Thema Impfpflicht Corona-Schutzimpfung: Etwa doch Vorteile für Geimpfte?

Ein Vorstoß der Landesregierung von Sachsen-Anhalt sorgt für Aufregung. Dort sollen nämlich Reiserückkehrer aus ausländischen Risikogebieten nicht mehr in Quarantäne müssen, wenn sie die Corona-Schutzimpfung erhalten haben. Gleiches gilt für Menschen, die eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachweislich überstanden haben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder prüft unterdessen eine Impflicht für Pflegekräfte, um Risikogruppen zu schützen. Ist das eine Impfpflicht durch die Hintertür?

Eine Seniorin wird gegen Corona geimpft
Privilegien für Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft sind? Die sollte es laut Bund eigentlich nicht geben. Bildrechte: dpa

Coronaschutzimpfung befreit in Sachsen-Anhalt von Quarantäne-Pflicht

Hat man seinem Urlaub in einem Risikogebiet im Ausland verbracht, ist es normalerweise Pflicht, sich noch vor seiner Rückkehr auf das Coronavirus testen zu lassen. Selbst wenn dieser Test negativ ausfällt, muss man sich zu Hause für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben. Nach frühestens fünf Tagen kann man sich mit einem weiteren (negativen) PCR-Test freitesten lassen.

In Sachsen-Anhalt ist das nicht mehr der Fall - zumindest für Menschen, die sich gegen das Coronavirus haben impfen lassen. Sie müssen lediglich nachweisen, dass sie mindestens 14 Tage vor der Einreise eine Impfung gegen das Coronavirus vollständig abgeschlossen haben. Ebenfalls ausgenommen sind Menschen, die nachweislich vor mindestens drei Wochen und vor maximal sechs Monaten mit Corona infiziert waren.

Bund will (eigentlich) keine Ausnahmen für Geimpfte

Sachsen-Anhalt beruft sich mit dieser Ausnahmeregelung auf eine Quarantäne-Musterverordnung des Bundes. Doch diese ist laut Bundesgesundheitsministerium noch gar nicht beschlossen und wird es eventuell auch nie werden.

Seitens des Bundes ist bislang immer wieder betont worden, dass für Geimpfte keinerlei Ausnahmen gelten sollen. Auch die Einführung einer Impfpflicht ist - insbesondere von Gesundheitsminister Jens Spahn - immer wieder abgelehnt worden.

Ein Schild mit der Aufschrift Häusliche Quarantäne für Reise-Rückkehrer steht an einer Autobahn
Wer aus einem Corona-Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss sich für 14 Tage in Quarantäne begeben. Es sei denn, der Reisende kommt aus Sachsen-Anhalt und ist vollständig gegen das Coronavirus geimpft bzw. hat eine Infektion mit dem Coronavirus nacheislich überstanden. Bildrechte: dpa

Trotz Schutzimpfung ansteckend?

Was an dem Vorstoß aus Sachsen-Anhalt verwundert: Bislang wird von den Impfstoffen der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna lediglich erwartet, dass sie vor einem schweren Covid-19-Verlauf schützen. Die Möglichkeit, sich dennoch mit dem Coronavirus zu infizieren besteht vermutlich weiterhin.

Bleibt es bei diesem Wissensstand, könnten auch geimpfte Menschen das Coronavirus weitertragen - ebenso wie Menschen, bei denen die Virusinfektion symptomfrei verläuft.

Kommt die Impfpflicht für Pflegekräfte?

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will derweil eine Impfpflicht gegen das Coronavirus prüfen lassen. Nicht für jedermann, sondern für Menschen, die in einem Pflegeberuf tätig sind. Denn bei denen ist, so zeigen Umfragen, die Impfbereitschaft besonders niedrig. Söder hat dabei vor allem das Risiko für ältere Menschen in Pflegeheimen im Blick.

Aufklärung statt Impfpflicht!

Der Ethikrat, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Ständige Impfkommission (Stiko) haben zu einer Impflicht für bestimmte Berufsgruppen bereits im November eine Stellungnahme abgegeben.

Diese lässt sich aus Sicht der Experten nur "durch schwerwiegende Gründe" und für eine klar definierte Gruppe im ständigen Kontakt mit Hochrisikopersonen rechtfertigen. Und das nur dann, wenn sich nur durch eine Impfung schwere Schäden von den Betroffenen abwenden ließen. Davor müsse also eine ausreichende Beobachtung der Wirkweise des Impfstoffs stattgefunden haben.

Stattdessen raten die Experten, der Impfskepsis von Pflegekräften mit umfassender Aufklärungsarbeit zu begegnen.

Viele Impfskeptiker unter Pflegekräften

Dass Pflegekräfte sich nicht gerne impfen lassen, ist nicht neu. Einer Umfrage des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2017 zufolge lag bei der alljährlichen Influenza-Impfung die Quote unter Pflegekräften bei 32,5 Prozent. Bei Ärzten waren es rund 61 Prozent. Hauptgründe für die Impfskepsis waren ein schlechtes Risiko-Nutzen-Verhältnis sowie die Angst vor Nebenwirkungen. Rund ein Viertel der Befragten hatte die Sorge, dass eine Influenza-Impfung die Grippe auslösen könnte.

Masern-Impfpflicht für Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen

Abgesehen von der nach langer Debatte im vergangenen Jahr eingeführten Masern-Impfpflicht gibt es in Deutschland keine Impfpflicht. Die Masern-Impfpflicht gilt für Kinder sowie Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen leben oder arbeiten, etwa Erzieher, Lehrer, Tagespflegekräfte, medizinisches Personal und Asylbewerber.

Quellen: Mit Material von dpa, KNA

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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