Auf dem Marktplatz von Bretten (Baden-Württemberg) wird ein Leerrohrbündel mit Glasfaserkabeln des Breitband-Versorgers BBV gezeigt.
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Harpolingen im Südschwarzwald Baggern für schnelles Internet: Ein Dorf gräbt selbst!

BRISANT | 02.05.2018 | 17:15 Uhr

"Gräbst du noch oder surfst du schon?", heißt es in einer kleinen Gemeinde im Südschwarzwald. Um nicht abgehängt zu werden, setzt man in dem Bad Säckinger Ortsteil Harpolingen auf Eigeninitiative.

Auf dem Marktplatz von Bretten (Baden-Württemberg) wird ein Leerrohrbündel mit Glasfaserkabeln des Breitband-Versorgers BBV gezeigt.
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Es ist noch gar nicht so lange her, da hat die neue Staatsministerin für Digitales gesagt: "Wie Strom und Wasser muss auch schnelles Netz ein Grundrecht sein". Im internationalen Vergleich hinken wir Deutschen in Sachen Internet kräftig hinterher. Besonders auf dem Land wird im Schneckentempo gesurft. Ein Beispiel von vielen: Harpolingen im Südschwarzwald.

Ein altes 0,4-Megabyte-Kupferkabel für alle

Telefonieren und gleichzeitig eine Mail schreiben? Keine Chance! Mal eben schnell durchs Netz surfen? Fehlanzeige! In Harpolingen sorgt noch ein altes 0,4-Megabyte-Telefon-Kupferkabel der Telekom für die Datenversorgung des Dorfes - oder soll zumindest sorgen.

Wenn ich allein zu Hause bin, ich bin ja selbständig und arbeite von zu Hause, dann geht ab und zu mal ein bisschen was. Aber sobald meine Kinder nach Hause kommen und gleichzeitig ihr Smartphone anmachen, dann ist es völlig vorbei. Dann geht einfach nichts mehr. Nichts.

Christoph Schneider, Bürgerverein Harpolingen

Für die Anbieter nicht lohnenswert

Dabei könnte doch alles so einfach sein. Der Verteilerkasten für schnelles Internet steht mitten im Ort. Doch Telekom & Co. winken ab: 50 Haushalte anzuschließen, das lohne sich nicht. Und weil auch die Stadt und das Land nichts tun, nehmen die Harpolinger die Sache jetzt einfach selbst in die Hand. Sie buddeln die Erde auf und verlegen Leerrohre für schnelle Datenleitungen. "Am Anfang war ich ein bisschen Einzelkämpfer. Ich habe einfach mal den Bagger geholt, weil ich die Faxen dicke hatte, und habe gebaggert", sagt Christoph Schneider, der Initiator des Projekts "Schnelles Internet" des Bürgervereins Harpolingen. "Mit der Zeit kamen die anderen dazu, als sie merkten, da geht was."

Bürgermeister: "Die Stadt ist gefangen"

800 Meter Leerrohre haben sie schon verlegt, hunderte Stunden dafür geackert. Vorbildlich, findet der Bad Säckinger Bürgermeister Alexander Guhl. Er sieht vor allem die Internet-Anbieter in der Pflicht. Der Stadt selbst seien die Hände gebunden.

Die Stadt ist gefangen in Verwaltungsvorschriften und Förderkriterien. Durch Eigeninitiative, das zeigt ja auch dieses Bürgerbeispiel, kann man dann doch viel schneller arbeiten als es die Verwaltungsbürokratie zulässt.

Alexander Guhl, Bürgermeister Bad Säckingen

Klingt ein bisschen nach Kapitulation. Aufgeben aber wollen die Harpolinger nicht. Sie hoffen, dass der örtliche Kabelanbieter jetzt rasch die Leerrohre mit schnellen Internetleitungen füllt. Dann können sie in Harpolingen auch mal E-Mails mit Anhang verschicken.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. Mai 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2018, 21:18 Uhr

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