Zerbrochene Bierflaschen und Bierkästen liegen auf der Autobahn 9. Ein Lastwagen ist auf Höhe der Anschlussstelle Niemegk in mehrere Baustellenfahrzeuge gefahren.
Zerbrochene Bierflaschen und Bierkästen liegen auf der Autobahn 9. Ein Lastwagen ist auf Höhe der Anschlussstelle Niemegk in mehrere Baustellenfahrzeuge gefahren. Bildrechte: dpa

Heftige Entwicklung Immer mehr Lkw-Unfälle mit tödlichem Ausgang!

BRISANT | 23.10.2018 | 17:15 Uhr

Immer wieder kommt es auf deutschen Autobahnen zu tödlichen Lkw-Unfällen - Tendenz steigend. Aber warum rollen immer mehr Lkw auf den Straßen? Ist der Tranpsort auf der Schiene nicht schneller, effizienter und umweltfreundlicher?

Zerbrochene Bierflaschen und Bierkästen liegen auf der Autobahn 9. Ein Lastwagen ist auf Höhe der Anschlussstelle Niemegk in mehrere Baustellenfahrzeuge gefahren.
Zerbrochene Bierflaschen und Bierkästen liegen auf der Autobahn 9. Ein Lastwagen ist auf Höhe der Anschlussstelle Niemegk in mehrere Baustellenfahrzeuge gefahren. Bildrechte: dpa

Die A3 bei Bad Honnef: Gleich vier Lkw sind mit voller Wucht ineinandergekracht. Ein Fernfahrer war in letzter Minute von der Überholspur in eine Ausfahrt abgebogen und hatte dabei den Hintermann geschnitten. Der machte eine Notbremsung und löste damit eine Massenkarambolage aus. Ein 25-jähriger Lkw-Fahrer starb in seinem Fahrerhaus, zwei weitere wurden verletzt. Kurz zuvor kam es auf der A9 in Brandenburg zu einem folgenschweren Unfall. Ein Bierlaster rammte, vermutlich aus Unaufmerksamkeit, einen Schilderwagen auf der Standspur und krachte in sechs Baustellenfahrzeuge. Zwei Arbeiter wurden verletzt. Ihre Kollegen konnten sich in letzter Sekunde retten, als der Lkw mitten in die Baustelle fuhr.

Die Infrastruktur hinkt hinterher

Das sind nur zwei folgenschwere Unfälle auf deutschen Autobahnen innerhalb der vergangenen 24 Stunden! Die Zahl der bei Unfällen getöteten Lkw-Fahrer stieg alleine im Jahr 2017 um knapp ein Viertel. Es gibt immer mehr Lastwagen auf Deutschlands Straßen. Die Statistik zeigt, dass inzwischen fast drei Viertel aller Transporte auf der Straße abgewickelt werden - Tendenz steigend. Die Infrastruktur kann damit nicht mithalten: Es fehlen tausende Parkplätze für die Ruhepausen der Fahrer. Trucker stehen unter Stress und Termindruck, riskieren für ein paar Minuten Zeitgewinn Kopf und Kragen. Überholverbote werden ignoriert, Abstands- und Notbremsassistenten ausgeschaltet. Viele Autofahrer fühlen sich zunehmend unwohl angesichts der Lkw-Lawine.

In der zweiten Reihe stehend machen Lastwagenfahrer an einer Autobahnraststätte ihre Fahrpause.
Risiko Raststätte: In der zweiten Reihe stehend machen Lkw-Fahrer ihre Fahrpause. Aus Platzmangel nutzen sie manchmal sogar die gesamte Zufahrt zum Rastplatz als Parkfläche. Bildrechte: dpa

Schienengüterverkehr? Seit Jahren sinkende Zahlen!

Eine vielbeschworene Alternative zum Lkw ist die Bahn. Doch der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beobachtet seit Jahren sinkende Zahlen im Schienengüterverkehr. Dabei ist die Bahn im Vergleich zum Lastwagen nicht nur sicherer, sondern auch noch wesentlich ökologischer - allerdings aber auch teurer. "Das Verhältnis zwischen Schiene und Straße ist momentan relativ klar zugunsten der Straße verteilt. Das hat etwas mit Kosten zu tun, aber auch mit der Verfügbarkeit von Schienennetz", erklärt Lars Wagner vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). "Der Schienengüterverkehr war über viele Jahre - und ist es immer noch an vielen Stellen - im Wettbewerb benachteiligt." 

Info-Grafiken Lkw-Anteil am Güterverkehr und Entwicklung des Güterverkehrs

Infografik - LKW-Aneil des Güterverkehrs
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Infografik - LKW-Aneil des Güterverkehrs
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Infografik - Entwicklung des Güterverkehrs 2016
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Masterplan soll Abhilfe schaffen

Das soll sich mithilfe eines Masterplans, den der VDV zusammen mit dem Verkehrsministerium auf den Weg gebracht hat, ändern. Unter anderem werden Bahnstrecken ausgebaut. Die sogenannten Trassenpreise sind halbiert worden. Das soll mehr Verkehr auf die Schiene bringen und letztlich mehr Sicherheit auf den Straßen.

Wenn man sich die Unfallstatistiken anschaut, ist der Schienenverkehr 43 Mal sicherer als der Lkw-Verkehr. Schwere Unfälle mit Todesfolge passieren beim Schienen-Güterverkehr so gut wie gar nicht.

Lars Wagner | Verband deutscher Verkehrsunternehmen

Doch bis sich in Berlin etwas bewegt, werden Bilder wie die von der A3 wohl weiter zum Alltag gehören.

Hilfskräfte der Polizei und Feuerwehr stehen nach einem schwerer Verkehrsunfall auf der Autobahn 3 nahe Bad Honnef bei einem beschädigten Lastwagen.
Tragischer Unfall auf der A3 am Montagabend. Vier Laster krachten in Höhe Bad Honnef ineinander. Der Fahrer des letzten Lkw, ein 25 Jahre alter Mann aus Rumänien, starb noch vor Ort. Drei weitere Menschen, auch der Vater (48) des rumänischen Lkw-Fahrers, der auf dem Beifahrersitz saß, wurden verletzt. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Oktober 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2018, 09:03 Uhr

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