App gegen die Ausbreitung von Covid-19 Kampf gegen das Coronavirus mit Hilfe von Smartphone-App

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hat sich in Deutschland eine Debatte um die mögliche Nutzung von Handydaten entwickelt. Gegenwärtig wird der Einsatz einer App diskutiert, die Kontaktpersonen von Infizierten aufspüren soll. Konkret geht es um die digitale Nachverfolgung von Infektionswegen - und zwar auf freiwilliger Basis.

Flugmodus, WLAN und Bluetooth Einstellungen an einem Smartphone
Bluetooth soll in der App verwendet werden. Bildrechte: IMAGO

Wenn es darum geht, die Coronavirus-Ausbreitung mit Hilfe von Smartphone-Daten einzudämmen, hat sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber gegen verpflichtende Maßnahmen für die Bürger ausgesprochen. Er plädiert ausschließlich für freiwillig installierte Apps, "Jeder hätte die Daten, wen er getroffen hat, zunächst nur auf seinem Handy und könnte sie im Falle einer Infektion teilen", beschreibt Kelber eine datenschutzkonforme Lösung in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche".

Dabei würde die App über die Bluetooth-Kennung registrieren, welche anderen Smartphones mit ebenfalls installierten Anwendungen in der Nähe waren, erläuterte Kelber. "Wenn ich schließlich vom Gesundheitsamt bestätigt bekomme, infiziert zu sein, könnten über die App alle gewarnt werden, die ich getroffen habe." Dieser Hinweis könne gleich mit der Einladung zu einem Test verbunden werden, schlug der Datenschützer vor.

Die Bereitschaft der Menschen, sich an einer solchen Lösung zu beteiligen, sei hoch, so Kelber. Dabei sei es wichtig, dass möglichst viele Nutzer bei einer App registriert sind. "Die schlechteste Variante wäre: Es gibt unzählige Apps, bei denen jeweils nur wenige Tausend Nutzer die Daten tauschen." So ließen sich Infektionsketten nicht durchbrechen.

Ulrich Kelber (SPD), Bundesbeauftragter für Datenschutz
Bundesbeauftragter für Datenschutz - Ulrich Kelber. (Archiv) Bildrechte: dpa

Funkzellen zu ungenau - Bluetooth als Alternative

Die bisherige Idee, Funkzellendaten für Ortungsdienste zu nutzen, hat Schwachstellen. Denn Funkzellen, in die sich Smartphones beim Betreten einloggen, sind oft sehr groß. Es ist somit unklar, ob die betreffende Person wirklich direkten Kontakt mit einer infizierten Person hatte, wenn beide in der gleichen Funkzelle unterwegs waren.

Das Robert Koch-Institut (RKI) will zusammen mit einem Fraunhofer-Institut Abhilfe schaffen und arbeitet an einer App wie sie beispielsweise bereits in Singapur veröffentlicht wurde. Sie funktioniert mit wenigen persönlichen Daten und ohne den Standort des Nutzers. Das Schlüsselwort heißt Bluetooth. Wann immer sich zwei Handys nahe kommen, speichern sie verschlüsselt die ID des jeweils anderen. Wenn bei einem Handynutzer eine Infektion festgestellt wurde, können von einer zentralen Stelle nur über diese IDs Pushnachrichten an die Kontaktpersonen verschickt werden. Das funktioniert theoretisch sogar ohne die Verknüpfung mit einer Telefonnummer, die eigene Identität bliebe also im besten Fall geheim.

Die Bundesregierung zögert noch, wenn es um den Einsatz einer solchen "Stopp-Corona-App" geht. In der Regierung würden derzeit unterschiedliche Ideen diskutiert, wie man Handy-Daten nutzen könnte, um eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, sagte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Zwei Personen am Smartphone
Freiwillig installierte Apps sollen die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. (Archiv) Bildrechte: imago/PhotoAlto

Parteiübergreifend Fürsprecher

Die netzpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Anke Domscheit-Berg, sagte jedoch: "Die App 'TraceTogether' aus Singapur könnte eine Basis für eine deutsche Covid-19-Tracking-App sein, da sie über Bluetooth zufallsgenerierte, häufig wechselnde IDs zwischen Geräten in der Nähe austauscht und nur diese IDs bei expliziter Zustimmung Erkrankter an das Gesundheitsamt weitergegeben werden."

Unterstützung für Vorschläge wie den des RKI kommt von Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU). Eine solche Software auf Smartphones sei "sinnvoll, um das Virus zielgerichtet einzudämmen", sagte Bär dem "Handelsblatt". Datenschutzrechtlich spreche nichts gegen eine solche App, da der Nutzer mit deren Herunterladen der Datennutzung zustimme.

(ten/dpa/tagesschau)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 31. März 2020 | 17:15 Uhr

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