Ein Wolf in einem herbstlichen Wald
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Massive Gegenwehr in Sachsen Initiative will Ausbreitung des Wolfes stoppen

BRISANT | 10.01.2018 | 17:15 Uhr

Eine Bürgerinitiative aus dem Raum Bautzen in Sachsen hat knapp 18.600 Unterschriften für eine Begrenzung der Wolfspopulation gesammelt. Die Initiative stört sich an der hohen Wolfsdichte in der Oberlausitz.

Ein Wolf in einem herbstlichen Wald
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Über den Jahreswechsel hat es in der Oberlausitz in Sachsen erneut Schafsrisse gegeben. Gleich dreimal - in der Silvesternacht, am 4. Januar und am 8. Januar - bediente sich ein Rudel Wölfe bei einer Schäferin in Spohla bei Wittichenau. Insgesamt 14 Tiere hat sie verloren, wie Gabriele Lebsa von der Initiative "Wolfsgeschädigte und besorgte Bürger" berichtet.

Leise Ängste

Gerade in den kleinen Dörfern an den Wäldern hat die Ansiedlung der Wölfe das Leben der Bewohner verändert. Gabriela Lebsa berichtet von Frauen, die sich nicht mehr trauen würden joggen zu gehen, weil oft Wölfe zu sehen seien. "Ich selbst habe meinen letzten Wolf am ersten Advent gesehen. Das war keine 100 Meter von meinem Haus", sagt die Oberlausitzerin aus Caßlau bei Neschwitz. Gabriele Lebsa sind die Wölfe zu viel geworden. "Man darf die leisen Ängste der Bevölkerung nicht wegschieben", warnt sie und fordert, die Zahl der Rudel zu regulieren.

Ich gehe seit einem Jahr nicht mehr allein in den Wald.

Gabriele Lebsa Mitglied der Bürgerinitiative

So wie Gabriele Lebsa denken rund 18.600 Menschen. Sie haben in den vergangenen Monaten die Online-Petition der Oberlausitzer Bürgerinitiative für eine Begrenzung der Wolfspopulation unterzeichnet. Die soll nun an den Landtagspräsidenten Matthias Rößler im Sächsischen Landtag übergeben werden.

Höchste Wolfsdichte in ganz Europa

Laut der Bürgerinitiative hat die Lausitz inzwischen die höchste Wolfsdichte in ganz Europa. Dadurch werde die Weide- und Nutztierhaltung zurückgedrängt und die Bewegungsfreiheit der Menschen in der Natur eingeschränkt. Das Gesetz zum Schutz des Wolfes als bedrohtes Tier könne deshalb für die Lausitzer Region nicht mehr uneingeschränkt angewendet werden, heißt es.

Mehr als 100 Schafe gerissen

Nach Auskunft des Kontaktbüros "Wölfe in Sachsen" sind im vergangenen Jahr in der Region Bautzen etwas mehr als 70 Schafe von Wölfen gerissen worden. Laut aktueller Zählungen gibt es derzeit in Sachsen 16 Wolfsrudel mit mindestens 48 Welpen.

Wolf reißt Schafe
Für Aufregung sorgte in der Vergangenheit insbesondere ein Rudel in Ralbitz-Rosenthal. Die Tiere hatten sich offenbar auf die Nutztier-Jagd spezialisiert und mehrere Schafe einer eingezäunten Herde gerissen. Bildrechte: MDR/Benno Scholze

Nabu-Experte: Präventionsmaßnahmen umsetzen

Von einer Bestandsregulierung des Wolfes verspricht sich Lucas Ende nichts. Der Wolfsexperte vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) drängt vielmehr darauf, dass Schäfer Präventionsmaßnahmen umsetzen, wie entsprechend hohe Zäune. Laut Ende passierten die meisten Übergriffe dort, wo der Herdenschutz nicht flächendeckend stattfindet. Rückblickend hat sich die Anzahl der Wolfsrisse von Nutztieren in Sachsen nicht erhöht, sondern ist von 2016 (219 Fälle) auf 2017 (181 Fälle) sogar leicht zurückgegangen.

Eine Bestandsregulierung ist absolut ungeeignet, um bestehende Konflikte zu lösen.

Lucas Ende Wolfsexperte des Naturschutzbundes (Nabu)

Keine Gefahr für den Menschen

Laut Nabu gab es bisher keine Übergriffe auf Menschen. "Aus unserer Erfahrung lässt sich ableiten, dass der Wolf hier keine Gefahr darstellt", so Ende. Allerdings dürfe man die Tiere nicht anfüttern. "Es liegt in unserer Hand, ob es Wölfe gibt, die sich Menschen gegenüber auffällig zeigen oder nicht", warnt der Naturschützer.

Dieses Quiz steht im Moment nicht zur Verfügung.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Januar 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2018, 21:50 Uhr

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