Zulassung in USA und Kanada Corona-Impfung: Wann sind Kinder und Jugendliche in Deutschland dran?

Für Kinder und Jugendliche gibt es bislang keinen zugelassenen Corona-Impfstoff. Doch es gibt Hoffnung: Das Vakzin von Biontech/Pfizer wird in Kanada und den USA nun auch an Kinder und Jugendliche ab 12 Jahre verimpft. Auch die EU-Arzneimittelbehörde prüft derzeit die Zulassung des Corona-Impfstoffs für diese Altersgruppe.

Ein Junge bekommt eine Spritze in den Arm
Für Kinder und Jugendliche gibt es bislang keinen zugelassenen Corona-Impfstoff. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Westend61

Notfallzulassung in USA beantragt

Nach Kanada haben jetzt auch die USA den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab einem Alter von zwölf Jahren zugelassen. Die Impfungen in dieser Altersgruppe haben begonnen, nachdem ein Beratungsausschuss, vergleichbar mit der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Deutschland, seine Empfehlung ausgesprochen hat. Bei Kindern und Jugendlichen ab 16 Jahren wurde der Impfstoff in beiden Ländern bereits eingesetzt.

100 Prozent Wirksamkeit bei Zwölf- bis Sechzehnjährigen

Eine klinische Studie in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren habe eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt, heißt es unter Berufung auf Ende März veröffentlichte Ergebnisse. Die Impfung sei gut vertragen worden. Die Nebenwirkungen hätten jenen in der Altersgruppe von 16 bis 25 Jahren entsprochen, erklärten die Unternehmen.

Die Gesundheit der knapp 2.300 Teilnehmer der Studie in den USA würde aus Sicherheitsgründen noch bis zu zwei Jahre nach dem Erhalt der ersten Impfdosis beobachtet, heißt es weiter. Bei den Jugendlichen, die im Rahmen der Studie eine Placebo-Impfung erhielten, wurden demnach 18 Corona-Erkrankungen festgestellt, aber keine einzige bei den 1.131 mit dem Biontech/Pfizer-Präparat geimpften Personen.

Impfstoff des Herstellers Pfizer-BioNTech ist in einem Kühlschrank vom Impfzentrum der Stadt zu sehen.
Biontech/Pfizer hat in den USA die Notfallzulassung für Kinder ab 12 Jahren beantragt. (Archiv) Bildrechte: dpa

Auch die EMA prüft eine Zulassung

Auch in der Europäischen Union hat Biontech/Pfizer bereits die Zulassung ihres Impfstoffs für Jugendliche ab zwölf Jahren beantragt. Dieser Antrag wird von der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft. Ziel ist eine Entscheidung spätestens im Juni. EMA-Chefin Emer Cooke sagte einer Reihe europäischer Zeitungen, darunter dem "Handelsblatt", dass aber versucht werde, die Zulassung zu beschleunigen und auf Mai vorzuziehen.

Jens Spahn stellt Impfangebot bis Spätsommer in Aussicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Dienstag (11.05.) bekräftigt, dass bis zum Ende der Sommerferien den 12- bis 18-Jährigen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden soll. Am straffen Zeitplan des Gesundheitsministers gibt es Zweifel. Hauptgrund ist die dann ausstehende Zustimmung der Stiko, die nach einer EMA-Zulassung noch einige Zeit in Anspruch nehmen würde. "Deswegen halte ich die derzeit verkündeten Zeitpläne mit Terminen im Spätsommer für überambitioniert", sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach.

Stiko mahnt zu Geduld

Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission mahnte am Mittwoch (12.05.) zu Geduld. "Wir wollen in jedem Fall die Daten zur Impfung von Kindern genau prüfen, bevor eine generelle Impfempfehlung für Kinder gegeben werden kann", sagte Thomas Mertens der Zeitung "Die Welt". Auch eine Impfreihenfolge, beginnend mit Kindern, die schwere Vorerkrankungen haben, müsse bedacht werden. "Diskutierte Argumente wie Urlaub können nicht die primären entscheidungsrelevanten Argumente der Stiko sein", so Mertens weiter.

Dominante Virusvariante bevorzugt unter Kindern verbreitet

Derweil haben Biontech/Pfizer bereits eine klinische Studie für Babys ab sechs Monaten und jüngere Kinder begonnen. US-Experten rechnen jedoch nicht vor Anfang nächsten Jahres mit der Zulassung eines Impfstoffs für diese Altersgruppe. Die in den USA ebenfalls eingesetzten Impfstoffe von Moderna und Johnson & Johnson sind bislang nur für Erwachsene zugelassen.

Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass die zuerst in Großbritannien aufgetretene Corona-Mutante B.1.1.7 ansteckender und gefährlicher ist als das ursprüngliche Sars-Cov-2-Virus. Zugleich verdichten sich die Hinweise, dass die mittlerweile dominante Virusvariante vor allem Kinder und Jugendliche befällt. "Der Spiegel" berichtet von einer Analyse aus Großbritannien, die zeigt, dass die Mutante sich wohl tatsächlich bevorzugt unter Kindern verbreitet. Ähnliche Ergebnisse habe es auch in Belgien gegeben.

Mögliche Corona-Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen

Auch in Deutschland werden seit Februar zunehmend Kinder bis zum einem Alter von 14 Jahren positiv auf das Coronavirus getestet. Nicht aber, weil sie anfälliger für das Virus sind, sondern weil in der Altersgruppe inzwischen häufiger getestet wird. Während Corona-Infektionen bei Kindern oft symptomlos ablaufen, wird von möglichen Spätfolgen bei Minderjährigen berichtet. In der Fachsprache ist dann von "Long Covid" oder "Post Covid" die Rede. In dem Zusammenhang rückte zuletzt das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) in den Fokus.

Eines von 1.000 Kindern wird dabei Wochen nach einer Corona-Infektion plötzlich krank und entwickelt Symptome wie hohes Fieber oder Probleme an Herz und Darm, die dann zum Teil lange andauern. Bislang wurden nach Angaben des Deutschlandfunks 245 Kinder mit PIMS bei der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie registriert.

Ein Kinderarzt impft in seiner Praxis in Kaufbeuren einen Jungen zum Schutz gegen Masern.
Auch Kinder können von "Long Covid" betroffen sein. (Archiv) Bildrechte: dpa

Impfung als Ausweg

Einen nachhaltigen Ausweg bietet deshalb wohl nur der Impfstoff, denn nur wenn auch Kinder geimpft werden, lässt sich eine Herdenimmunität erreichen. Aktuell laufen mehrere klinische Studien zur Impfung von Kindern. Auch der US-Hersteller Moderna ist nach Angaben der "Tagesschau" bereits in die klinischen Studien eingestiegen. Moderna wolle bis zum Sommer erste Ergebnisse vorlegen. Ebenfalls bis zum Sommer rechnete das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca mit Ergebnissen. Auch der vierte in der EU zugelassene Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson werde bereits in Studien auf die Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern geprüft.

(BRISANT/dpa/dlf/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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