Frau im Auto mit Handy am Ohr.
Bildrechte: Colourbox.de

Autofahrerin gesteht Schuld an Tod von Radfahrer Nur mal kurz aufs Handy geguckt?!

BRISANT | 08.05.2018 | 17:15 Uhr

Es fließen Tränen - bei der Täterin und den Angehörigen des Opfers: Weil sie mit ihrem Freund telefonierte, hat eine 25-Jährige eine rote Ampel übersehen und mit ihrem Sportwagen einen Radfahrer getötet. Ein Einzelfall?

Frau im Auto mit Handy am Ohr.
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Mails lesen, Nachrichten tippen, telefonieren: Mehr als die Hälfte der Autofahrer nutzt nach Angaben von Verkehrsexperten ihr Smartphone auch im Auto. Doch die Ablenkung am Steuer kann fatale Folgen haben und Leben zerstören – wie der Fall einer 25-Jährigen einmal mehr schmerzlich vor Augen führt.

Zu Bewährungs- und Geldstrafe veruteilt

Die Angeklagte sitzt neben ihrem Anwalt Matthias Waldraff im Amtsgericht Hannover.
Die Angeklagte, hier mit Verteidiger Matthias Waldraff, hat zugegeben, einen Radfahrer angefahren und tödlich verletzt zu haben. Bildrechte: dpa

Die Frau musste sich vor dem Amtsgericht Hannover verantworten. Sie hatte wegen eines aufwühlenden Telefonats mit ihrem Freund am Handy eine rote Ampel übersehen und einen 67 Jahre alten Radfahrer tödlich verletzt. Der Sohn des Getöteten saß der Angeklagten im Gerichtssaal gegenüber. "Bitte glauben Sie mir, es tut mir alles so leid", sagte die dunkelhaarige, zierliche Angeklagte schluchzend. "Es steht mir nicht zu, um Vergebung zu bitten. Aber es ist kein Tag und keine Nacht vergangen, an dem ich nicht an Ihren Vater gedacht habe."

Richterin Monika Pinski verurteilte die 25-Jährige nach der Vernehmung von neun Zeugen und zwei Sachverständigen zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe. Zudem muss die Zahnarzthelferin für ein Jahr ihren Führerschein abgeben und 3.600 Euro Geldstrafe zahlen. "Die Verurteilung beruht weitestgehend auf dem Geständnis der Angeklagten", betonte die Richterin. In ähnlich gelagerten Fällen versuchten Autofahrer häufig, sich herauszureden oder eine Teilschuld dem Opfer zu geben.

Ich weiß heute, dass ich das Telefongespräch hätte unterbrechen oder anhalten müssen.

25-jährige Autofahrerin

N-Joy-Aktion "Kopf hoch. Das Handy kann warten."

Strafen viel zu niedrig?

"Doch nicht nur das illegale Telefonieren mit dem Handy ist eine Gefahr, auch das legale Telefonieren im Auto", gab der Verteidiger der Frau zu bedenken. Seine Mandantin habe mit einem Headset telefoniert. Wie ein Gutachter schilderte, war die Ampel an der vielbefahrenen geraden Straße schon mindestens vier Sekunden rot, als die Frau auf die Kreuzung fuhr und den Rentner auf dem Fahrrad erfasste. "Das Unfallaufkommen steigt durch die Handy-Benutzung, ganz gleich ob als Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger", sagt Reinhard Spörer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Die Strafen für Menschen, die mit Handy am Steuer erwischt würden, seien in Deutschland viel zu niedrig.

Fakt: Bei Tempo 50 bedeutet ein fünf Sekunden kurzer Blick des Fahrers aufs Handy 70 Meter Blindflug über die Straße!

Handy am Steuer: Neue Studie zu Unfällen 

Schon länger warnen Polizei und andere Experten vor der Handynutzung am Steuer. Doch wie oft ist die Ablenkung wirklich schuld an Unfällen? In Niedersachsen läuft seit 2014 die Präventionskampagne "Tippen tötet", denn auch das Nachrichtenlesen und Schreiben ist lebensgefährlich. Das Land Niedersachsen startete im Januar eine Studie, um der Ablenkung durch Handys im Straßenverkehr auf den Grund zu gehen und weitere Präventionsansätze zu finden. Ein Jahr lang werden in den Polizeidirektionen Braunschweig, Hannover und Osnabrück Verkehrsunfälle detailliert analysiert, bei denen Ablenkung als Unfallursache vermutet wird.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Mai 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2018, 21:12 Uhr

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