Impfnachweis EU-Impfpass: Digitales Grünes Zertifikat soll freies Reisen und Urlaub retten

Die EU-Kommission hat einen sogenannten Grünen Pass vorgeschlagen, um in der Corona-Pandemie das Reisen innerhalb Europas zu erleichtern. Das Zertifikat soll Impfungen, negative Testergebnisse und überstandene Covid-Erkrankungen nachweisen - und bereits im Sommer zur Verfügung stehen. Was bringt das "Digitale Grüne Zertifikat" wirklich?

Mann hält ein Smartphone in der Hand, auf dem der sogenannte "Grüne Pass" abgebildet ist
In Israel gibt es ihn bereits. Bis zum Sommer soll auch in der EU ein einheitlicher "Grüner Pass" eingeführt werden, der Aufschluss über Impfung, Corona-Infektionen und -Tests gibt. Bildrechte: dpa

Bis zum Sommer soll ein einheitlicher Impfausweis das Reisen innerhalb der EU erleichtern. Ermöglichen soll das ein "grünes Zertifikat", das darüber Aufschluss gibt, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mensch das Coronavirus weiterverbreiten kann.

Die EU-Kommission hat dazu jetzt eine Verordnung vorgestellt, die nationale Behörden dazu verpflichten soll, ihren Bürgern das besagte Dokument (mindestens) auf Anfrage auszustellen. Nun ist es an den 27 Mitgliedsstaaten, diese anzunehmen und aktiv zu werden.

Digital oder Papierform - wie wird der EU-Impfpass aussehen?

Die Kommission nennt den geplanten Impfnachweis "Digitales Grünes Zertifikat". Es soll sowohl digital als auch (ausgedruckt) in Papierform gelten. Jeder Bürger eines EU-Mitgliedsstaates soll das Zertifikat kostenlos bekommen.

Zentraler Punkt ist ein QR-Code, der die Sicherheit und Echtheit des Dokuments garantiert. Die EU-Kommission will eine technische Plattform entwickeln, damit die Zertifikate in allen EU-Staaten überprüft und anerkannt werden können. Persönliche Daten sollen dabei nicht hinterlegt oder ausgetauscht werden.

Auf einem Stempel steht der Schriftzug EU Impfpass
Jeder Bürger eines EU-Mitgliedsstaates soll das "Digitale Grüne Zertifikat" kostenlos bekommen. Bildrechte: dpa

Welche Informationen enthält das "Grüne Zertifikat"?

Erfasst werden können Impfungen, aber auch die Ergebnisse von PCR- oder Antigen-Schnelltests sowie eine überstandene Covid-19-Erkankung.

Welche Impfstoffe sollen EU-weit akzeptiert werden?

Zunächst kommen für die EU-Kommission nur Impfungen mit den von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassenen Impfstoffen in Frage. Das sind derzeit die Mittel von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Ungarn zum Beispiel verimpft aber auch das russische Vakzin Sputnik V und das des chinesischen Herstellers Sinopharm. Laut EU-Kommission soll es den anderen Mitgliedstaaten freistehen, ob sie Bescheinigungen über Impfungen mit diesen Impfstoffen anerkennen oder nicht.

Welche Freiheiten ermöglicht der "Grüne Pass"?

Für Reisende könnten dadurch Test- oder Quarantänepflichten entfallen. Grundsätzlich soll es den EU-Staaten überlassen bleiben, welche Vorteile mit dem Zertifikat gewährt werden. Allerdings müssen Ausnahmen in gleicher Weise für alle Reisenden gelten, die im Besitz eines digitalen grünen Zertifikats sind.

Wann kommt das Zertifikat?

Das kann noch dauern. Die Kommission hat eine EU-Verordnung vorgeschlagen, also ein direkt anzuwendendes EU-Gesetz, das die nationalen Behörden verpflichten würde, ihren Bürgern das besagte Dokument auf Anfrage auszustellen.

Dafür müssen die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament noch jeweils ihre Position festlegen und dann untereinander den finalen Gesetzestext aushandeln. Selbst ein beschleunigtes Verfahren wird wohl Monate dauern. Die Kommission ist dennoch optimistisch, das Gesetz bis Juni zu verabschieden, um die Tourismus-Saison zu retten.

Wo könnten Schwierigkeiten auftreten?

Im Laufe des Gesetzgebungsprozesses könnten unterschiedliche Interessen der einzelnen Mitgliedstaaten oder Datenschutzbedenken des EU-Parlaments die Annahme verzögern.

Die technische Umsetzung, um die sich die Mitgliedstaaten einzeln kümmern, könnte ebenfalls Probleme bereiten. Ein Faktor ist hierbei, dass die notwendigen Daten in einigen Ländern, darunter Deutschland, bislang nicht zentral gespeichert werden.

Auch medizinische Fragen sind noch offen. Zum Beispiel ist nicht sicher, wie groß dass Risiko ist, dass selbst geimpfte oder genesene Menschen das Virus weiterverbreiten.

Klassischer Impfpass gilt weiterhin

Einen Zwang, sich ein "Digitales Grünes Zertifikat" zuzulegen soll es übrigens nicht geben. Die klassischen Impfpässe der einzelnen EU-Staaten werden auch weiterhin gelten.

Quellen: AFP/epd/Reuters

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. März 2021 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren