Covid-19 Studien: Schützt die Grippe-Impfung auch vor Corona?

Der Herbst ist da und mit ihm die Grippe. Dieses Jahr müssen wir zusätzlich mit dem Coronavirus kämpfen. Aktuelle Studien lassen da aufhorchen: Schützt eine Grippe-Impfung auch vor Corona? BRISANT hakt nach.

Spritze mit Aufschrift 'Influenza-Impfstoff'
Ein Pieks und man ist gegen Corona geschützt? So einfach ist es nicht. Bildrechte: imago images / Laci Perenyi

Eins vorweg: Die echte Grippe - die Influenza - ist keine einfache Erkältungskrankheit ("grippaler Infekt" mit bisschen Husten und Schnupfen), sondern eine ernstzunehmende Infektion, die durch Influenzaviren verursacht wird. Lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungenentzündung oder sogar Herzinfarkt können auftreten. Das Robert-Koch-Institut rät daher gefährdeten und vorerkrankten Menschen zu einer Impfung.

Die Grippeschutzimpfung bietet zwar keinen vollständigen Schutz, kann aber das Risiko einer Infektion bis zu 60 Prozent verringern.

Studie: Grippe-Impfung als Corona-Schutz?

In diesem "Corona-Winter" lässt eine aktuelle Studie aus den Niederlanden und Deutschland aufhorchen: Eine Grippe-Schutzimpfung könnte auch einen gewissen Schutz gegen SARS-CoV-2 bieten!

Wer im vergangenen Winter (2019/2020) gegen Grippe geimpft war, hatte während der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr ein geringeres Infektionsrisiko für das Coronavirus als Ungeimpfte. Und zwar zu 39 Prozent.

Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
Seit 2018 ist der Vierfach-Impfstoff auch für Kassenpatienten erhältlich. Bildrechte: Imago

Fast 40 Prozent weniger Corona-Infektionen

Hierfür analysierten die Forscher die Daten von etwa 10.600 Mitarbeitern des medizinischen Zentrums der Radboud Universität im niederländischen Nimwegen. Von ihnen hatten sich 184 mit dem Coronavirus angesteckt. Der Analyse zufolge infizierten sich 2,23 Prozent der ungeimpften Mitarbeiter und 1,33 Prozent der Mitarbeiter mit Grippeimpfung. Das entspricht einem verringerten Risiko von 39 Prozent.

Eine Studie aus Italien, die bereits im Juni publiziert wurde, kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Menschen über 65 Jahre, die gegen Grippe geimpft waren, erkrankten weniger oft an COVID-19 als Ungeimpfte.

Training des Immunsystems

Eine mögliche Erklärung des positiven Effekts liegt darin, dass die körpereigenen Zellen Immunität "lernen", dass sie somit eine bessere Abwehrreaktion haben und schneller auf Krankheiten reagieren können. Grund dafür ist die erhöhte Produktion des Immunproteins Zytokin, das Infektionen bekämpft. Das wurde im Labor nachgewiesen. 

Die Autoren der neuen Studie haben menschliche Blutzellen mit dem Grippeimpfstoff versetzt und dann dem Corona-Virus ausgesetzt. Die geimpften Zellen reagierten schneller und besser als die nicht geimpften.

Ergebnisse noch nicht eindeutig

Was die Forscher noch untersuchen müssen, ist der genaue Effekt der Impfstoffe auf unser Immunsystem. 2018 stand erstmals der Vierfach-Wirkstoff zur Verfügung, der gegen die beiden Virenstämme Influenza A und die beiden Virenstämme Influenza B wirkt. Hilft viel also auch viel? Wer lässt sich eigentlich impfen? Und lebt diese Gruppe insgesamt gesünder und hat weniger Vorerkrankungen?

Fazit: Die Grippe-Schutzimpfung schützt zwar nicht komplett vor dem Coronavirus, aber sie kann eine gewisse Schutzwirkung entfalten, indem sie das Immunsystem anregt. Und sie kann vor der Influenza schützen. Denn dann muss der Körper nicht auch noch zusätzlich mit dem Coronavirus kämpfen.

Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen? Menschen ab 60 Jahren, Personen mit Grundkrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, chronischen Krankheiten der Atmungsorgane oder Diabetes.
Schwangere ab dem 6. Monat.
Menschen, die im Krankenhaus oder der Arztpraxis arbeiten, wird eine Impfung empfohlen. Damit gerade sie sich nicht anstecken und mit Fieber flachliegen - denn das würde unsere Gesundheitsversorgung gefährden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. November 2020 | 17:15 Uhr

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