Intensivstationen am Limit Ethikrat-Vorsitzende: Politik sollte Impfpflicht gegen Corona prüfen

Vielerorts sind die Intensivbetten ausgelastet, Infektionszahlen explodieren förmlich. Die Vorsitzende des Bayerischen Ethikrats fordert nun die Politik auf, eine generelle Impfpflicht gegen Corona prüfen zu lassen. Was wiegt schwerer: die Freiheit des Einzelnen oder die Freiheit der Gesamtheit?

Impfstoff von Biontech/Pfizer
Impfen ist das Mittel der Wahl gegen das Coronavirus. Bildrechte: dpa

Wie kann man die Menschen dazu bewegen, sich möglichst schnell gegen das Coronavirus impfen zu lassen? Noch mehr niederschwellige Angebote? Sollten die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter noch besser aufklären und auch darauf hinwirken, dass sie sich impfen lassen?

Bislang wurde die Idee einer generellen Impfpflicht verworfen. Doch nun hat die Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates, Susanne Breit-Keßler, die Politik aufgefordert, genau das zu prüfen.

Freiheit des Einzelnen gegen Freiheit der Gesamtheit

Die Situation sei "verflucht ernst", sagte die frühere evangelische Münchner Regionalbischöfin am Samstag in einem Interview mit Bayern 2. In München sind derzeit beispielsweise nur noch 17 der insgesamt 452 Intensivbetten frei. Dabei wird die große Zahl an Corona-Patienten erst noch erwartet.

Die Regierung sollte daher nicht nur eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen wie Pflegeberufe, Polizei, Handel oder Gastronomie zumindest prüfen, sagte Breit-Keßler, sondern eine Impfpflicht für alle. "Natürlich ist es ein Eingriff in die körperliche Integrität eines Menschen, wenn der sich nicht impfen lassen will." Unter Umständen verletze aber auch ein Impfverweigerer die Integrität anderer, gab sie zu bedenken.

Susanne Breit-Keߟler mit FFP2 Maske Gedenkakt im Bayerischen Landtag für die Corona-Verstorbenen am 23.03.2021
Susanne Breit-Keßler denkt über eine Impfpflicht nach. Bildrechte: imago images/Rolf Poss

Deshalb könne die Freiheit des Einzelnen auch beschränkt werden, wenn es um die Freiheit der Gesamtheit gehe. Zuvor hatte der Ethikrat die Bundesregierung aufgefordert, eine Impfpflicht zumindest für bestimmte Gruppen zu prüfen. Das gleiche fordert die Nationale Akademie der Wissenschaften "Leopoldina".

Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen

Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte hält eine bundesweite Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen für denkbar. "Wir werden angesichts der Zuspitzung der Lage in Teilen Deutschlands über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen nachdenken müssen", sagte der SPD-Politiker dem Nachrichtenportal "watson". Er nannte das Personal von Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen und Kitas. Eine entsprechende Impfpflicht könne allerdings nur bundesweit eingeführt werden, sagte Bovenschulte.

In der kommenden Woche treffen sich die Ministerpräsidenten zur Absprache weiterer Maßnahmen, um die Corona-Pandemie einzudämmen.

Quelle: dpa/BR24

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. November 2021 | 17:10 Uhr

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