Ein Regionalexpress fährt unter einer Brücke entlang, an der ein Hinweisschild vor Hochspannung in der Oberleitung warnt
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Troisdorf südlich von Köln Auf Kesselwagen geklettert: 18-Jähriger stirbt durch Stromschlag

BRISANT | 17.09.2018 | 17:15 Uhr

Ein 18-Jähriger ist am Güterbahnhof Troisdorf südlich von Köln durch einen Stromschlag getötet worden. Er war auf einen Kesselwagen geklettert. Wir haben mit einem 22-Jährigen gesprochen, der einen Stromschlag überlebte.

Ein Regionalexpress fährt unter einer Brücke entlang, an der ein Hinweisschild vor Hochspannung in der Oberleitung warnt
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Ein 18-Jähriger hat beim Klettern auf einem Güterwaggon einen tödlichen Stromschlag erlitten. Der junge Mann war am Morgen am Güterbahnhof Troisdorf südlich von Köln zu nah an die Oberleitung gekommen, durch die 15 000 Volt flossen, teilte die Bundespolizei am Montag mit.

Brennend vom Kesselwagen gefallen

Ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn hatte eigenen Angaben zufolge einen Lichtbogen gesehen. Der 18-Jährige fiel brennend von dem Kesselwagen. Er starb noch an der Unfallstelle. Seine beiden Begleiter, 17 und 20 Jahre alt, erlitten einen Schock und befinden sich in psychologischer Behandlung, erklärte eine Sprecherin der Bundespolizei.

Stichwort: Stromschlag 15.000 Volt fließen in Oberleitungen der Bahn. Für einen Stromschlag ist kein direkter Kontakt nötig. Schon eine Unterschreitung des Mindestabstandes von 1,5 Metern kann tödlich sein!

Stromschlag überlebt: Roberto Alves-Pohl warnt!

Immer wieder kommen Menschen bei ähnlichen Unfällen ums Leben. Auch Roberto Alves-Pohl hätte vor einem Jahr seinen Leichtsinn beinahe mit dem Leben bezahlt. Roberto war 21 Jahre alt, als er auf dem Güterbahnhof Dresden-Friedrichstadt für einen Wettbewerb trainierte. Der sportliche junge Mann suchte die Herausforderung, als er mit einem Freund über die Waggons hechtete und dabei alle Gefahren übersah. Er kam der Oberleitung zu nahe und bekam einen Stromschlag. 15.000 Volt strömten durch seinen Körper.

Die Schädeldecke verbrannt, der Fuß zerfetzt

"Ich habe einen wahnsinnigen Schmerz wahrgenommen. In jeder einzelnen Pore in meinem Körper brannte es", erinnert sich Roberto. Wie durch ein Wunder überlebte er. Erst als die Oberleitung abgeschaltet war, kamen die Sanitäter an den Verletzten ran. Per Hubschrauber wurde Roberto ins Krankenhaus geflogen. Sein Zustand war kritisch: Seine Schädeldecke war verbrannt, sein Fuß zerfetzt.

13 große und 40 kleinere Operationen

Mit Hochdruck arbeiteten die Ärzte daran, Robertos Leben zu retten. 13 große und 40 kleinere Operationen musste der Sportler über sich ergehen lassen. Auch für den Arzt Prof. Thomas Kremer vom Schwerbrandverletztenzentrum Klinikum St. Georg Leipzig war Robertos Zustand eine medizinische Herausforderung: "Am Kopf war der Schädelknochen verbrannt. Wir mussten daher Anteile des eigenen Gewebes transplantieren, um die offenen Wunden zu verdecken", erinnert er sich.

"Aufgeben war keine Option"

In der Reha erkämpfte sich Roberto von Tag zu Tag ein Stück Bewegungsfreiheit zurück. Täglich übt er, mit den Krücken zu laufen: "Es gab häufig die Momente an denen ich keine Lust mehr hatte. Jeder Tag war ein Kampf. Aber Aufgeben war keine Option für mich", sagt er. Heute, knapp ein Jahr nach dem Unfall, trainiert Roberto wieder Parkour. Bahnhöfe sind aber tabu.

Ich frage mich täglich, wie ich so leichtsinnig sein und so ein Risiko eingehen konnte.

Roberto Alves-Pohl

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. September 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 18:37 Uhr

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