Attentat in Hessen Hanau: Elf Tote nach Schüssen in Shisha-Bars

Terrorverdacht im hessischen Hanau. Ein 43-jähriger Schütze hat in zwei Sisha-Bars neun Menschen erschossen. Alle Opfer haben einen Migrationshintergrund. Später sind der mutmaßliche Täter und seine Mutter in der gemeinsamen Wohnung tot gefunden worden. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Die tödlichen Schüsse haben bundes- und europaweit Entsetzen ausgelöst.

43-Jähriger erschießt neun Menschen in Shisha-Bars

Bei einer Gewalttat im hessischen Hanau am Mittwochabend sind nach Polizeiangaben elf Menschen getötet worden. Ein 43-jähriger Deutscher soll bei Angriffen auf zwei Shisha-Bars am Kurt-Schumacher-Platz und am Heumarkt insgesamt neun Menschen erschossen haben. Alle Opfer haben einen Migrationshintergrund. Die ersten Schüsse sind nach Polizeiangaben gegen 22 Uhr gefallen.

Stadtkarte von Hanau mit Ortsmarkern Heumarkt und Kurt-Schumacher-Platz
Insgesamt neun Menschen soll der mutmaßliche Täter in zwei Shisha-Bars am Kurt-Schumacher-Platz und am Heumarkt erschossen haben. Bildrechte: OpenStreetMap contributors

Täter tot in eigener Wohnung aufgefunden

Am frühen Donnerstag fand die Polizei den mutmaßlichen Täter tot in seiner Wohnung in Hanau. Neben ihm habe die Leiche seiner 72-jährigen Mutter gelegen. Beide hätten Schussverletzungen aufgewiesen. In der selben Wohnung sei außerdem eine Waffe gefunden worden. Der 43-Jährige sei der Polizei zuvor nicht als potentieller Gewalttäter bekannt gewesen oder aufgefallen.

Verdacht eines rechtsextremen, rassistischen Hintergrunds

Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe hat die Ermittlungen zu dem Fall übernommen. Hessens Innenminister Beuth (CDU) bestätigte im Landtag den Verdacht eines rechtsextremistischen Hintergrunds. Hinweise auf der Homepage des mutmaßlichen Täters deuteten auf ein fremdenfeindliches Motiv hin. Der Generalbundesanwalt ermittele wegen des "Verdachts einer terroristischen Gewalttat", sagte Beuth.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen hatte der mutmaßliche Todesschütze ein Video bei Youtube veröffentlicht. Darin spricht der Mann in fließendem Englisch von einer "persönlichen Botschaft an alle Amerikaner". Weiter heißt es in dem Video, in den USA existierten Militäreinrichtungen, in denen Kinder getötet und dem Teufel gehuldigt werde.

Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt an einem Mercedes.
Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt. Bildrechte: dpa

"Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift": Politiker zeigen sich betroffen und fordert Konsequenzen

Kanzlerin Angela Merkel zeigt sich erschüttert über die Gewalttat und bekundete ihre Anteilnahme. Auch wenn es noch keine abschließende Klarheit gebe, weise derzeit alles darauf hin, dass der Täter aus rechtsextremen, rassistischen Motiven gehandelt habe, sagte sie in Berlin. "Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift", so die Bundeskanzlerin.

Als einer der Ersten drückte Außenminister Heiko Maas den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. "Die schrecklichen Ereignisse in #Hanau schmerzen uns alle", twitterte der SPD-Politiker. "Nach dieser grausamen Nacht sind unsere Gedanken bei den Toten, ihren Familien und Angehörigen. Wir hoffen mit den Verletzten, dass sie bald wieder gesund werden."

Auch für das schwedische Königshaus ist die Bluttat von Hanau ein Thema.

Traditioneller Faschingsumzug in Hanau abgesagt

Aufgrund der Vorfälle in Hanau ist der traditionelle Faschingsumzug am Samstag abgesagt. Das teilte der Veranstalter, der Hanauer Carnevalszug Verein 1954, auf seiner Faceboookseite mit. In München ist kurzfristig der für den heutigen Tag angesetzte Weiberfasching auf dem Viktualienmarkt gestrichen worden. Die Karnevalisten von Düsseldorf planen für ihren traditionellen Rosenmontagsumzug dagegen einen Mottowagen, der den Anschlag von Hanau thematisiert.

Wir sind bei den Opfern von Hanau. Unser Düsseldorfer Karneval ist multikulturell. Wir möchten einfach Karneval feiern. Wir werden das mit einem Mottowagen beantworten.

Michael Laumen, Präsident des Comitees Düsseldorfer Karneval dpa

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 20. Februar 2020 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 21:18 Uhr

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