Impfverordnung Wer wird wann geimpft? Das ist die Reihenfolge bei der Corona-Impfung

Ende März wurde die Impfverordnung in Deutschland aktualisiert und angepasst. Sie regelt die Impf-Reihenfolge, gestaffelt nach Prioritäten. Für Astrazeneca und jetzt auch Johnson & Johnson entfällt sie. BRISANT erklärt, wer wann geimpft wird.

Impfung in einem Impfzentrum
Wer wird wann geimpft? Bildrechte: IMAGO / Patrick Scheiber

Die geltende Impfverordnung regelt die Reihenfolge bei den Corona-Impfungen. Sie unterteilt die Menschen, die zuerst geimpft werden können, in drei Gruppen: höchste, hohe und erhöhte Priorität.

Astrazeneca und Johnson & Johnson für alle frei

Bund und Länder haben am 6. Mai die Priorisierung bei der Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca aufgehoben. Das bedeutet: Jeder, der möchte, kann sich in seiner Arztpraxis mit Astrazeneca immunisieren lassen. Dasselbe gilt für das Vakzin von Johnson & Johnson. Hier wurde die Priorisierung am 10. Mai aufgehoben.

Was ist neu in der aktuellen Verordnung?

  • Um möglichst viele Erstimpfungen zu ermöglichen, soll bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna die Zweitimpfung erst nach sechs Wochen erfolgen - bei Astrazeneca nach zwölf Wochen.

  • Abweichungen von der Impf-Priorisierung sind zudem in Corona-Hotspots möglich sein. Damit könnten etwa Sachsen, Bayern, das Saarland oder weitere Länder die ganze Bevölkerung - unabhängig von einer priorisierten Reihenfolge - impfen.

Wer hat bei den Impfungen höchste Priorität?

Dazu gehören alle Menschen über 80 Jahre, Pfleger in stationären Einrichtungen und ambulanten Pflegediensten sowie Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen, in denen ein sehr hohes Ansteckungsrisiko besteht.

Wer hier arbeitet: Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste und Impfzentren darf ebenfalls bevorzugt immunisiert werden. Auch wer Menschen behandelt oder pflegt, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion besteht, gehört in diese Gruppe. Dies gilt insbesondere für die Onkologie oder Transplantationsmedizin.

Zwei Altenpflegerinnen in einem Seniorenheim.
Pflegebedürftige Personen sowie Menschen, die im pflegerischen und medizinischen Dienst arbeiten, bekommen die Impfungen zuerst. (Archiv) Bildrechte: dpa

Wer gehört zur zweiten Gruppe mit hoher Priorität?

Nach dem Alter gestaffelt werden an zweiter Stelle Menschen über 70 geimpft. Auch Menschen mit Trisomie 21 oder einer Conterganschädigung und Patienten nach einer Organtransplantation gehören in diese Gruppe.

Auch Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung, mit einer psychiatrischen Erkrankung wie bipolare Störung, Schizophrenie und schwere Depression gehören dazu sowie Menschen mit bestimmten Blutkrankheiten.

Schließlich zählen zur zweiten Gruppe solide Tumorerkrankungen, schwere chronische Lungenerkrankungen, bestimmte Fälle von Diabetes, chronische Leber- und Nierenerkrankungen und schweres Übergewicht (Body-Mass-Index über 40).

Außerdem können pflegebedürftige Menschen ab 70 Jahren und Schwangere jetzt zwei enge Kontaktpersonen benennen, die mit hoher Priorität geimpft werden.

Zudem gehören Betreuer geistig oder psychisch behinderter Menschen sowie Ärzte und Personal mit regelmäßigem unmittelbaren Patientenkontakt in diese Gruppe. Auch bei Polizei- und Ordnungskräften, die etwa wegen des Einsatzes bei Demonstrationen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, besteht ein Impf-Anspruch mit hoher Priorität - sowie für Soldaten, die bei einem Auslandseinsatz einem hohen Infektionsrisiko eingesetzt sind.

Neu hinzu kommen Lehrer an Grund- und Förderschulen sowie Erzieher. Die beiden Berufsgruppen waren zuvor in Prioritätsgruppe drei. Des Weiteren zählen Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig sind sowie in Obdachlosen- oder Flüchtlingsunterkünften oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen Tätige oder Untergebrachte zur zweiten Priorisierungsgruppe.

Impfstoff des Herstellers Pfizer-BioNTech ist in einem Kühlschrank vom Impfzentrum der Stadt zu sehen.
Über-65-Jährige werden mit den mRNA-Impfstoffen, Jüngere mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpft. Bildrechte: dpa

Wer gehört in die dritte Gruppe mit erhöhter Priorität?

In diese Gruppe gehören alle ab 60, es wird ansonsten nicht mehr zwischen Präparaten und Altersgruppen unterschieden. Außerdem sind hier Menschen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder Rheuma, Patienten mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, Vorhofflimmern, koronaren Herzkrankheiten oder Bluthochdruck erfasst.

Auch wer an einer chronischen neurologischen Erkrankung oder Asthma leidet, gehört dazu. Schließlich sind entzündliche Darmerkrankung und andere Fälle von Diabetes mellitus erfasst - sowie Übergewichtige mit einem Body-Mass-Index über 30.

Schließlich gehören in die dritte Gruppe auch Mitarbeiter staatlicher Einrichtungen wie Bundestag, Regierungen und Verwaltungen, Beschäftigte bei der Bundeswehr, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich Technisches Hilfswerk und in der Justiz sowie Wahlhelferinnen und Wahlhelfer.

Auch wer in einer Apotheke, in der Pharma- oder Ernährungswirtschaft, der Wasser- und Energieversorgung, der Abfallwirtschaft oder im Transport- und Verkehrswesen tätig ist, gehört in diese Gruppe. Schließlich sind Mitarbeiter des Lebensmittel-Einzelhandels, sowie Menschen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen. Auch bis zu zwei enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Personen, die nicht einer Einrichtung leben und zudem über 60 Jahre alt sind, haben eine erhöhte Priorität.

Neu dazu gekommen sind Personen, die in Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe und in Schulen, die nicht Grund-, Sonder- oder Förderschulen sind, arbeiten.

Spahn rechnet mit mehr Impfstoffen

Spahn kündigte bereits im Dezember "fließende Übergange" zwischen den Stufen an. Mittlerweile sind in Deutschland mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson&Johnson vier verschiedene Vakzine zugelassen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit Maske
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (Archiv) Bildrechte: imago images/photothek

Keine Impfpflicht gegen Coronavirus

Um die Dynamik der Ausbreitung des Coronavirus zu brechen, ist laut Spahn eine Durchimpfungsrate von 55 bis 65 Prozent der Bevölkerung notwendig. Bei Windpocken oder Masern liegt diese Zahl sogar bei mehr als 90 Prozent. Dennoch wird es zur Bekämpfung des Coronavirus keine Impfpflicht in Deutschland geben. Sogenannte Corona-Skeptiker behaupten fälschlicherweise immer wieder das Gegenteil.

dpa/afp

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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