und verletzte sechs weitere Menschen. Das hat der abgelehnte Asylbewerber Ahmad A. vor Gericht gestanden. Für die Anklage steht fest: Er wollte so viele Deutsche töten wie möglich.

Der Angeklagte Ahmad A. (M) sitzt am 12.01.2018 in Hamburg im Gerichtssaal im Strafjustizgebäude zwichen seinem Anwalt Christoph Burchard und einem Dolmetscher.
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Die Nachricht schockierte Ende Juli ganz Hamburg: Ein Messerstecher tötete in einem Supermarkt einen 50-jährigen Mann und verletzte sechs weitere Passanten, die ihm im Stadtteil Barmbek zufällig über den Weg liefen. Nach dem grausigen Verbrechen war Ahmad A. von Passanten verfolgt, überwältigt und dabei selbst verletzt worden.

Töten aus religiösem Eifer

Zu Beginn des Mordprozesses ließ der 26-jährige abgelehnte Asylbewerber nun ein Geständnis verlesen. "Er bekennt sich in allen Anklagepunkten ausdrücklich schuldig", erklärte sein Verteidiger, Christoph Burchard, vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts. „Die Taten hatten aus seiner Sicht einen religiösen Hintergrund, liest der Anwalt des Palästinensers vor.

So sieht es auch die Bundesanwaltschaft. Die wirft ihm Mord sowie versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen vor. Die Ankläger sprechen von Heimtücke und niederen Beweggründen. Ahmad A. sei es aus einer islamistischen Gesinnung heraus darum gegangen, "möglichst viele deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens zu töten", so das Ergebnis ihrer Ermittlungen.

Von Reue kein Wort

Von Reue oder einer Entschuldigung ist in der Erklärung des Angeklagten kein Wort zu hören. "Er stand unter einer sehr großen Anspannung, aus der heraus er die Taten begangen hat", sagte Verteidiger Burchard. Deshalb könne sich der Angeklagte auch nicht an Einzelheiten der Tat erinnern und werde dazu nichts sagen. Auch Fragen des Vorsitzenden Richters zum Alkohol- und Drogenkonsum, seiner Einstellung zur Religion und zu einer bei ihm gefundenen, selbstgebastelten Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat bleiben unbeantwortet.

Auf ein besseres Leben in Europa gehofft

Bei seiner ersten Vernehmung nach der Tat hatte der 26-Jährige laut Bundesanwaltschaft noch erklärt, er sei Terrorist. Doch zu diesen Angaben wollte sich der Mann vor Gericht ebenfalls nicht äußern. Angaben machte Ahmad A. im Prozess aber zu seiner Biografie. Geboren ist der Palästinenser in Saudi-Arabien, seine Mutter war Lehrerin. Später lebte er in Gaza. Ein Studium der Zahnmedizin brach der junge Mann ab, erhoffte sich in Europa ein besseres Leben und kam schließlich nach Deutschland.

Asylantrag ebgelehnt

Doch seine Erwartungen wurden seiner Aussage nach enttäuscht. Nach der Ablehnung seines Asylantrags Ende 2016 habe er ausreisen wollen, doch es fehlten Papiere. Viel mehr war dem Angeklagten vorerst nicht zu entlocken.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. Januar 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2018, 20:31 Uhr

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