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Lieber infizieren als impfen? Experten raten davon ab. (Themenbild) Bildrechte: imago images/Ikon Images

CoronavirusInfektion statt Impfung - Warum eine absichtliche Ansteckung mit Corona keine gute Idee ist

Stand: 24. Juni 2022, 14:32 Uhr

Die Omikron-Variante hat mildere Verläufe von Covid-19 zur Folge als Delta. Und Impfung plus Infektion bietet den besten Schutz gegen das Coronavirus. Doch ist es deshalb eine gute Idee, sich absichtlich anstecken zu wollen, um bestmögliche Immunität zu erreichen? Kann diese Taktik tatsächlich ein Weg aus der Pandemie sein oder ist es ein unkalkulierbares Risko?

Seit Anfang Juni steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus wieder an, von einer "Sommerwelle" ist die Rede. Doch auch wenn die Omikron-Varianten insgesamt mildere Krankheitsverläufe haben als die zuvor vorherrschende Delta-Variante, so ist eine Infektion nicht unbedingt harmlos. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schreibt etwa: "Jeder kann an COVID-19 erkranken und in jedem Alter schwer erkranken oder sterben." Auch das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die derzeitige Gefährdung durch COVID-19 für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als hoch ein. Experten warnen deshalb davor, eine Infektion mit der Omikron-Variante zu unterschätzen oder gar zu forcieren.

Experten warnen vor absichtlicher Infektion

Die einhellige Experten-Meinung: Eine absichtliche Infektion ist keine gute Idee, vor allem wenn man sich so für den Winter wappnen wolle. "Das ist totaler Nonsens. So viele Menschen können sich im Sommer gar nicht infizieren, dass das im Winter die Coronazahlen niedrig halten würde", sagte etwa Virologe Christian Drosten im Interview mit dem "Spiegel". Das habe schon bei der Fußballeuropameisterschaft in Großbritannien 2021 nicht funktioniert. "Auf gar keinen Fall sollte man sich absichtlich infizieren! Man sollte das weiterhin so gut es geht vermeiden, auch wegen des Risikos von Long Covid. Leider ist eine Infektion langfristig aber unausweichlich."

Auch Virologin Melanie Brinkmann rät von einer absichtlichen Infektion ab: "Covid 19 ist wirklich eine schwere Erkrankung. Und das ist auch etwas, dass mir wichtig ist: Auch wenn wir jetzt oft hören, Omikron verursache mildere Verläufe; das Wort mild, das suggeriert irgendwie, es ist was Positives, so wie milde Temperaturen. Aber es ist immer noch ein Virus, was sehr schwer krank machen kann", sagte sie im Januar in der ZDF-Sendung "Maybritt Illner". Corona sei keine Grippe. So hatte etwa eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf gezeigt, dass auch eine milde bis moderate Covid-19-Erkrankung die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren mittelfristig beeinträchtigen kann.

Langzeitstudien zeigen: Wer Covid-19 überstanden hat, kann dennoch an Spätfolgen leiden. Auch daher ist eine absichtliche Infektion keine gute Idee. Mediziner nennen die Symptome "Long Covid" oder "Post Covid". Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin kämpfen bis zu 15 Prozent aller Erkrankten mit Long Covid. Symptome können etwa dauerhafte Müdigkeit, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Erschöpfung oder eine verminderte Leistungsfähigkeit sein.

Und auch Kinder können davon betroffen sein. Dennoch sind weitere Studien notwendig, um die Krankheit besser zu verstehen. An der Medizinischen Hochschule in Hannover ist dazu eine wissenschaftliche Studie gestartet.

Virologin Melanie Brinkmann warnt davor, sich absichtlich mit Omikron zu infizieren. (Archiv) Bildrechte: dpa

Besondere Gefahr für Ungeimpfte

Wie schwer eine Infektion mit Omikron verläuft, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Wahrscheinlichkeit für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe steigt mit zunehmendem Alter und bei bestehenden Vorerkrankungen. Doch das RKI warnt: Auch junge Menschen und Menschen ohne Vorerkrankungen können schwer oder lebensbedrohlich erkranken. Das Risiko dafür minimiere am besten eine Impfung gegen Covid-19.

Allerdings schützt die Impfung langfristig nicht vor einer Ansteckung mit Omikron. Die minimiert das Risiko für eine Übertragung nur in den ersten Wochen. Eine Booster-Impfung sorge aber auch dafür, dass eine Ansteckung etwas seltener werde.

Ungeimpfte könnten hingegen ein Problem bekommen. Das Risiko dieser Gruppe, sich zu infizieren, ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts "sehr hoch". Und auch das Risiko, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, ist deutlich höher: nämlich 12 Mal so hoch wie bei 3-fach-Geimpften. Das zeigt ein Bericht der US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC). Rund ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland ist nicht geimpft. Gerade diese Menschen haben ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf. Sie sollten eine Ansteckung in jedem Fall vermeiden.

Geboosterte Personen sind gut vor einem schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung geschützt. Bildrechte: Imago/Steinach (M)

Absichtliche Infektion: wie mit "Dynamit zu spielen"

Neben dem persönlichen Risiko treibt jeder, der sich absichtlich mit Omikron infiziert und andere damit wissentlich oder unwissentlich ansteckt, die Infektionszahlen in die Höhe. Omikron gilt als deutlich ansteckender als die Delta-Variante. Und je mehr Personen infiziert sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt - denn auch Omikron kann Krankenhausaufenthalte nötig machen.

Und auch eine hohe Zahl an Infektionen ist ein Problem. Denn wer wegen einer Ansteckung nicht arbeiten kann, fehlt am Arbeitsplatz im Krankenhaus, in der Arzt-Praxis, Schule, Kita oder anderen wichtigen Bereichen.

In den USA hatte sich im Januar trotz aller Warnungen der Trend verbreitet, sich absichtlich mit dem Coronavirus zu infiziren. "Es hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet", sagte Robert Murphy von der Northwestern University Feinberg School of Medicine, zu CNN. Murphy warnt eindrücklich davor: "Es ist, als würde man mit Dynamit spielen." Jeder, der das versuche, sei "verrückt".

(BRISANT/RKI/Bundesministerium für Gesundheit/Spiegel/dpa/rnd/cnn)

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