Pferdepille statt Impfung Impfgegner nehmen Wurm-Mittel gegen Corona - Ivermectin in Oberösterreich ausverkauft

Einige Impfgegner schlucken offenbar lieber Wurm-Mittel für Tiere als sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Sie therapieren damit Covid-19 oder nehmen es vorbeugend ein. In Österreich ist das rezeptpflichtige Mittel oft ausverkauft. Das RKI warnt vor Vergiftungen.

Medikamentenpackung "IverCae"
Gibt's auch mit Apfelgeschmack: Der Anti-Wurm-Wirkstoff Ivermectin gilt als angebliches Wundermittel gegen Covid-19. Bildrechte: dpa

Anstatt sich gegen Corona impfen zu lassen, versuchen viele Impfgegner in Österreich neuerdings, ihre Corona-Infektion mit einem Wurm-Mittel für Tiere zu behandeln. Ivermectin soll in Oberösterreich bereits ausverkauft sein, obwohl es rezeptpflichtig ist. Es hilft bei Pferden, Rindern, Schafen oder Schweinen gegen Würmer im Darm.

Wie es gegen einen Virus im Menschen helfen soll, ist Medizinern schleierhaft. Einen Beleg dafür, dass der Wirkstoff vor Corona schützt oder Covid-19 heilt, gibt es nicht. Impfgegner propagieren Ivermectin nicht nur als Medikament, sondern auch als vorbeugende Therapie.  

Impfgegner schwören auf Parasiten-Mittel

Zu den bekanntesten Befürwortern des Parasiten-Mittels als ungeprüftes Medikament für eine Covid-19-Behandlung in Österreich gehört der Chef der rechten FPÖ, Herbert Kickl. Der 53-Jährige hat sich jüngst mit dem Coronavirus infiziert. Ob er Ivermectin nun selber einnimmt, ist unklar.

Das Robert Koch Institut warnt vor einer Selbstmedikation. Es ist zwar tatsächlich für den Menschen zugelassen - zur Behandlung von Krätze - und es gab auch klinische Corona-Studien mit Ivermectin, doch die Einnahme habe keinerlei positiven Effekt gehabt. Im Gegenteil. Nebenwirkungen sind: Hautödeme, Halluzinationen, asthmatische Anfälle und Krampfanfälle. Das Mittel soll zudem die Leber vergiften und Embryos schädigen.

Warnhnweis auf Beipackzettel "IverCae"
Der Warnhnweis dürfte eindeutig sein: Nicht für menschlichen Konsum gedacht! Bildrechte: dpa

Vergiftung: Einnahme kann gefährlich sein

In Amerika ist die Einnahme von Ivermectin zur Behandlung von Covid-19 ebenfalls sehr beliebt. Doch gab es dort bereits Tote. Weil Betroffene die Dosis für Pferde einnehmen - und die ist viel zu hoch. Bereits im August warnte die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA ausdrücklich vor der Einnahme mit dem Tweet "Ihr seid keine Pferde. Und auch keine Kühe. Ernsthaft, hört auf damit!"

Das Entwurmungsmittel war bereits Anfang des Jahres in Argentinien restlos ausverkauft, weil es sich bei Versuchen im Reagenzglas als hemmend auf eine Corona-Infektion gezeigt hatte.

Ivermectin
Das Wurm-Mittel wurde schon in Argentinien als Wundermittel angepriesen. Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Der Wirkstoff Ivermectin wird in der Tiermedizin eingesetzt. Es darf nicht einmal an Pferde verabreicht werden, die für den Fleischkonsum gedacht sind.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. November 2021 | 17:15 Uhr

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