Arbeitswelt Ende der Homeoffice-Pflicht: Müssen jetzt alle wieder ins Büro?

Zum 30. Juni endet die Bundes-Notbremse - und damit die darin verankerte Homeoffice-Pflicht - trotz Delta-Variante. Müssen nun all diejendigen, die über Monate von zu Hause aus gearbeitet haben, wieder zurück ins Büro? Wahrscheinlich nicht. Doch das letzte Wort in dieser Frage hat bislang der Arbeitgeber.

Eine Frau arbeitet an einem Tisch.
Die Bundes-Notbremse endet am 30. Juni. Ist das auch das Ende für die Arbeit im Homeoffice? Bildrechte: IMAGO / Westend61

Für die einen war es ein Segen, für andere ein Fluch: das Arbeiten im Homeoffice. Gut die Hälfte aller Deutschen konnte dem Arbeiten in den eigenen vier Wänden viel Gutes abgewinnen und würde künftig - zumindest zeitweise - gern von zu Hause aus arbeiten.

Doch mit dem Ende der Bundes-Notbremse am 30. Juni endet die Verpflichtung der Arbeitgeber, den Mitarbeitern die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen.

Homeoffice-Pflicht für Arbeitgeber endet am 1. Juli

Die ab dem 1. Juli geltende Corona-Arbeitsschutzverordnung sieht keine Homeoffice-Pflicht mehr vor. Allerdings verpflichtet sie die Unternehmen, die Corona-Maßnahmen weiterhin aufrecht zu erhalten, zwei Corona-Tests pro Woche anzubieten und Hygienepläne zu erstellen. Und: Empfohlen wird weiterhin, dass möglichst viele Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten.

Wie geht es jetzt für Arbeitnehmer weiter?

Viele Arbeitnehmer werden wohl trotzdem weiterhin im Homeoffice arbeiten dürfen. Zwar hat die Wirtschaft die in der Bundes-Notbremse festgeschriebene Homeoffice-Pflicht als "bürokratischen Aktionismus" und "unnötiges Einmischen der Politik" verurteilt, dennoch, so Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, sollen viele Unternehmen in den vergangenen Monaten eigenverantwortlich, freiwillig und sehr zuverlässig in allen Branchen Homeoffice ermöglicht haben.

Wir Arbeitgeber haben beim Homeoffice geliefert und das werden wir auch weiterhin tun, da wo es interne wie externe Betriebsprozesse zulassen. Dafür brauchen wir keine Verordnung.

Steffen Kampeter

Entscheidung über Homeoffice liegt bei Arbeitgeber

Ein Recht auf Homeoffice - ganz unabhängig von Corona - gibt es in Deutschland bislang nicht. Zurzeit liegt die Entscheidung, ob Arbeiten im Homeoffice für Arbeitnehmer möglich ist, beim Arbeitgeber. Mitarbeiter können also grundsätzlich nicht vom Unternehmen verlangen, von zu Hause aus zu arbeiten.

Der zuletzt vorgelegte Referentenentwurf eines Gesetzes zur mobilen Arbeit sieht lediglich eine Erörterungspflicht vor. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen gemeinsam die Möglichkeiten diskutieren, wie die anfallende Arbeit von zu Hause aus erledigt werden kann und im Idealfall eine Vereinbarung treffen.

Ursprünglich wollte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil einen Rechtsanspruch der Arbeitnehmer auf 24 Tage Homeoffice im Jahr einführen, war letztlich jedoch am Widerstand der Union gescheitert.

Ein mann arbeitet an einem Computer.
Arbeit im Homeoffice oder im Büro? Das letzte Wort hat bislang der Arbeitgeber. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Deutscher Gewerkschaftsbund fordert Rechtsanspruch für Arbeitnehmer

Kein Wunder, dass führende Gewerkschaftsvertreter jetzt verbindliche Regelungen fordern. Denn die Erfahrung der Gewerkschaftler ist, dass viele Arbeitgeber selbst in der Pandemie dazu gezwungen werden mussten, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken.

Helfen soll den Arbeitnehmern ein Rechtsanspruch auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten, ein angemessener Arbeitsschutz und eine entsprechende technische Ausstattung durch den Arbeitgeber.

Denn dass Homeoffice nicht nur flexiblere Arbeitszeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutet, sei in der Pandemie nur zu deutlich geworden. Überlange Arbeitszeiten, unbezahlte Mehrarbeit und permanente Verfügbarkeitserwartungen seien von vielen Arbeitnehmern beklagt worden. Das habe die Auswertung von Umfragedaten von Beschäftigten ergeben.

Arbeitsunfall im Homeoffice: Betriebsrätemodernisierungsgesetz erweitert Versicherungsschutz

Erste Erleichterungen für Arbeitnehmer im Homeoffice sind bereits seit Mitte Juni gesetzlich beschlossen - im Betriebsrätemodernisierungsgesetz.

Das sieht neben einer Vereinfachung von Betriebsratswahlen auch eine Stärkung der Betriebsräte bei den Themen Weiterbildung, Einsatz von künstlicher Intelligenz und mobile Arbeit vor. Das bedeutet: Betriebsräte dürfen künftig bei der Ausgestaltung von Arbeitsformen wie Homeoffice bzw. mobiler Arbeit mitbestimmen.

Zudem brachte der Ausschuss für Arbeit und Soziales in einer Änderung des Regierungsvorschlages den Unfallversicherungsschutz im Homeoffice ein. Denn bislang waren im Homeoffice nur sogenannte Betriebswege versichert, wie z.B. zum Drucker in einem anderen Raum. Jetzt greift der Versicherungsschutz im Homeoffice auch, wenn man sich beim Gang zur heimischen Küche oder Toilette verletzt. Außerdem wird der Unfallversicherungsschutz auch auf Wege ausgedehnt, die die Beschäftigten zur Betreuung ihrer Kinder außer Haus zurücklegen.

dpa/haufe.de/tagesschau.de/KNA

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. Juni 2021 | 17:30 Uhr

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