Studie zum Corona-Virus Warum einige die Impfung verweigern und wie sich das verhindern lässt

Ein beträchtlicher Teil der deutschen Bevölkerung ist bislang nicht geimpft. Eine groß angelegte Studie hat nun ergeben, dass sich ein Großteil davon prinzipiell impfen lassen würde oder einfach noch zögerlich ist. Wie man diese Menschen erreichen kann, haben die Experten ebenfalls dargelegt.

Ein Schild mit der Aufschrift "Ich will keine Impfung" steht am Rande einer Kundgebung von Anhängern von Verschwörungstheorien zur Corona-Krise im Groߟen Garten auf einer Wiese.
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Die Impfquote in Deutschland steigt nur noch langsam. Zwar sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mehr als 61 Prozent der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft, dennoch plädieren Experten für mehr Tempo bei den Impfungen. Im Juli hatte das RKI berechnet, dass sich eine vierte Welle womöglich verhindern lasse, wenn eine Impfquote bei den 18- bis 59-Jährigen von 85 Prozent erreicht werde. Dies sei nicht gelungen, sagte jüngst RKI-Chef Lothar Wieler. Ohne eine höhere Quote drohe die vierte Welle in den kommenden Monaten einen "fulminanten Verlauf" zu nehmen.

Aktionswoche mit einzelnen Erfolgen

Um dem entgegenzuwirken, haben Bund, Länder und Kommunen am Montag (13.09.) eine bundesweite Aktionswoche gestartet, die Bürgern einen möglichst einfachen Zugang zu Impfungen in ihrer Nähe ermöglicht. So gibt es beispielsweise Getränke und Gratis-Pizza in einer Hamburger Bar und dazu den Corona-Piks. Ganze 250 Menschen sind gekommen, was ein großer Erfolg der Aktion ist.

Experten fordern aktive Aufklärung

Fachleute haben darüber hinaus noch einmal die Notwendigkeit betont, die ungeimpften Personen mit möglichst niedrigschwelligen Informationsangeboten anzusprechen. Das Wie sei dabei entscheidend. "Wir wollen die Menschen aufsuchen. Das ist sicherlich eine gute Idee, aber sie muss kombiniert werden mit guter Aufklärung, mit aktiver Aufklärung", sagt Cornelia Betsch, Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt.

Prof. Dr. Cornelia Betsch
Prof. Dr. Cornelia Betsch fordert aktive Aufkläreung der Ungeimpften. (Archiv) Bildrechte: ARD.de

Wer sind "die Ungeimpften"?

Mit der Frage, wer zu den umgeimpften Personen zählt, beschäftigt sich eine großangelegte Studie. Demnach sind 20 Prozent der ungeimpften Menschen in Deutschland bereit dazu, sich noch impfen zu lassen, 24 Prozent sind noch unsicher bzw. zögerlich und 56 Prozent verweigern die Impfung komplett. Letztere Gruppe werde man auch durch aktive Ansprache nicht mehr erreichen, so Betsch, die die Studie leitet.

Vielfältige Gründe für die Nicht-Impfung

Die Gründe für das Nicht-Impfen sind vielfältig. Eine große Rolle spielen Sicherheitsbedenken, die Angst vor Impfschäden, aber auch die mangelnde Informiertheit oder schlicht Stress im Alltag. Aber, und das ist die gute Nachricht, fast die Hälfte der Ungeimpften ist nach den Ergebnissen der Umfrage noch erreichbar. Die Impfquote könnte also deutlich höher sein. Rechnet man die Zahlen zusammen, ergibt sich immerhin ein Wert von deutliche mehr als 80 Prozent.

Wege zur höheren Impfquote

Um das möglicherweise noch zu erreichen, sei es vor allem bei den Zögernden, die Impfdebatte "raus aus dieser politischen Arena wieder mehr zu einem Gesundheitskontext" zu bekommen, so die Expertin. Als Absender von Informationen müssten Ärzte und Wissenschaftler, nicht Politiker im Fokus stehen. "Impfen ist eine wichtige Gesundheitsentscheidung, keine politische Entscheidung oder politisches Statement", so Betsch. Zudem müssten Informationen, die bei Zögernden und Unentschlossenen Vertrauen für eine Impfung schaffen könnten, auch für Menschen, deren erste Sprache nicht deutsch sei, gut verständlich sein. Konkret: Menschen mit niedriger Bildung fallen noch zu oft durchs Raster, ebenso Menschen mit Migrationshintergrund.

Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand
Ärzte sollten beim Thema Impfen weiter in den Fokus rücken. (Archiv) Bildrechte: dpa

Eltern bei Kindern mit ins Boot holen

Mit Blick auf die Impfung Minderjähriger seien Informationsangebote entscheidend, die sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch ihre Eltern adressierten. Mit der Stiko-Impfempfehlung für Schwangere, Frauen mit Kinderwunsch und Stillende ergebe sich außerdem die Chance, diese wichtige Gruppe der noch ungeimpften Frauen verstärkt anzusprechen, so Betsch.

Arbeitgeber als Bausteine

Felix Rebitschek, wissenschaftlicher Leiter am Harding-Zentrum für Risikokompetenz sagte, den größten Erfolg verspreche es, etwa auch Arbeitgeberverbände einzubinden, "um diese Lücke zu überwinden zu den Leuten, für die es einfach nicht zum Alltag gehört".

(BRISANT/dpa/smc/mdr)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. September 2021 | 17:15 Uhr

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