Wissenschaftler sagt Corona-Krise: 50 Prozent der Menschen verhalten sich antisozial

Die Corona-Pandemie hat nicht nur gesundheitliche, wirtschaftliche und psychische Auswirkungen sondern auch soziale. Die Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin beschäftigt sich mit den möglichen Folgen katastrophaler Ereignisse und versucht Antworten auf wichtige Fragen zu finden.

Nicht zuletzt Querdenker-Demos und zahlreiche illegale Parties, auf denen ein Mund-Nasen-Schutz Seltenheitswert hat, machen immer wieder deutlich, dass viele Bürger sich nicht an die Corona-Schutzmaßnahmen halten (wollen). Henning Goersch ist Professor für Bevölkerungsschutz und Katastrophenmanagement und verantwortet den Studiengang "Management in der Gefahrenabwehr" an der Hochschule. Durch umfangreiche Befragungen untersucht er genau solche Sachverhalte.

Höhere Bereitschaft, gegen Vorgaben zu verstoßen

Eine der entscheidenden Fragen dabei: Warum halten sich einige nicht an die Regeln? Selten gibt es dafür die eine Erklärung. Oft gebe es mehrere Gründe für Verunsicherung und Unverständnis, sagt Henning Goersch gegenüber BRISANT. Als Beispiel führt er die Schutzmaßnahmen an. "Wir haben sehr mittelbar nur eine Möglichkeit, wo wir selber vielleicht auch immer nicht genau wissen, wie viel wirkt das jetzt, wenn ich die Maske aufsetze? Wie viel wirkt das jetzt, wenn ich meine Hände wasche und deswegen ist da, glaube ich, eher Bereitschaft, auch mal gegen die Vorgaben zu verstoßen."

Demonstranten halten bei einer Demonstration am Rheinufer ein Schild mit der Aufschrift "€žCorona Rebellen Düsseldorf€œ" in die Höhe, davor stehen Polzisten.
Demonstration gegen die Corona-schutzmaßnahmen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Corona-Krise sorgt für abstraktes Leid

In Krisensituationen würden die Verhaltensweisen normalerweise zwei Drittel bis drei Viertel dem prosozialen Spektrum zuzuorden sein. Das haben frühere Untersuchungen von Henning Goersch ergeben. In der Corona-Krise würde die Verteilung allerdings bei 50/50 liegen. Das bedeutet, dass mindestens die Hälfte der Befragten antisoziale Verhaltensweisen an den Tag legen würde. Ein weiterer Grund dafür: Man habe es mit einem abstrakten Leid zu tun, bei dem man nicht in die Intensivstationen blicken könne. Bei Hochwasser könne man sich selbst ein Bild machen und bei Aufräumarbeiten oder der Deichverteidigung direkt etwas für die Schadensabwehr tun, so Goersch. Das geht in der Corona-Krise so nicht.

Wege zu mehr prozialem Verhalten?

Worauf kommt es nun an? Der Wissenschaftler sagt, dass es in solchen Krisenzeiten vor allem eine gute Kommunikation brauche, sowie eine dauerhafte Strategie. Und nicht etwa scheibchenweise Schutz-Maßnahmen wie jetzt. "Es kann durchaus ein Baustein sein, der dazu beigetragen hat, dass wir mehr Demonstrationen haben, das vielleicht Menschen sich auch nicht an die Maßnahmen halten, dass einfach diese Salami-Kommunikation angewandt wird. Das wird Unsicherheit verbreiten. Insofern ist eine langfristige Kommunikation, eine langfristige Planung deutlich besser für die gesellschaftliche Akzeptanz", so Henning Goersch.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. Dezember 2020 | 17:15 Uhr

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