Impfung gegen Coronavirus Wann kommt der Corona-Impfstoff - und wer wird zuerst damit geimpft?

Sie gilt als DAS Allheilmittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Eine Impfung, die gegen eine Ansteckung mit dem neuartigen Virus schützt. Erst wenn ein wirksamer Impfstoff gegen das neuartige Virus gefunden ist, sind die zahlreichen Corona-Beschränkungen Geschichte. Wann ist mit dem Impfstoff zu rechnen, wer wird zuerst geimpft werden - und wie wirkt das Impfserum?

Symbolbild: Impfung gegen Corona-Viren.
Mit Hochdruck in weltweit 170 wissenschaftlichen Projekten nach einer wirksamen Substanz gegen das Coronavirus gesucht. Bildrechte: imago images/MiS

Wann wird es einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben?

Eine Frage, die die Bevölkerung genauso umtreibt wie Politiker und Wissenschaftler. Während US-Präsident Donald Trump mit dem Versprechen, bis Ende Oktober einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gefunden zu haben, seinen Wahlkampf positiv zu beeinflussen versucht, gibt man sich in Deutschland deutlich verhaltener.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gehen davon aus, dass in Deutschland für Teile der Bevölkerung in den ersten Monaten des nächsten Jahres ein Impfstoff zur Verfügung steht, für die breite Masse aber voraussichtlich erst Mitte des Jahres.

Wir wollen einen sicheren und wirksamen Impfstoff und nicht per se die Ersten sein.

Jens Spahn auf Bundespressekonferenz dpa

Mehrere Impfstoff-Kandidaten am Start

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO wird weltweit in rund 170 wissenschaftlichen Projekten nach einer wirksamen Substanz gegen das Coronavirus gesucht. Bei 26 Projekten sollen bereits Testimpfungen laufen, um die gesundheitliche Verträglichkeit und Wirksamkeit des potentiellen Impfstoffes zu untersuchen.

In Russland ist bereits im August und vor Abschluss wichtiger Tests der erste Impfstoff für eine breite Anwendung in der Bevölkerung freigegeben worden: Sputnik V. Das ist international auf breite Kritik gestoßen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten darf ein Corona-Impfstoff zur eingeschränkten Notfallverwendung genutzt werden, obgleich seine Herstellung noch nicht offiziell genehmigt ist.

Fotoillustration - eine medizinische Spritze und eine russische Flagge mit Sputnik V-Inschrift im Hintergrund.
In Russland wird bereits der Impfstoff Sputnik V gegen das Coronavirus eingesetzt. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Unterschiedliche Impfstoffe für einzelne Bevölkerungsgruppen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut erwartet, dass es in Deutschland mehrere unterschiedliche Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus geben wird. Das sei angesichts der großen Zahl von Impfstoffkandidaten "wahrscheinlich". Dabei könne es sein, dass einzelne Impfstoffe besonders für bestimmte Bevölkerungsgruppen - wie etwa ältere Menschen - geeignet seien.

Wie wirksam ist ein möglicher Corona-Impfstoff?

Wird von der Wirksamkeit von Corona-Impfungen gesprochen, meint man damit, inwiefern die Impfstoffe eine schwere Covid-19-Erkrankung verhindern. Ob die Impfstoffe auch in der Lage sein werden, die Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus zu unterbrechen und damit das Infektionsgeschehen zum Erliegen zu bringen, ist bislang nicht geklärt.

Privat- oder Kassenpatient: Wer wird zuerst gegen das Coronavirus geimpft?

In Deutschland sollen zuerst Menschen mit Vorerkrankungen, ältere Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege geimpft werden. Kriterien wie der Versicherungsstatus eines Patienten stehen dabei nicht zur Diskussion.

Außerdem wird derzeit mit den Ländern beraten, ob die Impfungen in Arztpraxen oder eher in regionalen Impfzentren durchgeführt werden sollten. Auch wer die Kosten für die Impfung trägt - der Staat oder die Krankenkassen - ist bislang nicht geklärt.

Ein alter Mann läuft mit einem Rollator auf einem Bürgersteig.
In Deutschland sollen sogenannte Risikopatienten zuerst geimpft werden. Bildrechte: imago/photothek

Keine Impfpflicht in Deutschland!

Eine Impfpflicht gegen das Coronavirus wird es in Deutschland nicht geben. "Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen", betonte Gesundheitsminister Jens Spahn auf einer Bundespressekonferenz. Um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, müssten sich seinen Angaben zufolge 55 bis 65 Prozent der Bürger impfen lassen. "Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen", so Spahn.

Sonderprogramm für beschleunigte Impfstoff-Entwicklung

Für die beschleunigte Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus hat das Bundesforschungsministerium ein Sonderprogramm über 750 Millionen Euro aufgelegt. Gefördert werden damit Projekte des Tübinger Biotechunternehmens Curevac, der Mainzer Firma BioNTech und voraussichtlich auch der Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau.

Das Mainzer Biotechunternehmen BioNTech hat zur Herstellung seines potenziellen Corona-Impfstoffes eine Produktionsanlage des Schweizer Pharmariesen Novartis im hessischen Marburg übernommen. Mit der Anlage könnte BioNTech bei vollem Betrieb seine Produktionskapazitäten um bis zu 750 Millionen Impfstoff-Dosen pro Jahr oder mehr als 60 Millionen Dosen pro Monat erweitern.

Quellen: dpa, Reuters, AFP

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. September 2020 | 17:15 Uhr

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