Coronavirus Infektion statt Impfung - Warum eine absichtliche Ansteckung mit Corona keine gute Idee ist

Die Omikron-Variante soll angeblich mildere Verläufe von Covid-19 zur Folge haben. Für einige ist der Glaube daran offenbar Grund genug, sich absichtlich anstecken zu wollen, um bestmögliche Immunität zu erreichen. Was ist dran an dieser Taktik? Kann es tatsächlich ein Weg aus der Pandemie sein oder ist es ein unkalkulierbares Risko?

Illustration - Hand verweigert Impfung
Lieber infizieren als impfen? Experten raten davon ab. (Themenbild) Bildrechte: imago images/Ikon Images

Bei einer Ansteckung mit der Omikron-Variante des Coronavirus sind die Krankheitsverläufe anscheinend insgesamt milder als bei der Delta-Variante. Das legen zumindest Daten aus Südafrika, Großbritannien, Dänemark und den USA nahe. Auch in Deutschland wird über solche milderen Verläufe nach einer Ansteckung berichtet. Was man allerdings beachten sollte: Mild bedeutet nicht gleich harmlos. Experten warnen davor, eine Infektion mit der Omikron-Variante zu unterschätzen bzw. diese gar zu forcieren.

Experten warnen vor absichtlicher Infektion

Die einhellige Experten-Meinung: Eine absichtliche Infektion ist keine gute Idee. "Covid 19 ist wirklich eine schwere Erkrankung. Und das ist auch etwas, dass mir wichtig ist: Auch wenn wir jetzt oft hören, Omikron verursache mildere Verläufe; das Wort mild, das suggeriert irgendwie, es ist was Positives, so wie milde Temperaturen. Aber es ist immer noch ein Virus, was sehr schwer krank machen kann", sagte die Virologin Melanie Brinkmann in der ZDF-Sendung "Maybritt Illner". Corona sei keine Grippe. So hatte etwa eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf gezeigt, dass auch eine milde bis moderate Covid-19-Erkrankung die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren mittelfristig beeinträchtigen kann.

Virologen und Mediziner wissen zudem noch zu wenig über langfristige Folgen bei Omikron, auch daher ist eine absichtliche Infektion keine gute Idee. Ebenso seien die Auswirkungen für kleine Kinder noch nicht abzuschätzen. Long-Covid-Symptome können etwa dauerhafte Müdigkeit, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Erschöpfung oder eine verminderte Leistungsfähigkeit sein.

Melanie Brinkmann
Virologin Melanie Brinkmann warnt davor, sich absichtlich mit Omikron zu infizieren. (Archiv) Bildrechte: dpa

Krankheitsschwere nur bedingt mit anderen Ländern vergleichbar

Nach Angaben von Carsten Watzl, dem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hänge die Krankheitsschwere auch bei Omikron von der Immunität ab. Daten aus Großbritannien würden zeigen, dass Omikron für Geimpfte 60 bis 70 Prozent harmloser sei als Delta. Auch bei einer Infektion mit Omikron seien Geimpfte vor einem schweren Krankheitsverlauf weiterhin gut geschützt.

Ungeimpfte könnten hingegen ein Problem bekommen. Das Risiko dieser Gruppe, sich zu infizieren, ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts "sehr hoch". Rund ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland ist nicht geimpft. Und das macht es schwierig, Daten zur Schwere der Erkrankung mit anderen Ländern, wo Altersstruktur und die Größe der Impflücken anders sind, zu vergleichen. Ob die Verläufe in Deutschland also tatsächlich milder sind, lässt sich gegenwärtig nicht mit Sicherheit beantworten.

Oberarm, seitlich, mit drei untereinander aufgeklebten braunen Pflastern. Rotes Oberteil bzw. T-Shirt.
Geboosterte Personen sind gut vor einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung geschützt. Bildrechte: Imago/Steinach (M)

Absichtliche Infektion: wie mit "Dynamit zu spielen"

Neben dem persönlichen Risiko treibt jeder, der sich absichtlich mit Omikron infiziert und andere damit wissentlich oder unwissentlich ansteckt, die Infektionszahlen in die Höhe. Omikron gilt als deutlich ansteckender als die Delta-Variante. Und je mehr Personen infiziert sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt - denn auch Omikron kann Krankenhausaufenthalte nötig machen.

In den USA hat sich trotz aller Warnungen der Trend verbreitet, sich absichtlich mit dem Coronavirus zu infiziren. "Es hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet", so Robert Murphy von der Northwestern University Feinberg School of Medicine, zu CNN. Murphy warnt eindrücklich davor: "Es ist, als würde man mit Dynamit spielen." Jeder, der das versuche, sei "verrückt".

(BRISANT/dpa/rnd/cnn)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Januar 2022 | 17:15 Uhr

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