Impfstoffvergleich Welche Impfung hilft am besten gegen die Delta-Variante?

Die gute Nachricht vornweg: Alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe helfen gegen einen schweren Verlauf von Covid-19, ausgelöst durch die Delta-Variante des Coronavirus. Doch nicht alle sind gleich zuverlässig gegen eine Infektion. Biontech, Moderna, Astrazeneca oder Johnson&Johnson - Welcher Impfstoff wirkt am besten?

Behälter der Impfstoffe Biontech (l-r), Astrazeneca, Johnson & Johnson und Moderna stehen auf einem Tisch im Imofzentrum in den Messehallen. | Aktuell
Vier verschiedene Impfstoffe sind momentan in Deutschland zugelassen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Die Delta-Variante ist mittlerweile auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Mitte Juli lag ihr Anteil schon bei mehr als 70 Prozent. Impfungen sind eine wirksame Methode, die Pandemie einzudämmen, doch wie sicher schützen die einzelnen Vakzine gegen eine Infektion mit der Delta-Variante?

Nur vollständige Impfung schützt umfangreich

Mit einer vollständigen Corona-Impfung lassen sich laut einer Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England ( PHE ) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs von Biontech/Pfizer verhinderten demnach in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für das Vakzin von Astrazeneca lag die Quote bei 92 Prozent. Laut der Studie, die im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, sei jedoch drei Wochen nach der ersten Impfung mit Biontech nur ein Schutz von 32 Prozent gegen die Delta-Variante gegeben. Auch das französische Institut Pasteur erklärte, bei der einmaligen Impfung mit Astrazeneca sei der Schutz sogar "wenig bis gar nicht" vorhanden. Daten der britischen Regierung weisen in dieselbe Richtung: Beide Impfstoffe waren demnach drei Wochen nach der ersten Dosis nur zu 33 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante verursachte symptomatische Covid-19-Erkrankung.

Biontech/ Pfizer: Gut wirksam auch gegen Delta

Laut einer Studie der britischen Gesundheitsbehörde (PHE) sind Patienten zwei Wochen nach der zweiten Dosis zu 88 Prozent gegen eine Infektion geschützt, die durch die Delta-Variante des Virus ausgelöst wird. Schwere Verläufe werden laut dieser Studie aus dem Juni sogar zu 96 Prozent verhindert. Eine weitere Studie aus dem Juli bestätigt diese Werte. Daten aus Israel lassen aber aufhorchen. Laut dem nationalen Gesundheitsministerium schütze die doppelte Biontech-Impfung nunmehr nur noch zu 64 Prozent gegen eine Infektion mit der Delta-Variante. Der Schutz vor einem schweren Verlauf sei aber nach wie vor sehr hoch - nämlich 93 Prozent. Das Ministerium wies aber darauf hin, dass die Datenlage noch begrenzt und die Studienergebnisse vorläufig seien.

Zum Impfen vorbereitete Spritzen liegen bei der Betriebsimpfung der Sartorius AG mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in einer Schale.
Comirnaty - der impfstoff von Biontech/Pfizer Bildrechte: dpa

Moderna: Ähnliche Wirksamkeit wie bei Biontech zu erwarten

Eine amerikanische Studie deutet darauf hin, dass auch beim zweiten mRNA-Impfstoff neben Biontech eine ähnliche Wirkung zu erwarten ist. Der amerikanische Virologe Anthony Fauci äußerte sich gegenüber der "Washington Post", dass er von einer Wirksamkeit von 88 Prozent ausgehe. Daten aus Israel weisen aber darauf hin, dass die Wirksamkeit von Moderna bei der Delta-Variante nur 60 bis 80 Prozent betragen könnte.

Johnson & Johnson: Langanhaltende Wirkung

Das Pharmaunternehmen Jannsen gab kürzlich zwar bekannt, dass Johnson & Johnson auch eine "starke und langanhaltende Antikörper-Aktivität gegen die sich schnell verbreitende Delta-Variante" hervorrufe, eine Prozentzahl zur Schutzwirkung wurde in der Pressemitteilung aber nicht genannt. Jedoch würde das Vakzin schwere Verläufe zu 85 Prozent verhindern. Untersuchungen deuten auch darauf hin, dass die einmalige Impfung mindestens acht Monate ihren Schutz entfaltet. Experten zweifeln allerdings daran, dass der Impfstoff ausreichend wirksam gegen die Delta-Variante ist und bringen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff als Booster ins Spiel.

Spritzen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff (l-r), Comirnaty von Biontech/Pfizer und von Moderna liegen für die Impfung gegen Corona, vorbereitet in Schalen.
Alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe bieten einen guten Schutz vor einem schweren Covid-19-Verlauf Bildrechte: dpa

Astrazeneca: Besser als sein Ruf

Die doppelte Impfung mit Astrazeneca ist laut britischer Studien gegen die Delta-Variante nahezu genauso wirksam, wie gegen andere Varianten von Covid-19. Eine Infektion wird bei der Delta-Mutation zu 60 Prozent verhindert, bei der Alpha-Variante zu 66 Prozent. Schwere Verläufe werden gar zu 92 Prozent verhindert. Eine neuere britische Studie bescheinigt gar eine Wirksamkeit von 67 Prozent gegen die Delta-Variante, verglichen mit 74,5 Prozent gegen die Alpha-Variante. Da diese Werte aber generell nicht vergleichbar mit mRNA-Impfungen sind, empfiehlt das RKI seit Kurzem, nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca, die Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna durchzuführen. Studien weisen ebenfalls darauf hin, dass nach einer zweimaligen Astrazeneca-Impfung eine dritte Dosis die Wirksamkeit noch einmal deutlich erhöhen kann.

BRISANT

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