Impfplan vorgestellt Corona-Impfung: Wer wird zuerst geimpft - und wer zählt zu den Risikogruppen?

Direkt nach Weihnachten soll es mit den Corona-Impfungen losgehen. Dafür gibt es jetzt eine Verordnung, die die Reihenfolge festlegt: Zuerst sind drei Personengruppen dran, die dann per mobilem Impftrupp oder in einem Impfzentrum geimpft werden.

Symbolbild Corona-Impfstoff, Ąrztin mit Spritze
Wer soll zuerst gegen das neuartige Coronavirus geimpft werden? Bildrechte: imago images/Michael Weber

Gleich nach Weihnachten soll es losgehen mit den Impfungen gegen das Coronavirus. Doch bis jeder, der die Spritze haben will, sie tatsächlich auch bekommt, wird es weit ins nächste Jahr dauern. Am Freitag (18.12.) stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Impfverordnung vor. Sie regelt die Reihenfolge bei den Impfungen - und unterteilt die Menschen, die zuerst geimpft werden können, in drei Gruppen mit abgestufter Priorität.

Höchste Priorität: Wer wird zuerst geimpft?

Höchste Priorität haben Menschen ab 80, sowie all jene, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen betreut werden oder tätig sind. Zur ersten Gruppe gehört zudem, wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet.

Hohe Priorität: Welche Gruppe ist als zweite an der Reihe?

Zur zweiten Kategorie mit hoher Priorität zählen alle ab 70 Jahren sowie Menschen mit einem sehr hohen oder hohem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu gehören Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen dürfen sich dann impfen lassen, dasselbe gilt für Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften.

Zwei Altenpflegerinnen in einem Seniorenheim.
Pflegebedürftige Personen sowohl Menschen, die dort arbeiten, bekommen die Impfungen zuerst. (Archiv) Bildrechte: dpa

Erhöhte Priorität: Wer gehört zur Gruppe drei?

Zur dritten Gruppe gehören alle Menschen ab 60, stark Übergewichtige mit einem Body-Mass-Index über 30, Menschen mit chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, Patienten mit Immundefizienz und HIV-Infizierte, sowie Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Erfasst sind außerdem Krebs- und Asthmakranke sowie Menschen mit Autoimmun- oder rheumatischen Erkrankungen.

Zur dritten Priorität gehören außerdem Mitarbeiter von Verfassungsorganen, Regierungen und Verwaltungen, Streitkräften, Polizei, Zoll, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Justiz sowie dem Lebensmitteleinzelhandel. Hinzu kommen Menschen in prekären Arbeitsbedingungen wie etwa Saisonarbeiter.

Spahn rechnet mit mehr Impfstoffen

Spahn kündigte "fließende Übergange" zwischen den Stufen an. Nach sehr starker Priorisierung zu Beginn erwartet er immer zahlreicheren Impfstoff und neue Zulassungen - etwa des Serums der Firma Moderna. Spahn warb um Verständnis für die Prioritätensetzung: "Beim Impfen geht's nicht um Wertschätzung, sondern zuerst einmal um Schutz." So könne ein Bereitschaftspolizist, der sogenannten Querdenkern gegenübertreten müsse, sich nicht wie er als Minister aussuchen, wem er nahe komme.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit Maske
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stellte am Freitag (18.12.) die Impfverordnung vor. (Archiv) Bildrechte: imago images/photothek

Restliche Bevölkerung braucht Geduld

Alle anderen Menschen bat der Minister um Geduld. "Ich bitte Sie darum abzuwarten, bis auch Sie an der Reihe sind." Spahn: "Der Winter wird noch lang, wir werden noch längere Zeit mit diesem Virus leben müssen." Aber: "Es gibt Hoffnung." Anspruch auf die Impfung hätten dann alle Menschen mit Wohnsitz oder längerfristigem oder regelmäßigem Aufenthalt in Deutschland.

Impfung in staatlichen Impfzentren anstatt beim Hausarzt

Damit möglichst viele Menschen möglichst effektiv das Mittel bekommen können, sind in ganz Deutschland bereits Impfzentren eingerichtet worden. Der Transport des Impfstoffes dürfte aufwendig werden, weil etwa das Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech bei Temperaturen von minus 70 Grad gelagert werden muss - entsprechend groß sind die Herausforderungen in Sachen Infrastruktur und Logistik. Kleine Hausarztpraxen wären damit überfordert. Beim Transport und der Lagerung des Impfstoffs soll offenbar auch die Bundeswehr helfen. Dabei sollen alle Impfungen in einer zentralen Datenbank erfasst werden, um mögliche Impfrisiken schnell zu erkennen.

Ein Wegweiser zum künftigen Impfzentrum Leipzig auf der Leipziger Messe
Die Impfungen werden in staatlichen Impfzentren verabreicht und nicht beim Hausarzt. (Archiv) Bildrechte: imago images / Peter Endig

Keine Impfpflicht gegen Coronavirus

Um die Dynamik der Ausbreitung des Coronavirus zu brechen, ist laut Spahn eine Durchimpfungsrate von 55 bis 65 Prozent der Bevölkerung notwendig. Bei Windpocken oder Masern liegt diese Zahl sogar bei mehr als 90 Prozent. Dennoch wird es zur Bekämpfung des Coronavirus keine Impfpflicht in Deutschland geben. Sogenannte Corona-Skeptiker behaupten fälschlicherweise immer wieder das Gegenteil.

ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Dezember 2020 | 17:15 Uhr

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