Vier Menschen auf dem Gehweg totgerast Horror-Crash in Berlin: SUV-Fahrverbote gefordert, Dashcam-Video aufgetaucht

BRISANT | 09.09.2019 | 17:15 Uhr

In Berlin ist ein SUV auf den Fußweg gerast. Vier Menschen kamen ums Leben. Die Trauer um die Opfer mischt sich mit Wut auf SUV. Unterdessen ist ein Video aufgetaucht, das die letzten Sekunden vor dem Aufprall zeigt.

Blumen, Kerzen und eine Tageszeitung, die über den Unfall berichtet, haben Menschen an der Stelle abgelegt, an der am 06.09.2019 vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren.
Immer wieder legen Menschen an der Unfallstelle Blumen und Kuscheltiere auf dem Gehweg ab und stellen Kerzen auf. Bildrechte: dpa

Wäre der Unfall anders verlaufen, wenn das Auto ein anderes gewesen wäre? Das ist aktuell das Thema bei SUV-Kritikern. Ein 42-Jähriger ist in Berlin mit seinem Porsche-SUV aus noch ungeklärter Ursache auf den Gehweg geraten. Vier Menschen wurden bei dem Unfall getötet, darunter auch ein drei Jahre alter Junge. Eine 38 Jahre alte Frau und ein neunjähriger Junge erlitten einen Schock und wurden medizinisch behandelt. Es handelt sich um einen der schwersten Verkehrsunfälle in den vergangenen Jahren in Berlin. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Das sagte eine Sprecherin der Polizei am Montag.

Experte: "Entscheidend ist die Geschwindigkeit"

Stephan von Dassel, der Bezirksbürgermeister von Berlin Mitte, schrieb auf Twitter: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt! Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige." Siegfried Brockmann, Unfallforscher der deutschen Versicherer, glaubt derweil nicht, dass von schweren Sportgeländewagen eine größere Gefahr ausgeht als von Kleinwagen. "Man kann nicht einfach sagen: Ein SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart", erklärt der Experte vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Im Einzelfall könne es sogar umgekehrt sein.

Entscheidend ist die Geschwindigkeit. Alles was jenseits von 50 Stundenkilometern ist, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug.

Siegfried Brockmann | Unfallforscher

Leichteres Auto hätte gestoppt werden können

Brockmann verwies auch auf die physikalische Berechnung der Bewegungsenergie. "Die Masse geht hier nur mit der Hälfte in die Formel ein und die Geschwindigkeit mit dem Quadrat. Und das heißt nichts anderes als: Wenn der Polo 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein Macan mit 40." Im Berliner Fall könnte das Gewicht des Autos jedoch tatsächlich einen Unterschied gemacht haben, gestand Brockmann zu. Dort hatte der Porsche Macan bei der Fahrt auf den Gehweg mehrere Poller und einen Ampelmast abgeknickt. Einen Polo hätte der Mast vielleicht aufgehalten, sagt Brockmann.

Ein zerstörter SUV wird auf einen Abschleppwagen gehoben. Im Stadtteil Mitte waren bei einem schweren Verkehrsunfall vier Menschen getötet worden
Bildrechte: dpa

Hatte der Porschefahrer einen medizinischen Notfall?

Am Samstag hatte die Polizei bekanntgegeben, dass auch wegen eines möglichen medizinischen Notfalls beim Unfallfahrer ermittelt wird. Erste Hinweise darauf "fließen ebenso wie sämtliche anderen Aussagen, Informationen und Beweise in das Ermittlungsverfahren mit ein", teilte die Berliner Polizei mit. Dem Porsche-Fahrer sei zudem Blut entnommen worden, er erlitt bei dem Unfall am Freitagabend Kopfverletzungen und liegt im Krankenhaus.

Stichwort: SUV Während sie von Kritikern als besonders umweltschädlich bezeichnet werden, sind SUV (Sport Utility Vehicle) bei Autokäufern in Deutschland immer beliebter. Im August fiel mehr als jeder fünfte Neuwagen in diese Kategorie. Hinzu kommen in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes noch zehn Prozent herkömmliche Geländewagen.

Dashcam-Video zeigt Momente kurz vor dem Unfall

Unterdessen ist ein Video aufgetaucht, das auf dem offenbar die letzten Sekunden vor dem Aufprall des Porsche-SUV zu sehen sind. Das Fahrzeug überholt mit erhöhter Geschwindigkeit links mehrere wartende Autos und steuert auf eine Ampel zu - dem Anschein nach mit leuchtenden Bremslichtern. Dann bricht das Video ab. Gefilmt wurde es demnach von der Dashcam eines Taxis. "Uns ist das Video bekannt", sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag. Es gehöre zu den bislang gesammelten Beweismitteln. Dass es nun in einigen Medien gezeigt wird, "können wir nicht verhindern", so der Sprecher weiter. Von der Polizei sei es nicht freigegeben worden.

Mehrere hundert Menschen nehmen an einer Mahnwache an der Stelle teil, an der am Freitag (06.09.2019) vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren.
Mehrere Hundert Menschen gedachten während einer Mahnwache mit vier Schweigeminuten der Getöteten. Die Initiatoren forderten Tempo 30 in der ganzen Stadt, eine autofreie Innenstadt und eine Ombudsperson für Verkehrsunfallopfer. Auf Transparenten verlangten Teilnehmer "Motorisierte Gewalt stoppen" und kritisierten "motorisierte Mordwerkzeuge". Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 09. September 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 20:54 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren