Steigende Energiepreise Mindestens 135 Euro Heizkostenzuschuss - aber nicht für alle

Die Energiepreise explodieren - vor allem für Öl und Gas, die zum Heizen genutzt werden. Damit sozial schwächer gestellte Bürger, die kein Harz IV empfangen, nicht in kalten Wohnungen sitzen, hat das neue Wohnungsministerium jetzt einen Gesetzentwurf eingebracht. Rund 710.000 Wohngeldempfänger sollen mit einer einmaligen Heizkostenpauschale von mindestens 135 Euro unterstützt werden.

Auf Geldscheinen steht ein Stempel mit dem Schriftzug Heizkostenzuschuss
Bereits Ende Januar soll das Kabinett einen einmaligen Heizkostenzuschuss für Empfänger von Wohngeld beschließen. Bildrechte: imago images/Steinach

Die enorm gestiegenen Heizkosten belasten die privaten Haushalte massiv. Noch nie musste für Heizung, Strom und Sprit so viel bezahlt werden wie aktuell.

Einer Berechnung des Vergleichsportals Verivox zufolge, sind für den Zeitraum von September bis Dezember für Gas durchschnittlich 54 Prozent mehr zu zahlen als noch vor einem Jahr. Für Haushalte mit Ölheizung sollen die Preise sogar um durchschnittlich 99 Prozent steigen.

Heizkostenzuschuss für Empfänger von Wohngeld

Damit Wohnen und Heizen auch für sozial schwächer gestellte Haushalte bezahlbar bleiben und die Mehrkosten aus den kalten Wintermonaten aufgefangen werden, sollen Wohngeldempfänger mit einem einmaligen Zuschuss von mindestens 135 Euro unterstützt werden.

Ein entsprechender Gesetzentwurf des neuen Wohnungsministeriums soll Ende Januar im Kabinett beschlossen und dann über die Regierungsfraktionen in den Bundestag eingebracht werden.

Ein Kind mit Handschuhen dreht an einer Heizung
Der Heizkostenzuschuss soll gewährleisten, dass das Heizen auch für sozial schwächer gestellte Haushalte bezahlbar bleibt. Bildrechte: imago images/photothek

Wer bekommt den Heizkostenzuschuss?

Insgesamt sollen rund 710.000 Haushalte von dem einmaligen Zuschuss profitieren. Sie müssen dafür in der Heizphase zwischen Oktober 2021 und März 2022 mindestens einen Monat lang Wohngeld bezogen haben oder beziehen.

Mit wieviel Zuschuss können Wohngeldempfänger rechnen?

Wer allein wohnt, soll laut Gesetzentwurf 135 Euro bekommen, ein Zwei-Personen-Haushalt 175 Euro. Für jeden weiteren Mitbewohner sind weitere 35 Euro vorgesehen. Alles in allem soll die Hilfe den Bund rund 130 Millionen Euro kosten.

Wie wurde die Höhe des Heizkostenzuschusses berechnet?

Die Höhe des Zuschusses soll auf Grundlage von Simulationsrechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln empirisch hergeleitet worden sein. Die Heizkosten der Wohngeldhaushalte aus dem Jahr 2020 seien mit den erwarteten Preissteigerungen fortgeschrieben worden.

Tasse Kaffe auf einer Heizung
Verbraucherschützern zufolge ist der geplante Heizkostenzuschuss deutlich zu niedrig. Bildrechte: imago/Panthermedia

Kritik von Verbraucherschützern: "deutlich zu niedrig"

Verbraucherschützer halten den Zuschuss allerdings für "deutlich zu niedrig angesetzt". Das Geld werde für viele Haushalte nicht ausreichen, um den starken Anstieg der Heizkosten auszugleichen, meint der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Noch sei gar nicht klar, wie kalt der Winter werde und wie hoch die nächste Heizkostenrechnung ausfalle.

Antrag nötig? Wann und wie wird der Zuschuss ausgezahlt?

Geplant ist, dass der Zuschuss im Sommer an berechtigte Wohngeldempfänger automatisch ausgezahlt wird - bevor die Betriebskostenabrechnung mit den Heizkosten für den Winter im Briefkasten landet. Bei dieser Abrechnung seien oftmals nicht nur hohe Nachzahlungen zu erwarten. Für viele Haushalte werde auch die monatliche Abschlagszahlung steigen.

Der Zuschuss soll diese Belastung abfedern. Auf andere Sozialleistungen soll der Heizkostenzuschuss nicht angerechnet werden.

AFP/Reuters/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. Januar 2022 | 17:15 Uhr

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