Nach Impfstopp-Empfehlung in USA Johnson & Johnson verschiebt Markteinführung von Corona-Impfstoff in Europa

Nach der Impfdebatte um den Corona-Impfstoff von Astrazeneca rückt nun das Vakzin von Johnson & Johnson in den Fokus. Auch hier soll es schwere Fälle von Thrombosen gegeben haben. US-Behörden empfehlen eine Aussetzung der Impfungen. Der Hersteller hat unterdessen die Markteinführung in Europa verschoben.

Impfstoff von Johnson & Johnson
US-Behörden empfehlen, Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson vorerst auszusetzen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Die US-Behörden haben eine Aussetzung der Impfungen mit dem Corona-Vakzin von Johnson & Johnson wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen empfohlen. Die Arzneimittelbehörde FDA und die Gesundheitsbehörde CDC verwiesen am Dienstag (13.04.) auf eine laufende Untersuchung zu sechs Fällen von seltenen Blutgerinnseln, die nach Impfungen mit dem Produkt des US-Pharmakonzerns gemeldet wurden. Bis zum Abschluss der Untersuchung werde "vorsichtshalber" eine "Pause" bei den Impfungen empfohlen. Bei den betroffenen Personen handelt es sich um Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren.

Johnson & Johnson Corona Impfstoff
Bei sechs Frauen sind seltene Blutgerinsel (Thrombosen) nach der Corona-Impfung aufgetreten. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Impfstart in Europa verschoben

Auch für Die europäische Union und damit Deutschland hat das Auswirkungen. Der Hersteller Johnson & Johnson hat den Beginn der Impfungen in Europa vorerst verschoben. Eigentlich sollte die Auslieferung der Impfstoffe schon in dieser Woche beginnen. Es wäre der vierte Impfstoff, der in Europa zum Einsatz kommen sollte. 10 Millionen Dosen sollten ursprünglich bis Mitte Juni nach Deutschland gehen.

Erinnerungen an Impfdebatte um Astrazeneca-Vakzin

Die Fälle erinnern an die Probleme mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca. Hier hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff von Astrazeneca und dutzenden, teilweise auch tödlichen Thrombose-Fällen untersucht. Sie kam zu dem Schluss, dass der Nutzen der Impfung das Risiko überwiegt und empfahl lediglich, Blutgerinnsel künftig als "sehr seltene Nebenwirkung" des Impfstoffs aufzuführen.

Bei dem Impfstoff von Astrazeneca handelt es sich wie beim Impfstoff von Johnson & Johnson um einen Vektorviren-Impfstoff. In Deutschland wird das Astrazeneca-Vakzin grundsätzlich nur noch Menschen ab 60 Jahren verabreicht.

Impfpass mit Eintrag für eine Impfung mit dem Impfstoff AstraZeneca
Der Impfstoff von Astrazeneca wird in Deutschland grundsätzlich nur an Menschen ab 60 Jahren verabreicht. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Martin Bäuml Fotodesign

Auswirkungen auf EU-Zulassung des J&J-Impfstoffs?

Nach der Entscheidung der US-Behörden zu Johnson & Johnson sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin: "Wir nehmen solche Warnungen immer ernst und gehen ihnen nach." Für Deutschland gebe es dazu bislang aber noch keine Entscheidungen, fügte der Sprecher hinzu. Das J&J-Vakzin war Mitte März in der EU zugelassen worden, ist hier aber noch nicht im Einsatz. In den USA wurden hingegen nach Angaben der FDA bis Montag (12.04.) mehr als 6,8 Millionen Dosen verabreicht.

Insgesamt sollen im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen an die EU geliefert werden. Anders als bei den anderen bisher zugelassenen Corona-Impfstoffen ist bei dem Vakzin nur eine Impfspritze für einen umfassenden Schutz nötig.

ten/dpa/afp

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. April 2021 | 17:15 Uhr

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