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Nach einer brutalen Messer-Attacke auf zwei Schülerinnen steht der Ort Illerkirchberg bei Ulm unter Schock. Bildrechte: dpa

Messer-AttackeNach Tod einer Schülerin in Illerkirchberg: Mitbewohner des mutmaßlichen Täters nimmt sich das Leben

Stand: 12. Dezember 2022, 19:33 Uhr

Ein ganzes Dorf steht unter Schock. Ein schweres Verbrechen erschüttert die kleine Gemeinde Illerkirchberg bei Ulm. Zwei 13- und 14-jährige Mädchen sind auf dem Weg zur Schule von einem Mann so heftig attackiert worden, dass die ältere der beiden Schülerinnen im Krankenhaus starb. Das Kind ist mittlerweile unter großer Anteilnahme beigesetzt worden. Ein zunächst festgenommener Mann hat sich nun das Leben genommen.

Auf ihrem Weg zum Schulbus sind in Illerkirchberg im Alb-Donau-Kreis, einer Gemeinde südlich von Ulm, zwei Mädchen in einem Wohngebiet von einem Mann angegriffen und schwer verletzt worden. So schwer, dass die ältere der beiden Schülerinnen im Krankenhaus starb.

Wurden die Schülerinnen mit einem Messer angegriffen?

Der mutmaßliche Täter soll die 13- und 14-jährigen Mädchen gegen 7:30 Uhr auf der Straße in einem Wohngebiet des Ortsteils Oberkirchberg angegriffen haben. Die Kinder waren auf dem Weg zum Schulbus, wollten eine weiterführende Schule in einem anderen Ort besuchen.

Medienberichten zufolge sind die Schülerinnen mit einem Messer angegriffen worden. Das hat die Polizei mittlerweile "nach ersten Erkenntnissen" bestätigt.

Die 14-Jährige musste nach dem Angriff noch am Tatort wiederbelebt werden, bevor sie in die Klinik gebracht werden konnte. Dort erlag sie trotz aller ärztlichen Bemühungen ihren schweren Verletzungen. Mittlerweile ist das Kind unter großer Anteilnahme in Illerkirchberg beigesetzt worden.

Der Tatort im Ortsteil Oberkirchberg. Bildrechte: dpa

Mutmaßlicher Täter ist 27-jähriger Mann aus Eritrea

Bei dem mutmaßlichen Angreifer handelt es sich um einen 27-jährigen Asylbewerber aus Eritrea. Nach der Tat war er in eine benachbarte Unterkunft für Geflüchtete geflohen, wo er von der Polizei festgenommen wurde. Die Beamten sollen ein Messer bei ihm gefunden haben, das als Tatwaffe in Betracht kommt.

Als die Polizei den mutmaßlichen Täter in der Unterkunft antraf, war auch er verletzt. Aktuell befindet er sich unter polizeilicher Bewachung in einer Klinik. Vor der Tat sei er nie durch Gewaltdelikte aufgefallen. Er sei lediglich einmal als Schwarzfahrer erwischt worden und sonst nicht polizeibekannt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm.

Was war das Motiv für den Angriff?

Die Beamten nahmen zwei weitere Menschen, die sie in der Asylbewerberunterkunft antrafen, mit zur Dienststelle. Beide sind bereits kurz danach wieder auf freie Fuß gekommen. Ob sie Auskunft zum Geschehen und den möglichen Motiven des 27-Jährigen machen konnten, ist nicht bekannt. Ebenso wenig weiß man, ob sich der mutmaßliche Täter und die beiden Mädchen bereits kannten oder ob es sich um eine Zufallstat handelt.

Auch der Tatverdächtige selbst ist mittlerweile vernommen worden, habe jedoch keine Angaben zur Sache gemacht. Er berufe sich auf sein Aussageverweigerungsrecht. Der Mann sei nach wie vor mit erheblichen Verletzungen unter polizeilicher Bewachung im Krankenhaus und stundenlang operiert worden.

Die Staatsanwaltschaft prüfe derzeit, ob sie Haftbefehl beantragt oder ob es Anhaltspunkte für verminderte oder ausgeschlossene Schuldfähigkeit gibt. Das würde gegebenenfalls eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik nach sich ziehen. Dafür brauche es aber zunächst ein Kurzgutachten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Im Gedenken an die getötete Schülerin haben Trauernde Blumen am Tatort niedergelegt und Kerzen entzündet. Bildrechte: dpa

Zeitweise Verdächtiger begeht Suizid

Einer der beiden Männer, die die Polizei neben dem mutmaßlichen Täter in der Unterkunft für Geflüchtete angetroffen und kurzzeitig festgenommen hatte, hat am Donnerstag (8. Dezember) Suizid begangen.

Gegen den 25-Jährigen habe allerdings zuletzt kein Tatverdacht mehr bestanden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm der Nachrichtenagentur AFP. Der Tatverdacht gegen ihn habe sich nicht erhärtet. Er sei daher wieder freigelassen worden. Weitere Angaben zum Tod des Mannes wurden nicht gemacht.

Appelle gegen Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit

Bereits am Montagabend hatten sich in Illerkirchberg Trauernde am Tatort versammelt. Dabei soll es auch vereinzelte Proteste gegeben haben. Gleichzeitig warnte die Staatsanwaltschaft davor, nach der Tat "den Generalverdacht gegen Fremde und Asylbewerber zu schüren". Mehrere AfD-Politiker hatten damit gleich am Montag begonnen.

Die Polizei bat in einer Mitteilung darum, "keinen Generalverdacht gegen Fremde, Schutzsuchende oder Asylbewerber allgemein zu hegen oder solchem Verdacht Vorschub oder Unterstützung zu leisten". Die Polizei sei sich bewusst, "dass Ereignisse dieser Art Ängste und Emotionen schüren".

Nicht der erste Vorfall in Illerkirchberg: Vergewaltigung einer 14-Jährigen im Jahr 2019

Es habe wohl öfter Probleme mit den Bewohnern in diesem Haus gegeben, zitiert die Deutsche Presseagentur Bewohner von Illerkirchberg. Das Gebäude, in dem die Geflüchteten untergebracht sind, ist heruntergekommen, Fenster sind eingeschlagen, der Putz bröckelt.

Belegt ist ein Vorfall aus der Halloween-Nacht 2019. Damals hatten vier aus dem Irak und Afghanistan stammende Männer zwischen 17 und 26 Jahren ein 14-jähriges Mädchen in einer Flüchtlingsunterkunft in einem anderen Ortsteil von Illerkirchberg mit Betäubungsmitteln wehrlos gemacht und mehrfach vergewaltigt.

Das Landgericht Ulm verurteilte die Täter im März 2021 zu Haftstrafen von zwei Jahren und drei Monaten und zwei Jahren und zwei Monaten.

Im Jahr 2019 kam es in Illerkirchberg schon einmal zu einem Verbrechen an einer Minderjährigen durch Menschen mit Migrationshintergrund. Bildrechte: dpa

Trauer in Illerkirchberg: Politik und Anwohner unter Schock

Nun steht Illerkirchberg erneut unter Schock. Die Kirchen des Ortes laden für Dienstagabend zum Trauern ein, der Tatort ist mit Blumen geschmückt. In der Kirche St. Sebastian in Oberkirchberg kann den ganzen Tag über in ein Trauerbuch geschrieben und Kerzen entzündet werden.

Auch das grün-schwarze Kabinett in Baden-Württemberg hat der Opfer der Gewalttat von Illerkichberg gedacht. Innenminister Thomas Strobl (CDU) habe seine Kabinettskollegen um einen Augenblick des Gedenkens gebeten. Er kündigte an, die Tat restlos aufzuklären. Die 14-Jährige sei "jäh aus dem Leben gerissen" worden. "In Gedanken sind wir in diesen schweren Stunden bei den Eltern, der Familie, den Hinterbliebenen der Getöteten", erklärte Strobl. Der verletzten 13-Jährigen wünschte Strobl "eine schnelle, vollständige körperliche und psychische Genesung".

Am Dienstagnachmittag will Strobl gemeinsam mit dem türkischen Botschafter Ahmet Basar Sen den Tatort in Illerkirchberg besuchen. Das getötete Mädchen habe die deutsche Staatsbürgerschaft besessen und einen türkischen Migrationshintergrund, hieß es aus dem Innenministerium. Der Botschafter reise extra aus Berlin mit dem Flugzeug an.

Auch Innenministerin Nancy Faeser (SPD) zeigte sich im Onlinedienst Twitter erschüttert. "Ich trauere um das getötete Mädchen und hoffe inständig, dass das verletzte Mädchen gesund wird", erklärte die SPD-Politikerin. Ihre Gedanken seien bei den Familien der Mädchen.

Einsatzkräfte bei der Spurensicherung am Tatort. Bildrechte: dpa


BRISANT/dpa/AFP/epd/swr.de/spiegel.de

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Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 05. Dezember 2022 | 17:15 Uhr