Frisur, Kleidung, Futter Übertriebene Fürsorge - Wo hört wahre Tierliebe auf und wann fängt Tierquälerei an?

Lackierte Krallen für Katzen? Hunde mit gefärbter Dauerwelle oder Schirmmütze auf dem Kopf? Wann verkommt das Tier zum Mode-Accessoire? BRISANT erklärt, wann die Grenzen der Tierliebe überschritten werden.

Mischlingshündin Franky trägt ein Halloweenkostüm und liegt auf der Couch.
Hunde sind keine Menschen - Kleidung ist nicht nötig. Bildrechte: dpa

Für Millionen von Familien ist ein Leben ohne Haustier undenkbar. Und wer verwöhnt Miezi nicht mal mit einem Extra-Leckerli? Forscher konnten die positive Wirkung von Haustieren nachweisen, zum Beispiel beim Streicheln eine Hundes oder eines Kaninchens. Der Blutdruck sinkt, Stress lässt nach.

Dabei kommen aber manchmal die natürlichen Bedürfnisse der tierischen Mitbewohner unter die Räder. Die Grenzen zwischen gesunder und vermeintlicher Tierliebe sind fließend.

Das Tier nicht vermenschlichen

Besonders für viele ältere oder allein lebende Menschen ist ein treues Haustier mitunter Kind-Ersatz oder es ersetzt den Lebensgefährten. Gegen eine tiefe emotionale Bindung zum Tier ist auch nichts einzuwenden, sagen Psychologen. Doch vermenschlichen sollte man Hund oder Katze auf keinen Fall. Das Tier sollte in seinem Körbchen schlafen - nicht mit im Bett!

Der Spaß hört dort auf, wo das Tier nicht mehr Tier sein darf, sondern zum Accessoire verkommt. Dann ist die Grenze zur Tierquälerei ganz schmal. Verhaltensstörungen beim Tier sind mitunter vorprogrammiert.

Eine mit Hut und Cape verkleidete Katze während einer Feier des Welttiertages. Am 4. Oktober wird der Welttiertag international gefeiert.
Auch Katzen kommen gut ohne Kleidung aus. Bildrechte: dpa

Artgerechtes Futter

Hunde und Katzen sind von Natur aus Fleischfresser. Bitte füttern Sie das Tier nicht ausschließlich mit vegetarischer oder veganer Kost, nur weil Sie selbst Veganer sind. Das führt bei Hund und Katze zu Mangelerscheinungen, Krankheiten und schlimmstenfalls zum Tod.

Den süßen Wuschelhund mit Pralinen vollzustopfen, ist ebenfalls ungesund. Nur weil Fiffi nach mehr bettelt, heißt nicht, dass es gut für ihn ist. Hunde fressen grundsätzlich gern - SIE müssen darauf achten, was.

Ein Haustier ist kein Kuscheltier

Wenn das Hundefell allein nicht mehr auszureichen scheint, um draußen Gassi zu gehen, sondern ein Jäckchen übergestülpt wird, "damit er es schön warm hat", läuft etwas schief. Das Tier darf nicht als Verwirklichungsobjekt für eigene Phantasien dienen. Es ist kein Ankleide-Püppchen!

Eine Frau und ihr als König Georg I. verkleideter Hund stehen bei einer Kostüm-Parade in New York.
Im Normalfall reicht das eigene Fell, um den Hund warm zu halten. Bildrechte: dpa

Waschen, legen, föhnen

Wer kennt nicht die teils fragwürdigen "Frisuren" auf Hundeschauen, mit denen gerade Königspudel zur Geltung kommen sollen? Teils kahl geschoren, teils mit Bommeln am Po, mit Glitzerspangen im Resthaar und mit reichlich Haarspray fixiert, müssen sie stundenlang ausharren, bis die Wertungsrichter sie in Augenschein nehmen.

Färben, toupieren, auf Lockenwickler drehen oder gar mit dem heißen Glätteisen plätten - weil Tiere sich nicht ausdrücken können, lassen sie solche "Überpflege" über sich ergehen. Sie leiden dann still vor sich hin, weil sie soziale Wesen sind und Herrchen oder Frauchen als ihren Rudelführer akzeptiert haben. Artgerecht ist eine solche Prozedur aber nicht.

Eine Frau frisiert ihren Hund im Rahmen der «Flanders Dog Show».
Glücklich sieht anders aus. Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. April 2021 | 17:15 Uhr

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