Infektionsrisiko Nach Corona-Desaster in Ischgl: Wie geht Winterurlaub in diesem Jahr?

Tausende Corona-Infektionen in Europa sollen auf Touristen zurückgehen, die ihren Winterurlaub in Ischgl verbracht haben. Ob es seitens des Wintersportorts zu Verfehlungen im Umgang mit der Corona-Krise gekommen ist, das hat jetzt eine unabhängige Expertenkommission untersucht. Dennoch hofft man in Tirol auch in diesem Winter auf zahlreiche Ski-Urlauber aus dem Ausland - und hat dafür bereits die ersten Sicherheitsmaßnahmen beschlossen.

Ortschaften im Paznauntal gesperrt
Vor allem Ischgl in Tirol ist in der vergangenen Wintersaison zum Corona-Hotspot geworden. Bildrechte: dpa

Tausende Corona-Infektionen in Europa sollen auf Touristen zurückgehen, die in Tirol - insbesondere in Ischgl - Urlaub gemacht haben. Vor allem beim gemeinsamen Feiern auf Après-Ski-Partys soll das Coronavirus übertragen worden sein. Jetzt hat eine unabhängige Expertenkommission das Corona-Krisenmanagement des Landes Tirol unter die Lupe genommen. Haben Land und Tourismusbranche schnell genug auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert?

Fehler bei Corona-Krisenmanagement in Ischgl

Als positiv und angemessen wertet die unabhängige Kommission die Reaktion der Behörden nach Bekanntwerden der ersten Corona-Fälle mit Bezug zu Ischgl um den 3. März 2020. Dennoch - und das sei ein großer Fehler gewesen - sei der Betrieb der Skibusse und Seilbahnen einen Tag später als erforderlich eingestellt worden.

Auch die Verkündung der Quarantäne über das Paznauntal durch Bundeskanzler Sebastian Kurz am 13. März hätte aus Sicht der Experten besser vorbereitet werden müssen. Dadurch hätten panikartige Reaktionen vieler ausländischer Gäste, die die Region fluchtartig verlassen hatten, verhindert werden können. Stattdessen wäre eine koordinierte und gestaffelte Rückreise über das gesamte Wochenende möglich gewesen.

Anhaltspunkte dafür, dass die Tourismus- und Seilbahnwirtschaft Einfluss auf die Entscheidungen der Behörden genommen hätte, sieht die Expertenkommission nicht.

Ortsschild steht am Ausgang der Ortschaft Ischgl
Eine unabhängige Expertenkommission stellt Fehler beim Corona-Krisenmanagement in Ischgl fest. Bildrechte: dpa

Skisaison 2020/2021: So soll ein zweites Ischgl verhindert werden

Dennoch hofft man in Tirol und im restlichen Österreich für die kommende Wintersaison erneut auf ausländische Gäste. "Ski-Vergnügen ja, aber ohne Après-Ski", lautet die Parole der österreichischen Regierung. Dafür sind schon jetzt die ersten Hygienekonzepte erarbeitet worden. Essen und Getränke wird es nur im Sitzen geben, in Gondeln wird eine Maskenpflicht gelten. Darüber hinaus setzen Behörden, Tourismusverbände und Betreiber je nach Bundesland und Skigebiet auf unterschiedliche Maßnahmen.

Das Kitzloch, eines der angesagtesten Après-Ski-Lokale in Ischgl (Österreich)
Après-Ski-Partys wird es in der kommenden Ski-Saison nicht geben. Bildrechte: dpa

Erprobte Sicherheitsstandards: Maske, Abstand, Tests und Kontaktnachverfolgung

Um den Winterurlaub trotz Corona-Pandemie attraktiv zu machen, haben sich die Tourismus-Verantwortlichen einiges überlegt. Ein Multifunktionstuch als Mund-Nasen-Schutz könnte zum It-Piece der kommenden Skisaison werden. An manchen Skiorten muss man es käuflich erwerben, anderswo bekommt man es zum Saisonpass dazu. Auf der Piste muss es übrigens nicht getragen werden.

Beim Anstehen am Lift ist Abstand zu wahren. Außerdem sollen Hotel- und Skigebietsmitarbeiter häufiger auf Corona getestet werden, zum Teil will man täglich vor Dienstantritt Fieber messen.

Die Registrierung von Gästen und die Kontaktnachverfolgung sollen per Handy erfolgen. Manche Orte wollen die Lage zusätzlich mit einem Abwassermonitoring im Blick behalten.

Finanzielle Erstattungen bei erneutem Lockdown

Und: Man will den Gästen auch finanzielle Sicherheiten bieten. Sollte es erneut zu einem Lockdown kommen, garantieren mehrere Skigebiete ihren Saisonkarten-Kunden Erstattungen.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. Oktober 2020 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren