Nach der Spritze Impfschäden nach Corona-Impfung - So häufig sind sie

Immer wieder schüren Impfgegner die Angst vor einer Corona-Impfung. Mittlerweile liegen erste Daten zur Häufigkeit von Impfschäden vor. Die Zahl der anerkannten Fälle ist allerdings verschwindend gering.

Symbolbild - Impfung
Corona-Impfstoffe führen in extrem seltenen Fällen zu Schäden. Das belegen Zahlen. Bildrechte: imago images/Bihlmayerfotografie

162 Millionen Corona-Impfungen gab es bereits in Deutschland. Und seitdem wurden mehr als 1.200 Anträge auf staatliche Entschädigung wegen vermeintlicher Impfschäden gestellt. Bis Mitte Januar 2022 waren 18 bestätigt und bewilligt, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Die Zahl der bisher bestätigten Fälle entspricht damit 0,00001 Prozent aller Impfungen. 

Bayern hat als erstes Bundesland eigene Zahlen veröffentlicht. Vier Fälle von Impfschäden durch eine Corona-Impfung wurden anerkannt, 263 Anträge müssen noch bearbeitet werden. Das teilte das zuständige Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) in Bayreuth mit. Dagegen wurden 25 Millionen Dosen verimpft. Um welche Impfschäden es sich handelt, ist nicht bekannt, das unterliegt dem Datenschutz.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) und das Robert Koch-Institut unterscheiden zwischen Impfreaktionen, Impfkomplikationen und sehr seltenen Impfschäden.

Was ist eine Impfreaktion?

Eine Impfreaktion kann sich äußern in: Kopfschmerzen, Schüttelfrost, leichtem Fieber oder Muskelschmerzen und hält wenige Stunden bis wenige Tage an. So als mache der Körper gerade eine "Mini-Grippe" durch. Eine solche Reaktion ist erwartbar, da dem Körper Viruspartikel injiziert wurden und er nun eine Immunabwehr aufbaut. Genau das ist Sinn und Zweck der Corona-Schutzimpfung.

Was ist eine Impfkomplikation oder Impfnebenwirkung?

Impfkomplikationen/Impfnebenwirkungen sind sehr seltene "über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Schädigungen" und der Verdacht meldepflichtig. Sie werden auch als "unerwünschte Arzneimittelwirkungen" bezeichnet.

Zu ihnen zählen Herzmuskelentzündungen und Sinusvenen- oder Hirnthrombosen. Sie waren mit den Vakzinen von Moderna sowie von Astrazeneca und Johnson & Johnson in Verbindung gebracht worden. Die beobachteten Herzmuskelentzündungen hatten einen milden Verlauf und verheilten komplett. Allerdings sind 42 Menschen deutschlandweit an einer Hinrvenenthrombose gestorben.

Nebenwirkungen bei Impfstoffen sind extrem selten, aber nie ganz auszuschließen. In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut die Sicherheit von Corona-Impfstoffen und sammelt Daten.

Auߟenansicht des Eingangsbereichs des Paul-Ehrlich-Instituts
Das Paul Ehrlich-Institut überwacht die Corona-Impfstoffe und deren Wirksamkeit. Bildrechte: dpa

Was sind Impfschäden?

Ein Impfschaden ist laut Infektionsschutzgesetz "die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung". Ob ein tatsächlicher Schaden entstanden ist, kann frühestens sechs Monate nach der Impfung festgestellt werden.

Verfahren zur Anerkennung von Impfschäden laufen ausschließlich bei den Versorgungsämtern der Bundesländer, dort muss auch der Antrag auf Versorgungsleistungen nach dem Bundesversorgungsgesetz gestellt werden.

Laut Paul Ehrlich-Institut ist jede körperliche Reaktion, die von einem Versorgungsamt und einem Gutachter anerkannt wird, ein Impfschaden. Dabei muss es sich nicht um eine bekannte Nebenwirkung handeln. Jede Reaktion oder Krankheit kann als möglicher Impfschaden gemeldet werden. Daher wird der Begriff "Impfschaden" inflationär gebraucht und zumeist falsch verstanden.

Beispiel: Narkolepsie bei Schweinegrippe

Ein extrem selten aufgetretener Fall war die Narkolepsie bei Kindern und Jugendlichen nach der Impfung gegen die Schweinegrippe 2009/2010. Diese Form der Schlafkrankheit fiel allerdings schon wenige Wochen nach der Impfung auf, nicht erst nach Jahren. "Wir kennen solche sehr spät einsetzenden Nebenwirkungen von Impfstoffen nicht", heißt es vom Paul Ehrlich-Institut.

Bestätigt ist allerdings, dass Covid-19 Langzeitschäden verursachen kann, Patienten also noch Wochen oder Monate nach der Infektion mit den Folgen der Erkrankung kämpfen. Sie leiden und dem "Long Covid"-Syndrom.

Wie beantragt man Entschädigung bei Impfschäden?

"Wer durch eine öffentlich empfohlene Schutzimpfung einen Impfschaden erlitten hat, erhält auf Antrag Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz", so das Robert Koch-Institut. Geregelt ist das im Infektionsschutzgesetz. Die Beweislast liegt allerdings bei den Betroffenen. 

Wie wahrscheinlich es ist, dass die Impfung im jeweiligen konkreten Fall tatsächlich zu unerwünschte Nebenwirkungen geführt hat, muss immer ein medizinisches Gutachten klären. Ein zufälliger zeitlicher Zusammenhang reicht nicht aus. Je nach Schweregrad steht Impfgeschädigten eine Schadensersatz-Rente von bis zu 811 Euro monatlich zu. Maßgeblich ist das Bundesversorgungsgesetz.

Betroffene haben auch Anspruch auf Heilbehandlungen und einen Ausgleich für berufliche Einkommenseinbußen. In Extremfällen kann die monatliche Gesamtsumme bis zu 15.000 Euro betragen.

Quelle: PEI/RKI/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. März 2022 | 17:15 Uhr

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