Eine Frau spritzt sich in den Arm.
Bildrechte: Colourbox

Tödliche Dosis verabreicht Hilfspfleger unter Mordverdacht: Sechs Senioren mit Insulin getötet?

BRISANT | 13.11.2018 | 17:15 Uhr

Ein Hilfspfleger spritzt zwölf Senioren Insulin, das sie gar nicht brauchen - sechs davon sterben. Der Mann gesteht, bestreitet aber eine Tötungsabsicht. Die Ermittler finden ein sonderbares Motiv.

Eine Frau spritzt sich in den Arm.
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Wenn Patienten zu Opfern werden: Ein Hilfspfleger soll an verschiedenen Orten in Deutschland sechs alte Männer und Frauen ermordet haben. Dies ergaben die Ermittlungen gegen den 36 Jahre alten Polen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag in München mitteilten. Der Mann habe seinen Opfern tödliche Dosen von Insulin verabreicht.

Seit Februar in Untersuchungshaft

Anfang des Jahres war er unter Verdacht geraten, einen 87-Jährigen in Ottobrunn bei München mit Insulin getötet zu haben. Daraufhin wurde auch an seinen voherigen Einsatzorten nachgeforscht. Ihm werden drei Morde in Bayern sowie je einer in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Niedersachsen zur Last gelegt.

Die Ermittler werfen dem Mann zudem drei versuchte Morde sowie drei Fälle der gefährlichen Körperverletzung vor. Auch soll er etliche Klienten vor allem um Bargeld und Schmuck bestohlen haben. Der Mann sitzt seit Februar in Untersuchungshaft.

Geständnis abgelegt

Dem selbst an Diabetes erkrankten Hilfspfleger wurde im Januar 2017 Insulin verschrieben. Mit einem sogenannten Insulin-Pen spritzte er seit April 2017 auch zwölf betreuten Senioren im Alter zwischen 66 und 91 Jahren das Medikament, obwohl diese das gar nicht brauchten - in den sechs Fällen war es eine tödliche Dosis. Der Beschuldigte gestand die Taten, bestritt aber eine Tötungsabsicht. 

Ermittler: Tod billigend in Kauf genommen

Seit Mai 2015 hatte der Hilfspfleger sich nach den Erkenntnissen der Ermittler in Deutschland um pflegebedürftige Personen gekümmert. Zur 24-Stunden-Pflege zog er bei den Patienten auch ein. Insgesamt war er an 68 Orten beschäftigt. Oft habe er nach kurzer Zeit festgestellt, dass ihm "dieser Arbeitsplatz nicht so liegt", sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Der 36-Jährige wollte demnach weg von den Arbeitsstellen. Im Falle einer Kündigung hätte er jedoch teilweise mit vertraglichen Strafen rechnen müssen. Um diesen zu entgehen, habe er das Insulin verabreicht, so die Ermittler. Die Patienten wurden zum Notfall, ins Krankenhaus gebracht und er konnte von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen.

Nach unserem Stand der Ermittlungen nahm er den Tod der Betreuten durchaus billigend in Kauf.

Josef Wimmer | Mordkommission

Erinnerungen an Niels Högel werden wach

Der Fall weckt Erinnerungen an den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel, der mehr als 100 Patienten auf dem Gewissen haben soll. Seit zwei Wochen muss er sich erneut vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. November 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 21:47 Uhr

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