Umstrittene Internetstars So verdienen Petfluencer mit dem Haustier Geld

Vierbeiner sind heute beliebte Werbeträger in sozialen Medien. Petfluencer wissen daraus Kapital zu schlagen - die Stars der Szene werden selbst zum Produkt oder zum Markenbotschafter. Mit einer entsprechenden Follower-Zahl lässt das die Kassen der Halter gewaltig klingeln.

Hund und Katze
Petfluencer - Hund und Katze starten in sozialen Medien als Werbeträger durch. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

In Deutschland gibt es nach Angaben des Industrieverbands Heimtierbedarf rund 35 Millionen Haustiere, darunter fast elf Millionen Hunde und 16 Millionen Katzen. Die Nachfrage nach Produkten für Fiffi und Minka ist enorm. So wurden im Jahr 2020 4,5 Milliarden Euro mit Heimtier-Bedarf umgesetzt - ohne den wichtigen Online-Handel. Die Zielgruppe ist also riesig und Unternehmen versuchen, ihre Produkte auch per Social Media entsprechend zu platzieren. Hier kommen die sogenannten Petfluencer ins Spiel.

Lukrativer Markt

Zur Erklärung: Petfluencer ist eine Wortschöpfung aus Influencer und Pet, dem englischen Wort für Haustier. Influencer sind Menschen, die über soziale Netze Fans an ihrem Leben teilhaben lassen und dabei über Nahrungsergänzungsmittel bis Lockenstäbe allerhand Dinge bewerben. Und, ganz wichtig, dafür Geld bekommen. Petfluencer machen dasselbe - aber eben als Haustiere durch ihre Frauchen und Herrchen. Daher setzen sie vor allem Produkte in Szene, die Tieren das Leben angenehmer machen sollen. Der Markt ist lukrativ, denn für ihren Fiffi greifen die Deutschen gern mal tiefer in die Tasche.

Hund und Katze fressen gemeinsam.
In Deutschland gibt es rund 27 Millionen Hunde und Katzen, was einen gigantischen Markt ausmacht. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

German Petfluencer Awards

Petfluencer sind ein Hebel, um Produkte bekannt zu machen und letztlich in die Wohnungen von Frauchen und Herrchen zu bringen. Und Tiere funktionieren im Internet schon immer - macht eine Katze Schabernack und wird dabei gefilmt, kann das Video auf millionenfache Klicks hoffen. Bei den German Petfluencer Awards, die Ende September verliehen wurden, hechelten Tiere mit rund zehn Millionen Followern umher.

Was verdienen deutsche Petfluencer?

Die deutsche Szene hat ihre eigenen Stars und Sternchen. Bei der Verleihung war etwa der Fotograf Andrius Burba, der Tiere auf Glasplatten stellt und von unten fotografiert. Angekündigt wurde er als ein "Mastermind" der Szene. In der Hauptkategorie setzte sich der Account "@verpinscht" durch, der sich um die drei Hunde Mojo, Rana und Mateo dreht. Er hat mehr als 111.000 Abonnenten bei Instagram. Das ist noch nicht die Kategorie Kim Kardashian, aber dennoch schon ordentlich. Die meisten Halter verdienen sich durch die Accounts etwas dazu. Davon leben können nur die wenigsten. Schätzungen zufolge gilt in Sachen Verdienst die Faustformel: Zehn Euro pro 1.000 Follower für einen Post und etwa die Hälfte für eine Story. Oft bieten Firmen und Startups ihre Produkte als Gegenwert aber auch kostenfrei an, um sich den Werbe-Effekt zu nutze zu machen.

Jiffpom das Petfluencer-Maß der Dinge

International sieht das anders aus. Dort machen hohe Follower-Zahlen die Tiere als Werbeträger extrem begehrt. Petfluencer im US-amerikanischen Markt sind dabei die Superstars der internationalen Szene. Allen voran Zwergspitz Jiffpom, der mit seinen mehr als zehn Millionen Followern alles in den Schatten stellt. Wie bei einigen anderen auch, gibt es von Jiffpom eine eigene Merchandising-Kollektion. Und das zahlt sich aus. Schätzungen zufolge kann sein Frauchen mit jedem Instagram-Post bis zu 150.000 US-Dollar (135.000 Euro) umsetzen.

Kritik von Tierschützern

Kritiker bemängeln, dass die Fotos und Videos der Tiere nicht immer artgerecht sind. "Es ist eine Grenze erreicht, wenn man Tiere vermenschlicht, wenn man sie verkleidet und das auch zur Belustigung macht“, sagt Tierärztin Moira Gerlach vom Tierschutzbund. In vielen Fällen seien Qualzuchten und vergleichsweise hässliche Tiere bei Instagram erfolgreich: "Diese Tiere leiden unter vorstehenden Zähnen oder starren Blicken, sie kriegen schlecht Luft und normal kauen können sie auch nicht", so Gerlach weiter.

(BRISANT/dpa)

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

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