Nur ein Piks nötig Priorisierung aufgehoben - Impfstoff von Johnson & Johnson nun für alle

Die Priorisierung für den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson ist in Deutschland aufgehoben worden. Der Einsatz des Vakzins wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) dennoch nur für Menschen ab 60 Jahren empfohlen, Jüngere brauchen eine ärztliche Beratung. Gegenüber den anderen Vakzinen hat Johnson & Johnson einen großen Vorteil.

Impfstoff von Johnson & Johnson
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Nach ärztlicher Beratung Johnson & Johnson auch für Jüngere

Auf Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern können sich aber alle "nach ärztlicher Aufklärung und individueller Risikoentscheidung" mit diesem Impfstoff impfen lassen. Ähnlich wie bei Astrazeneca wurden auch beim Impfstoff von Johnson & Johnson in einzelnen Fällen Blutgerinnsel nach einer Impfung beobachtet. Solche Hirnvenenthrombosen seien eine "sehr seltene, aber auch ernsthafte Nebenwirkung", sagte Spahn.

Deutschland erwartet große Menge an Impfstoff

Die USA hatten die Impfungen mit Johnson & Johnson deshalb vorübergehend ausgesetzt. In der EU ist der Impfstoff bereits seit März zugelassen, wurde aber bislang kaum eingesetzt. Auch in Deutschland wurde laut Spahn von den bisher 450.000 ausgelieferten Dosen Johnson & Johnson erst ein geringer Teil verimpft. Spahn zufolge wird im Juni und Juli eine große Menge des Impfstoffs erwartet - insgesamt mehr als zehn Millionen Dosen im zweiten Quartal. Allerdings werden dann die meisten der über 60-jährigen Impfwilligen voraussichtlich schon eine Corona-Impfung bekommen haben, weshalb die Öffnung von Johnson & Johnson für Jüngere nach ärztlicher Aufklärung laut Spahn auch eine "pragmatische" Entscheidung sei.

Schneller voller Schutz: Nur eine Impfung nötig

Der Vektorvirenimpfstoff von Johnson & Johnson hat den Vorteil, dass er im Vergleich zu den anderen Wirkstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca leichter lagerbar ist. Außerdem ist nur eine Dosis zur vollen Immunisierung notwendig. Im Hinblick auf den ersehnten Sommerurlaub ist das sicher ein großer Pluspunkt des Vakzins. Der Impfschutz liegt zwei Wochen nach der Impfung bei knapp 67 Prozent, nach vier Wochen schützt das Vakzin zu 85 Prozent.

Prioisierung auch bei Astrazeneca aufgehoben

In der vergangenen Woche hatten Bund und Länder die Priorisierung für Astrazeneca aufgehoben. Das heißt, für das Impfen mit diesem Wirkstoff gelten die gleichen Voraussetzungen wie nun auch für Johnson&Johnson. Ein Arzt muss über mögliche Risiken beraten, dann können sich bundesweit alle Erwachsenen mit dem Mittel impfen lassen. Zuvor galt auch für Astrazeneca die Beschränkung auf die Altersgruppe der über 60-Jährigen.

Spahn warnt vor Übermut

Bislang wurden Spahn zufolge in Deutschland insgesamt mehr als 35 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus gegeben. 27,2 Millionen Menschen und damit fast ein Drittel erhielten eine Erstimpfung, was einem Anteil von 32,8 Prozent entspricht. 7,8 Millionen Menschen und damit 9,4 Prozent sind vollständig geimpft. Dennoch mahnte Spahn, dass aus Zuversicht kein Übermut werden dürfe. Öffnungsschritte müssten nach wie vor an den Inzidenzwerten ausgerichtet sein. "Es darf keinen politischen Wettbewerb der Lockerungen geben", so Spahn.

ten/dpa/afp

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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