Covid-19 Coronavirus - Das Warten auf den Impfstoff

Das Warten auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus wird offenbar noch mindestens bis zum Ende des Jahres andauern. Mit dieser Zeitspanne rechnet zumindest Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Doch warum dauert das so lange?

Eine Frau in Schutzkleidung hält ein kleines Flächschen.
Bis es einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt, wird es wohl noch mindestens bis zum Jahresende dauern Bildrechte: MDR/MCS Grafik

Wann kommt der Impfstoff gegen Corona?

"Wir müssen davon ausgehen, dass ein Impfstoff, mit dem breitere Teile der Bevölkerung geschützt werden können, erst gegen Ende des Jahres oder Anfang des nächsten Jahres zur Verfügung steht", sagte Karliczek. "Wir wollen so schnell wie möglich laufen - aber wir dürfen dabei nicht hinfallen", warnte sie vor einem vorschnellen Handeln.

Es müsse sichergestellt sein, "dass die Impfung wirkt und dem Patienten nicht schadet". Gleichwohl werde alles getan, "um die Prozesse zu beschleunigen". So könnten Informationen aus Studien bereits vor deren Abschluss an Zulassungsstellen weitergegeben werden. Im Laufe des Jahres könne "aller Wahrscheinlichkeit nach" mit klinischen Tests begonnen werden.

Der lange Weg zum Impfstoff

Warum dauert die Entwicklung so lang? Der Weg von einem Erreger zu einem zugelassenen Impfstoff umfasse mehrere Schritte, sagt Rolf Hömke vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) dazu bei MDR Wissen. Die Gründe seien Erstens: Der Erreger müsse genau analysiert und es müsse geklärt werden, was genau eine Abwehrreaktion beim Menschen auslöst. In Phase zwei müsse geklärt werden, was alles in den Impfstoff kommt.

Anschließend würden in der sogenannten Prä-Klinik-Phase Tiere damit geimpft. So sollen Wirksamkeit und Verträglichkeit ein erstes Mal getestet werden. Erst dann könne mit der Erprobung an Menschen begonnen werden, so Hömke weiter. Insgesamt gibt es sechs Stufen bei der Entwicklung. Von bislang 59 Projekten weltweit, die an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten, seien nach Angaben des vfa bereits einige in Stufe vier, also bei der Erprobung mit Freiwilligen.

Ärztin, der einen Impfstoff für einen Patienten vorbereitet
Bildrechte: imago images / Westend61

Einsatz bereits vorhandener Medikamente

Hoffnung setzt Bundesforschungsministerin Karliczek indes auch auf bereits vorhandene Medikamente, die derzeit auf ihre Wirksamkeit gegen das Coronavirus getestet werden. Auch hierfür müsse es aber "erst einmal Studien geben". Allerdings seien Ausnahmen für den Einsatz noch nicht für diesen Zweck zugelassener Medikamente möglich, "wenn keine andere Hilfe in Sicht ist und der schwerstkranke Patient es möchte". Dies werde auch schon praktiziert.

Zudem setze Deutschland auf internationale Zusammenarbeit. Diese sei in der Coronavirus-Pandemie "wichtiger denn je". So werde sich die Bundesrepublik an einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierten länderübergreifenden klinischen Studie beteiligen, bei der die Wirkung vorhandener Medikamente gegen das Coronavirus erforscht werden solle. "Am Geld wird die Corona-Forschung nicht scheitern", hob Karliczek weiter hervor. "Wir reizen die Forschungsmöglichkeiten bis aufs Letzte aus."

(ten/afp/mdr wissen)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. März 2020 | 17:15 Uhr

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